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Andreas Kurth
Der braune Sumpf ist unendlich tief und schmutzig

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2020

Es ist schon erstaunlich, wie manche Themen-Komplexe lange Zeit nachwirken und immer noch für guten Thriller-Stoff sorgen. In den ostdeutschen Bundesländern ist das Ministerium für Staatssicherheit immer für alte Seilschaften und von Stasi-Verbrechen traumatisierte Menschen gut. In der alten Bundesrepublik nimmt diese Rolle die Rote Armee Fraktion ein. Ehemalige RAF-Mitglieder geistern noch durch etliche Spannungsromane, so wie Brigitte Veih, die unbeugsame Mutter des LKA-Ermittlers Vincent Che Veih. In seinem überaus lesenswerten neuen Thriller hat Horst Eckert das personelle Spektrum erweitert, jetzt betreten drei sogenannte RAF-Rentner die Szenerie.      Die realen Überfälle von „RAF-Rentnern“ auf Geldtransporte in Norddeutschland haben dem Autor nach eigener Aussage einen naheliegenden Anknüpfungspunkt geboten.

Und so beginnt das Buch eben mit dem Überfall der drei Ex-Terroristen auf einen Geldtransporter. Im zweiten Kapitel geht es direkt in die rechte Szene, die Polizei wird zu einem Einsatz in die Freie Republik Hellershof” in Düsseldorf gerufen, ein Mann wurde getötet. Was wie ein Eifersuchtsdrama aussieht, entpuppt sich viel später als etwas ganz anderes.

Anspruchsvoller Plot mit reichlich Personal

Horst Eckert ist für seine verwinkelten, ich würde eher sagen anspruchsvollen Plots bekannt. Auch im neuen Thriller geht es richtig rund. Ein angebliches Strategiepapier zur Bildung einer neuen RAF spaltet die links-autonome Szene, Vincent Veih und sein Team werden in die Mordermittlungen zum Hellerhof eingeschaltet. Derweil muss die Verfassungsschützerin Melia Khalid zum Rapport bei ihrem Chef Dr. Walter Jacobs antreten, dem passt das Gerede über die armen RAF-Rentner gar nicht.

Unruhe gibt es aber nicht nur in der linken Szene. Verschiedene rechte Organisationen konkurrieren um den braunen Nachwuchs. Kameradschaften, ein Zusammenschluss namens Westkreuz - und alle irgendwie mit Personen aus dem Sicherheitsapparat im weiteren Sinne verbandelt.

Horst Eckert hat hier ein reichhaltiges Personaltableau aufgestellt, eine Liste der wichtigsten Personen wäre hilfreich gewesen. Der Autor zeigt mal wieder, dass er so einiges in der Trickkiste hat. So lässt er die RAF-Rentner aus Norddeutschland an den Niederrhein umziehen. Da kennt Eckert sich besser aus, und die drei sind mitten im Geschehen des Romans.

“Ich schwör’s, gegen Westkreuz ist die Kameradschaft ein Kindergarten. Du kriegst ‘ne echte Ausbildung. Wie man sich verteidigt oder ein Haus voller Zecken stürmt. Schulung in Rhetorik und Staatskunde, das wär doch was für dich. Und sobald in Deutschland aufgeräumt wird, winkt dir ein guter Posten. Die niedrigen Mitgliedsnummern kommen zuerst dran, also beeil dich.”

Es ist schon eine sehr ausgeklügelte Geschichte, die hier erzählt wird. Der Vater von Melia Khalid ist ein führendes Mitglied der CDU-Bundestagsfraktion, und ein persönlicher Freund des Ministerpräsidenten, der um seine Wiederwahl kämpft. Und irgendwie sind da lauter Drähte, die in die rechtsradikale Szene führen.

Ein neuer Tag wird in dem Roman übrigens immer mit fiktiven Schlagzeilen aus verschiedenen Medien eingeleitet - man merkt also schon, dass Horst Eckert viele Jahre als Journalist gearbeitet hat.. Dadurch wird der Takt des neuen Tages schon gleich deutlich vorgeprägt. Reichlich Verwirrung stiftet der Autor mit einem zweiten Mord - nach der Aktion im Hellerhof - und den Reaktionen darauf. Bei der Lektüre habe ich gemerkt, welch großen Spaß Horst Eckert am Legen falscher Fährten hat.

Nette Anekdote am Rande: In diesem Buch schreiben sich die Protagonisten noch SMS-Nachrichten. Offenbar ist Whatsapp in Teilen von Düsseldorf noch nicht angekommen, oder nicht so en vogue. Das Buch entwickelt eine unglaubliche Spannung. Als es dann sogar hinaus ins Bergische Land zu einem Schulungszentrum der Organisation Westkreuz geht, fährt Horst Eckert so richtig auf.

“Vor allem an Wochenenden trafen sich hier gleich gesinnte Soldaten, Reservisten und Beamte aller möglichen Polizeibehörden und Geheimdienste. Eingeweihte Funktionäre rechter Parteien und Splittergruppen, Abgesandte diverser Kameradschaften und Bürgerwehren, Heimatschutz, Weiße Wölfe, Arische Brüder, Blood and Honour, Burschenschaftler und Old-School-Hooligans. … Milizenführer aus ganz Deutschland tagten hier regelmäßig. Westkreuz besaß Ableger in allen Bundesländern: Nord-, Süd- und Ostkreuz. Zu den befreundeten Organisationen zählten Combat 18 aus Dortmund und Kassel, Nordic 12 aus Bremen, die Aryans aus Sachsen-Anhalt sowie die Brigade 8 aus der Schweiz. Neue Division Brandenburg und Uniter gingen ebenfalls ein und aus. Man schmiedete Pläne für den Tag X.”

Wie so oft wird an dieser Stelle bei manchem Leser die Frage nach dem Realitätsgehalt der Geschichte aufkommen. Im Interview mit der Krimi-Couch sagt Horst Eckert dazu, eine rechtsradikale Verschwörung in den deutschen Sicherheitskräften gebe es seit Jahren, und das errege auch immer wieder Aufsehen. Als Beispiel nennt er das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr, wo es aktuell eine eingehende Untersuchung geben soll. Ich halte die geschilderten Verbindungen zwischen Polizei, Politik, Verfassungsschutz und rechter Szene leider für höchst realistisch - der Autor hat mit seinen bisherigen Bücher oft genug gezeigt, wie nahe er zuweilen an der Realität ist.

Erfrischend sind die unterschiedlichen Perspektiven. Einmal die gewohnt von Vincent Che Veih, und dann die neue, gewöhnungsbedürftige von Melia Khalid. Der Leser weiss im Grunde ziemlich schnell, wohin die Richtung geht. Aber angesichts der vielen Wendungen und falschen Fährten wird dadurch die Spannung kaum abgeschwächt.

Fazit:

Was für ein grandioses Buch. Aber ich muss mich ehrlicherweise outen. Zunächst liebe ich Polit-Thriller, das schlägt sich natürlich in meiner Bewertung nieder. Dann schätze ich den Kollegen Horst Eckert - nicht nur, weil ich auch Politikwissenschaftler und Journalist bin. Er hat einfach einen Blick für aktuelle politische Fragen, das hat er in seinen bisherigen Büchern schon oft genug gezeigt. Und dann setzt er das in einen spannenden und sehr ausgeklügelten Plot um. Auf dem Buchrücken wird Stefan Aust zitiert: “Wenn sich Politik, Geheimdienst und Rechtsextremismus durchmischen, wird es gefährlich. Eckert trifft das präzise und erzeugt Gänsehaut.” Da kann ich dem Kollegen Aust nur zustimmen, und ergänzend hinzufügen: Es ist erschreckend, wie realitätsnah die geschilderten Ereignisse wirken. Dieses rasante Buch legt man nach den ersten Seiten jedenfalls nicht mehr aus der Hand.

Im Namen der Lüge

Im Namen der Lüge

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Letzte Kommentare:
03.07.2020 22:13:32
Der Waldschrat

Nun, gleich vorab, ich lese eigentlich keine politischen Thriller, da jene stets dem Zeitgeist entsprechend linksgerichtet sind fernab der Realität von einer rechten Gefahr schwafeln, die nicht gegeben ist.

Ebenso verhält es sich auch mit Herrn Eckert, dessen Referenzen, u.a.WDR, nun wahrlich nicht für Qualität sprechen sondern für betreutes Denken..

Um es relativ kurz zu machen, bescheidener Schreibstil, schwache Charaktere, Melia Khalid z. B., ein politisch korrekter blass und stereotyper Charakter... Kein interessanter Plot... Was bleibt ist ein politisch korrekter Mainstreamroman, der vor Langeweile und Banalität nur so strotzt. Leider sind 0 Grad nicht möglich. Wenn es kein Geschenk wäre, würde dieses Buch im Altpapier landen m

19.03.2020 07:43:53
dorli

Düsseldorf. Melia Khalid, Leiterin des Referats für Linksextremismus beim Inlandsgeheimdienst, bekommt ein Geheimpapier zugespielt, das die Terrorpläne einer neu gegründeten RAF offenbart. Melia hat bezüglich der Echtheit des Papiers Zweifel, doch die Bestätigung durch eine weitere Quelle, zeitgleiche Überfälle auf Geldtransporter durch RAF-Rentner und der Brandanschlag auf eine Geschäftsstelle der AfD zerstreuen ihre Bedenken und lassen sie entsprechend handeln. Als sie erkennt, dass ein falsches Spiel mit ihr gespielt wird, ist es schon fast zu spät…

Auch Hauptkommissar Vincent Che Veih hat alle Hände voll zu tun. Ein Mord im Umfeld einer Gruppe Reichsbürger lässt auf den ersten Blick eine Beziehungstat vermuten. Doch es gibt ein paar Ungereimtheiten, die Vincent stutzig machen…

Horst Eckert hat mich mit „Im Namen der Lüge“ von der ersten Seite an fest im Griff gehabt. Der Thriller wird fesselnd erzählt und besticht vor allen Dingen durch die gekonnte Verknüpfung von Realität und Fiktion – einmal mehr stellt der Autor äußerst brisante politische Themen in den Mittelpunkt seines Romans und geht dabei der Frage nach, ob zur Eindämmung von Terror und Gewalt jedes Mittel recht ist. Dürfen Politik, Justiz und Verfassungsschutz die Grenzen der Legalität zur Vermeidung von Anschlägen überschreiten? Und was passiert eigentlich, wenn Beamte die ihnen verliehen Macht missbrauchen?

Mit Melia Khalid schickt der Autor eine Protagonistin ins Rennen, die ihren Job sehr ernst nimmt. Das Ziel der Tochter einer politisch Verfolgten aus Somalia und eines deutschen Spitzenpolitikers ist es, Terroranschläge zu verhindern; dafür schöpft sie alle ihr zur Verfügung stehenden Maßnahmen voll aus und schreckt auch nicht davor zurück, sich am Rande der Legalität zu bewegen.

Vincent Veih hat es als Sohn einer ehemaligen RAF-Terroristin selten leicht in seinem Leben gehabt – ein Umstand, der ihn stark gemacht hat. Er lässt sich von niemandem gängeln, sondern ermittelt, wie er es für richtig hält. Dass er dabei immer wieder aneckt, kümmert ihn nicht.

Neben dem fesselnden Schreibstil hat mir der vielschichtige Handlungsaufbau besonders gut gefallen. Mehrere Handlungsstränge, unterschiedliche Schauplätze und häufige Perspektivewechsel sorgen für ein lebhaftes und abwechslungsreiches Geschehen. Zudem sorgen unvorhersehbare Ereignisse und Wendungen dafür, dass die Sogwirkung des Thrillers bis zur letzten Seite nicht abreißt.

„Im Namen der Lüge“ hat mir sehr gut gefallen - ein rasanter Politthriller, der mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.

03.03.2020 12:04:13
elke17

Düsseldorf, noch drei Wochen bis zur Landtagswahl. Die Regierungspartei befürchtet eine Koalition aus Rot-Rot-Grün. Dem Verfassungsschutz wird ein Strategiepapier zugespielt, in dem zum Aufbau einer revolutionären Front in den Metropolen aufgerufen wird. Brisant, denn seit einiger Zeit werden Geld-Transporte von einer Dreiergruppe (Herlinde, Sibylle und Klaus) überfallen, die der ehemaligen RAF zuzurechnen ist. Terror und Anarchie drohen.

Melia Khalid wird beauftragt, zuständig für die Linksextremismus-Abteilung des Verfassungsschutzes. Sie soll die Antifa-Szene unter die Lupe nehmen und geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen. Auch wenn sie sich damit am Rand der Legalität bewegt, heiligt der Zweck noch immer die Mittel. Zweifel an den Informanten und der Vorgehensweise sind erlaubt, sollten aber nicht laut geäußert werden. Sonst landet man ganz schnell auf dem Abstellgleis.

Am rechten Rand des Spektrums ermittelt Vincent Veih eigenmächtig in einem gewaltsamen Todesfall, der vorschnell als Beziehungsdrama eingestuft wurde. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, wird ihm doch der Zugang zu Beweismaterial vorenthalten. Aber er lässt nicht locker, und seine Vermutungen bestätigen sich. Das Opfer war ein investigativer Journalist, der eine Veröffentlichung über die Reichsbürger plante und den seine Recherche in der „Freien Republik Hellerhof“ das Leben kostete.

Auf den ersten Blick scheint es, als hätten die beiden Fälle nichts miteinander zu tun, Aber als die Leiche von Herlinde auftaucht, ergibt sich eine Schnittstelle. Aber bald müssen Khalid und Veih feststellen, dass sie einer weitaus größeren Sache auf der Spur sind. Und damit treten sie Männern mit Macht und Einfluss gewaltig auf die Füsse.

Soweit die Ausgangslage in Horst Eckerts neuem Politthriller „Im Namen der Lüge“, und es sind erschreckend realistische Szenarien, mit denen der Autor seine Leser hier konfrontiert. Erschreckend, weil sich vieles davon bereits genau so zugetragen hat. Erschreckend, weil selbst Vorgänge, die auf den ersten Blick eher wie eine Verschwörungstheorie anmuten, sich genau so zutragen könnten, denn spätestens seit den NSU-Morden ist die Rolle des Verfassungsschutzes ins Zwielicht geraten. Dass diese Organisation an den Schaltstellen sitzt, wenn es darum geht, Einfluss auf die Politik zu nehmen…natürlich, es stehen ja genügend Ressourcen zur Verfügung, beispielsweise die Medien, die blauäugig dabei helfen, lancierte Falschmeldungen zu verbreiten. Und dass dabei der eine oder andere Bauer geopfert werden muss, ist nicht weiter tragisch.

„Im Namen der Lüge“ ist ein Politthriller mit Mehrwert, weil er zum Nachdenken anregt. Komplex, mit vielen unterschiedlichen Facetten, ein Crossover zwischen der Arbeit des Geheimdienstes und der Kriminalpolizei. Überzeugend, weil er tief gräbt, Netzwerke sichtbar macht. Zeigt, dass wir uns von dem Glauben an Einzeltäter verabschieden sollten. Unsere gesellschaftspolitische Wirklichkeit abbildet und deshalb auch auf übertriebene Actionszenen verzichten kann. Spannend, weil die Verwicklungen zwischen den Vertretern des Verfassungsschutzes und der Politik in ihrer ganzen Tragweite erst allmählich sichtbar werden. Wie im richtigen Leben.

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