Maigret als möblierter Herr

Erschienen: Januar 1957

Bibliographische Angaben

  • Paris: Presses de la Cité, 1951, Titel: 'Maigret en meublé', Seiten: 223, Originalsprache
  • Köln; Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1957, Seiten: 188, Übersetzt: Jean Raimond
  • München: Heyne, 1967, Seiten: 140, Übersetzt: Jean Raimond
  • Zürich: Diogenes, 1979, Seiten: 199, Übersetzt: Wolfram Schäfer
  • Zürich: Diogenes, 2009, Titel: '3', Seiten: 195, Übersetzt: Wolfram Schäfer, Bemerkung: Sämtliche Maigret-Romane in 75 Bänden, Bd. 37

Couch-Wertung:

80°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
1 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:87
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":1,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Wolfgang Reuter

Buch-Rezension von Wolfgang Reuter Mai 2003

Maigret, ein Kommissar in Paris, ist Strohwitwer. Seine Frau besucht ihre Schwester, die sich in einem Krankenhaus im Elsaß einer Operation unterziehen muss. Er weiß mit seiner Zeit nicht viel anzufangen, da erhält er einen Anruf, dass Inspektor Janvier, einer seiner liebsten Kollegen, angeschossen wurde.
Janvier tat Dienst in der kleinen pariser Pension der Mademoiselle Clément im Zusammenhang mit einem Raub in einem Nachtlokal.

Über den Hinweis einer Toilettenfrau konnte er den Aufenthaltsort eines der Täter in ebendieser Pension ausforschen und fand dort einen Teil des geraubten Geldes und einen Spielzeugrevolver, aber nicht der Täter. Die Polizei bewachte das Haus rund um die Uhr, bis eines Abends der diensthabende Janvier auf dem Bürgersteig vor der Pension durch einen Schuss in die Lunge lebensgefährlich verletzt wird. Er überlebt nach einer Notoperation.

Maigret schaltet sich in den Fall ein, nützt seine Situation als Strohwitwer und mietet sich ein Zimmer - als "möblierter Herr" - bei Mademoiselle Clément, um in unmittelbarer Tatortnähe seine Ermittlungen anzustellen. Er beobachtet und befragt andere Gäste im Haus und Nachbarn aus der Umgebung, wobei die Pensionswirtin eine zentrale Rolle spielt. Er blickt hinter die Fassade mancher Menschen und ihrer alltäglichen Handlungen, manche Abgründe tun sich auf, und plötzlich erhält die Geschichte eine entscheidende, unerwartete Wendung...

Bei Simenon darf man sich keine "Action", hohes Tempo oder übersteigerte Brutalität erwarten. Er schreibt quasi mit allen Sinnen, auch Maigret ist auf seine Weise ein "sinnlicher" Mensch.

Bezeichnend dafür ist, auf welche Weise er dem Täter auf die Spur kommt: Er mietet ein Zimmer in der Pension am Tatort und nimmt, oft einfach am Fenster stehend, die optischen und akustischen Eindrücke der unmittelbaren Umgebung auf, die täglichen Handlungsabläufe der Menschen, in der Pension, im Haus gegenüber, auf der Straße, bis er ein vollständiges Bild gewonnen hat. Er sieht, registriert und analysiert die kleinsten Veränderungen, um Hinweise zu bekommen.

Dabei gelingen Simenon oft erstaunliche, eindrucksvolle Stimmungen wie etwa die Szene, in der Maigret in der Nacht, schlaflos am Fenster stehend, alle Geräusche und Farben der Umgebung in sich aufnimmt und daraus die Handlungen der Menschen ableitet. Manches erinnert dabei auch gelegentlich an die Tätigkeit eines Malers, oder an Filmszenen von Jaques Tati. Doch diese Dinge stehen nie im Vordergrund, sind nie Selbstzweck, die Sprache ist immer einfach, schlackenlos, und doch ausdrucksstark.

Hier und da zeichneten sich im Schwarz der gegenüberliegenden Häuser mehr oder weniger hell erleuchtete Rechtecke ab, nicht viele, fünf oder sechs, und manchmal erlosch eines von ihnen; Schatten bewegten sich lautlos hinter Gardinen oder Vorhängen.
Genauso mußte es an jenem Abend gewesen sein, als der arme Janvier über den Bürgersteig patrouilliert war.
Er hörte Geräusche am unteren Ende der Straße, dann Stimmen, die zwischen den Häuserwänden eigenartig hallten, eine Männer- und eine Frauenstimme. Man konnte beinahe verstehen, was sie sagten. Sie hatten sich untergehakt. Sie blieben zwei Häuser weiter unten stehen. Eine Hand zog an einer Klingelschnur, bald darauf verschwand das Paar, und eine Tür fiel schwer ins Schloß.

Simenon liebt seine Figuren, keine ist ihm gleichgültig, jede hat ihr eigenes, oft berührendes Schicksal, und auch der Täter wird nicht als hassenswerter Mensch dargestellt, sondern fast bedauernswert in seinem verpfuschten Leben, verstrickt in eine unglückliche Liebe.

Dieses Buch habe ich zum 100. Geburtstag von George Simenon (geb.13.2.1903) gelesen, es war mein erster Maigret, und er hat mich nicht enttäuscht. Leichte, angenehme Lektüre, auch zum Schlafengehen geeignet, immer hohes sprachliches Niveau, oft feiner Humor, menschliche Zeichnung der Charaktere. Jedoch auch für Leser, die Simenons sprachliche Imaginationskraft zu schätzen wissen. Nichts aber für Ungeduldige mit hoher Reizschwelle.

Maigret als möblierter Herr

Maigret als möblierter Herr

Weitere Bücher der Serie:

Ähnliche Bücher:

Deine Meinung zu »Maigret als möblierter Herr«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
08.01.2006 17:20:40
Fabian

Der allerbeste Maigret, auch wenn "Maigret als möbilierter Herr "ein Maigret aus den 50ern ist und somit einer der späteren,die eigentlich schlechter als die aus den 30ern oder 40ern sind,zB "der gelbe Hund" oder"Maigret regt sich auf"."Als möbilierter Herr" war mein erster Maigret und mein erster Krimi überhaupt . Von Simenon gings dann zu Chandler, Macdonald und Hammett. Die simenon-Romane habe ich dann aber auch weitergelesen und lese sie auch weiterhin.

28.11.2005 16:40:48
Torsten Janssen

Habe vor kurzem mal wieder "Maigret bei den Flamen" gelesen, bestimmt zum 3. oder 4. mal. Das Buch liest sich wie aus einem Guß, einfach herrlich. Man fühlt sich richtig hineinversetzt in die Welt der flämischen Schiffersleute um 1930. Ewiger Dank an Georges Simenon. Grüße

04.03.2005 20:37:18
Mia

Lieber Wolfgang,
würde mich darüber freuen, wenn sie mehr über Maigret schreiben würden, auch ich bin eine richtige Süchtige geworden mit der Zeit.
Die Zeit vergeht mit diesen Büchern verdamt schnell, der Winter ist schon fast vorbei, auch mien nächstzes Buch ist fast ausgelesen, wenn die Sonnenstrahlen zurückkehren, kommen neue Maigretas, until Mia

18.01.2005 18:00:21
Wolfgang Reuter

Lieber Torsten!

Sie sind ja offenbar ein großer Simenon - Liebhaber! Und das mit Recht! Er ist für mich einer der ganz großen in der Kriminalliteratur, und daher möchte ich regelmäßig in größeren Abständen, wie es meine Zeit erlaubt, seine Bücher rezensieren.

Herzliche Grüße
Wolfgang Reuter ("reu")

15.03.2004 16:55:51
Torsten Janssen

Wurde übrigens ebenfalls verfilmt und lief wohl Anfang der 80 er Jahre im ZDF. Als frz. TV Produktion wohl eingekauft.

02.03.2004 16:53:15
Torsten Janssen

Immer wieder herrlich, die Szene wo Mademoiselle Clement unfreiwillig, weil von Maigret ertappt, ein riesiges Croissant verdrückt, daß sie für einen heimlichen Untermieter geschmiert hat. Nachher isst sie nur noch langsam mit dicken Backen, und Maigret lässt sich seelenruhig seinen Tabak schmecken.

23.01.2004 15:22:16
Torsten Janssen

Ebenfalls sehr guter Maigret. In diesem Maigret geht es Simenon, glaube ich, um eine genaue Milieu Schilderung Pariser Mietshäuser, und nicht nur um eine spektakuläre Auflösung eines Verbrechens.