Die Medici-Morde

  • Folio
  • Erschienen: Februar 2024
  • 1
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Monika Wenger
89°1001

Krimi-Couch Rezension vonFeb 2024

Mehrere Versionen einer Geschichte.

Die Leiche des bekannten Fernsehhistorikers Marmaduke Godolphin wird in einem kleinen Kanal in Venedig gefunden. Ermordet mit einem Stiletto, das noch in seiner Brust steckt. Verdächtige und Motive gibt es viele. Eine Herausforderung für die zuständige Ermittlerin.

Der Anfang der Geschichte

Godolphin hat seine Weggefährten nach Venedig eingeladen, damit sie Zeugen seines Triumphes werden. Von einem Mann namens Wolff hat er Dokumente erhalten, die beweisen sollen, dass Michelangelo in die so genannten Medici-Morde im 16. Jahrhundert involviert war. Arnold Clover, ein ehemaliger Kommilitone und inzwischen pensionierter Archivar, und Luca Volpetti, ein venezianischer Historiker, werden beauftragt, die Echtheit der Dokumente zu überprüfen. Anschließend will der egoistische und selbstherrliche Historiker seine Entdeckung mit viel Getöse bekannt geben. Und sich damit endgültig den Vertrag eines amerikanischen Fernsehsenders sichern.

Die zuständige Ermittlerin, Capitano Valentina Fabbri, bittet Arnold Clover um Mithilfe bei der Aufklärung. Er, der Brite, könne sich viel besser in seine Landsleute hineinversetzen, als sie. Sie lässt sich von Clover noch einmal die Abläufe des Abends ausführlich erzählen. Dabei ist es unvermeidlich, auch einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Die Zeit, als Godolphin und seine Weggefährten in Cambridge studierten, genau wie der pensionierte Archivar.

„Der Anfang. Danach fragen die Leute immer. Dabei ließ sich nie genau sagen, wo Geschichten wirklich ihren Anfang nahmen. Gewöhnlich sah man das Ende, und auch die Mitte war ziemlich deutlich zu erkennen. Aber der Ursprung, die Keimzelle, aus der alles entsprang, verbarg sich irgendwo in der dunklen Vergangenheit und wollte nicht ans Licht.“

Präsenz ist gefragt

Dieser Krimi ist eine überraschende und überzeugende Entdeckung. Hat man sich erst einmal auf den Schreibstil des Autors eingelassen, findet man sich in einem Venedig-Krimi wieder, der mit vielen historischen Fakten verwoben ist. Aber nicht etwa das touristische Venedig, sondern die Stadt der Einheimischen. Versteckte Plätze und Bars. Dennoch ist dieser Krimi nicht vergleichbar mit Büchern, die am selben Ort spielen.

„Es gehört zum Eingewöhnungsprozess in dieser Stadt hinzunehmen, dass du ihr hoffnungslos ausgeliefert bist, während sie heimlich, still und leise Besitz von dir ergreift. Niemand besucht diesen Ort einfach. Venedig lässt dich ein und nimmt dich gefangen.“

Die Lektüre dieser mit viel Lokalkolorit gespickten Geschichte erfordert Präsenz. Nicht nur wegen der vielen verschachtelten Sätze. Auch wegen der vielen Details der Medici-Morde. Sie begleiten die eigentliche Handlung, die Mordermittlung. Diese ist wendungsreich und spannend bis zum Schluss. Da Arnold Clover auch aus der Vergangenheit erzählt, wechseln sich die Zeitebenen ab. Dadurch wird das Ganze abwechslungsreich und es entsteht ein Gesamtbild aller Weggefährten und möglichen Verdächtigen. Keine einfache Aufgabe für Valentina Fabbri und Arnold Clover.

Fazit

Die Mischung aus historischen Fakten und Krimi ist perfekt gelungen. Ergänzt durch die Beschreibung der Gassen von Venedig, seiner Sehenswürdigkeiten und seiner Menschen überzeugt der Roman. Zudem hält die Geschichte die Spannung bis zum unerwarteten Ende.

Die Medici-Morde

David Hewson, Folio

Die Medici-Morde

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