Die Lüge

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

Annika Krummacher (Übersetzung)

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Carola Krauße-Reim
Ein Thriller der etwas anderen Art

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jun 2019

„Die Lüge“ hat im schwedischen Original den Titel „Eine gewöhnliche Familie“, was wesentlich besser zu der Geschichte passt. Die geschilderte Familie rund um Pfarrer Adam Sandell scheint wie so viele andere auf dieser Welt. Mutter Ulrika ist vielbeschäftigte Anwältin, Tochter Stella hat gerade ihr Abitur geschafft und spart auf eine Asienreise, und Adam lebt seinen Glauben.

Auch die Probleme gleichen denen anderer Familien und sollen, ebenfalls wie so oft, um das Gesicht zu wahren, innerhalb der eigenen vier Wände bleiben. Die Tochter kann schwierig sein und hat ihren eigenen Kopf, die Eltern müssen damit und mit sich und ihren eigenen Problemen fertig werden. Dann zerbricht diese Welt – Stella wird des Mordes angeklagt. Jeder der Drei geht anders mit diesem Einschnitt im Leben um, und jeder versucht auf seine Weise die Familie zu retten, notfalls auch mit einer Lüge.

Drei Perspektiven geben das Geschehen wieder

Mattias Edvardsson erzählt die Geschichte aus den drei unterschiedlichen Perspektiven der Familienmitglieder Adam, Ulrika und Stella. Dabei passt er die verwendete Ausdrucksfähigkeit so gut den Personen an, dass der Leser sich diese sehr gut vorstellen kann. Pfarrer, Anwältin und Jugendliche sind durch ihre Art, das Geschehen zu schildern, auch als solche zu erkennen. Und natürlich haben alle drei ihre eigene Sicht der Dinge.

Für Pfarrer Adam ist die Familie der Dreh- und Angelpunkt in seinem Leben. Er liebt Frau und Tochter, will nur ihr Bestes und schießt dabei manchmal über das Ziel hinaus. Mit der Tendenz zum Helikoptervater ist Stella für ihn immer das kleine Mädchen, das als Kind zu ihm eine engere Beziehung hatte als zu Mutter Ulrika. Dieses Kind kann doch nicht eines Mordes fähig sein – oder?

Stella fühlt sich von ihm eingeengt und bevormundet. In ihrem Kapitel beschreibt sie ihren Kampf mit sich selbst und ihren Kampf um Unabhängigkeit und Verständnis. Dabei kommt auch die Schilderung ihrer engen Freundschaft mit Amina nicht zu kurz. Ulrika kommt erst bei Prozessbeginn zu Wort, doch sie offenbart sich in ihrer Schilderung der Dinge als Karriere-Anwältin, die in ihrer Arbeit aufgeht, und die zwar ihre Familie liebt, aber trotzdem unzufrieden ist, und lieber Stellas beste Freundin Amina zur Tochter hätte als sie.

Die perfekte Familie wird auf spannende Weise demontiert

Die Spannung in der Geschichte nimmt mit dem tieferen Eindringen in die Verhältnisse der Familie Sandell zu. Was nach außen als perfekte Familie aufrecht erhalten werden soll, ist im Inneren eben „eine ganz gewöhnliche Familie“ mit Problemen. Mit jedem neuen Kapitel wird mehr davon enthüllt, wobei natürlich aus den subjektiven Schilderungen nie die ganze Wahrheit für den Leser ersichtlich ist. Und genau darin besteht die andauernde Spannung in diesem Thriller.

Hier steht nicht der Mord, im Vordergrund, sondern die beteiligten Personen und ihre Art, mit dem Geschehen umzugehen. Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen? Welchen Einfluss hat die Vergangenheit auf die Gegenwart? Und natürlich – war es wirklich Stella, die den Mord beging? Das sind die Fragen, die den Leser während der kompletten Lektüre beschäftigen, und das von Anfang bis Ende in wirklich spannender Art. Immer mehr Details werden aufgedeckt und immer mehr wird klar, wie weit jeder Einzelne gehen würde, um das zu schützen, was ihm wichtig ist.

Leider hatte ich den Eindruck, dass dem Autor am Schluss ein wenig die schöpferische Luft ausgegangen ist. Ulrikas Sicht der Dinge wird im Vergleich zu den beiden vorhergehenden Darstellungen doch sehr kurz gehalten. Auch fehlt diesem Kapitel die sprachliche Eloquenz. Zwar scheint Ulrika sogar ihre Gedanken in bestem Anwalts-Slang zu formulieren, doch ständige Wiederholungen, wie die Erwähnung ihrer feuchten Achseln, lassen dieses Kapitel leicht nervig werden. Während bei den Darstellungen von Adam und Stella durchweg in flüssigem Stil gut erzählt wurde, fallen diese Mängel bei Ulrika auf und nehmen etwas die Fahrt aus der Geschichte, obwohl sie gerade in der Endphase fesseln ist.

Ein Ende, das nicht alles erklärt

Erst während des Prozesses klärt sich der Nebel um den Mord etwas, doch vieles bleibt im Dunkeln. Alles basiert eben auf Lügen. Als klar wird, worauf Stellas Anwalt hinaus will, wird so manche bis dahin unerklärliche Verhaltensweise der Beteiligten klar, und die Spannung, ob seine Taktik funktioniert, lässt den Leser nur so über die Zeilen fliegen. Im Epilog werden dann endgültig die finalen Momente vor dem Mord geschildert und dennoch bleibt die Frage, ob wirklich auch alles ans Tageslicht kam, was am Tatort geschah. Hier schließt sich der Kreis - und der Leser hat etwas zum Grübeln.

Fazit:

„Die Lüge“ ist kein Thriller der herkömmlichen Art. Daher wird er wohl auch auf dem, mal wieder für Skandinavien-Krimis allzu typischen Cover als Roman deklariert. Familiendynamik, Liebe, Freundschaft und die Frage, wie weit man gehen würde, um seine Familie und Freunde zu schützen, stehen hier im Vordergrund. Der Mord dient nur als Aufhänger für diesen Psycho-Page-Turner und ist doch der Dreh- und Angelpunkt, der alles anstößt. Wer also einen Psychothriller im besten Sinne des Wortes lesen möchte, ist hier genau richtig und wird nicht enttäuscht sein.

Die Lüge

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Letzte Kommentare:
17.08.2019 21:22:07
Wolko

Die Handlung ist spannend und die Idee richtig gut.
Allerdings wird das alles durch eine unglaubliche Langatmigkeit zerstört.
Zieht sich wie Kaugummi.
Schade.