Maigret in New York

Erschienen: Januar 1956

Bibliographische Angaben

  • Paris: Presses de la Cité, 1947, Titel: 'Maigret à New York', Seiten: 251, Originalsprache
  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1956, Seiten: 200, Übersetzt: Bernhard Jolles
  • München: Heyne, 1967, Seiten: 140, Übersetzt: Bernhard Jolles
  • Zürich: Diogenes, 1985, Seiten: 204, Übersetzt: Bernhard Jolles & Henriette Bonhoeffer
  • Zürich: Diogenes, 2008, Seiten: 194, Übersetzt: Bernhard Jolles & Henriette Bonhoeffer, Bemerkung: Sämtliche Maigret-Romane in 75 Bänden, Bd. 27

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Jörg Kijanski
Ein schwacher Roman des großen Simenon

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2009

Darf man einen Autor wie Georges Simenon kritisieren oder gilt dies gleich als Majestätsbeleidigung? Wie dem auch sei, Maigret in New York ist ein ganz schwacher Band, der nur allein durch seinen sympathischen Protagonisten bestehen kann. Dies liegt vor allem daran, dass man sich mit dem Plot so gar nicht anfreunden kann.

Der Roman entstand 1947 und der "liebe Kommissar" befindet sich nach dreißig Dienstjahren im wohlverdienten Ruhestand. Damit fängt es schon an, denn in den Folgejahren wurden zahlreiche weitere Maigret-Romane geschrieben, in denen der "Mann mit der Pfeife" wieder am Quai des Orfevres an seinem Schreibtisch sitzt. Sei es drum, Maigret ist also im Ruhestand und macht seine erste Seereise, die ihn ins ferne Amerika führt.

Jean Maura, Sohn eines reichen Geschäftsmannes in New York, macht sich Sorgen um seinen Vater John. Dieser fühlt sich offenbar bedroht, zumindest geht dies aus einem Briefwechsel mit seinem Sohn hervor. Dieser bittet Maigret ihn nach New York zu begleiten und dort die Hintergründe zu ermitteln. Maigret stimmt zu, doch bereits unmittelbar nach der Ankunft im Hafen verschwindet sein Auftraggeber. Dessen Vater will von Maigret nichts wissen und verbietet sich jegliche Eingriffe in sein Privatleben. Mehr als einmal wird Maigret mit Nachdruck gebeten, wieder nach Hause zu fahren.

Warum er dies nicht tut bleibt eines der Geheimnisse des Kommissars, denn spätestens auf Seite 104 scheint der Fall (welcher eigentlich?) gelöst. Jean taucht wieder auf, sein Vater fühlt sich bestens und lässt Maigret einen Scheck über 2.000 Dollar aushändigen. Dessen Kosten sind also mehr als gedeckt und so könnte Maigret in aller Ruhe das nächste Schiff besteigen, um sich auf den Heimweg zu seiner Frau zu begeben. Stattdessen bleibt er in New York und ermittelt, warum Jeans Vater so abweisend reagiert und wovor er sich offenkundig fürchtet.

Niemand hat Maigret darum gebeten und gerade deswegen fällt es dem Leser schwer, die Handlung des Protagonisten nachzuvollziehen. Zudem sind einige der mitwirkenden Figuren seltsam überdreht dargestellt. Was war mit Georges Simenon los, als er dieses Werk verfasste? Ein Bundespolizist den Maigret von einem früheren Fall in Paris kennt umgibt sich mit vagen Andeutungen, die nur wenig Sinn ergeben. Ein von Maigret hinzugezogener Privatdetektiv war einst als Clown tätig und ist nun nur noch traurig. Ganz großes Kino (im negativen Sinn); ein zusammenhangloses Zeug brabbelnder Polizist und ein trauriger Clown als "Helfer" des Kommissars. Da nützt es am Ende wenig, dass Maigret den "Fall" löst und hinter das Familiengeheimnis der Mauras kommt, zumal der Leser nicht die geringste Chance hat, zuvor selber irgendwelche Schlüsse zu ziehen.

Maigret in New York

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