Fünf Winter

  • Suhrkamp
  • Erschienen: März 2023
  • 13
Fünf Winter
Fünf Winter
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Sabine Bongenberg
100°1001

Krimi-Couch Rezension vonMai 2023

Ein spannend erzähltes Epos

Für Joe McGrady war es eigentlich von Anfang an kein normaler Fall: Ein junger Mann wurde ähnlich wie ein zum Schlachten bestimmtes Tier erstochen, während seine Freundin gezwungen wurde zuzusehen. Sie wurde nach ihm ermordet und vor ihrem Tod gefoltert. Schnell sind der Detective und seine Vorgesetzten der Meinung, dass die eigentliche Tat dem jungen Mann galt, war der doch der Neffe des Oberbefehlshabers der Pazifikflotte und somit in diesem Dezember des Jahres 1941 ein gut auszumachendes Ziel. McBrady heftet sich an die Spur eines Verdächtigen - aber das ist  gar nicht so einfach. Denn obwohl die Welt von einem großen Krieg geschüttelt wird, gelingt es diesem nach Hongkong zu flüchten. Aber natürlich hat er sich mächtige Feinde gemacht und so kann sich der Detective an seine Fersen heften. Womit er aber nicht gerechnet hat, ist der Überfall der Japaner auf Pearl Harbour und der Kriegseintritt der USA in den zweiten Weltkrieg. Das ist aber kein guter Zeitpunkt für einen Amerikaner in Hongkong zu sein. Er wird gefangen genommen, muss mit seiner Hinrichtung rechnen und kann sich nur mit Hilfe eines Diplomaten retten. Versteckt in dessen Haus lernt Joe in vielen Jahren des geheimen Daseins vieles über die japanische Gesellschaft und deren Mentalität. Er erlebt auch die Entbehrungen der Bevölkerung und deren Leiden während der Bombardements und erfährt, wie sich das Bild von Freunden und Feinden verschiebt. Joe McGrady kann aber alles hinter sich lassen. Mit Kriegsende gelingt ihm die Rückkehr in die Heimat und hier beginnt wieder die alte Jagd nach dem erbarmungslosen Killer, der auch das Leben des Detectives für immer veränderte.

Ein Telefonanruf, der dem Leben eine andere Richtung gibt

James Kestrel berichtet schlicht und ohne große Schnörkel, wie sich sein Held Joe McGrady bei der Suche nach einem brutalen Mörder zwischen die Fronten gerät. Sein Detective hat schon einiges erlebt, war in verschiedenen Städten zu hause, den Dienst bei der Army hat er hinter sich gelassen und jetzt will er auf Hawaii bleiben. Aber das Schicksal meint es anders mit ihm. McGrady wird zu einem Mordfall gerufen - und dieser Auftrag ändert sein Leben. Als Soldat macht er keine großen Worte, auch die großen Gefühle werden nicht direkt ausgesprochen sondern erschließen sich aus seinen Handlungen. Dennoch hat der Leser keinen Zweifel daran, wie es in ihm ausieht und dass auch er sich nach einem privaten Glück sehnt. So ist es auch ein richtiger Schlag für den Leser, als er mit dem Helden erkennen muss, dass er zwar den Krieg überlebt hat, der Preis dafür aber sehr hoch war.

Der Rahmen der Handlung wird von den beiden Morden und dem übermächtigen Mörder geformt. Er scheint McGrady immer mindestens einen Schritt voraus zu sein. Er hat seine Fäden überall gespannt und manchmal, so scheint es, gewinnt er dieses Spiel, weiß er doch die unterschiedlichen Gesellschaften der verschiedenen Kontinente zu nutzen. James Kestrel lässt seinen Helden sich diesem Spiel beugen: Einer Schlange gleich, die in die Winterstarre verfällt und auf bessere Zeiten hofft, erstarrt auch er und wartet darauf, dass günstigere Umstände ihn wieder zum Leben erwecken und ihn zu seinem Leben zurückkehren lassen. Aber auch hier erfährt der Leser mit McGrady, dass sich so manches geändert hat. Dieser Teil des Buches war mir dennoch ein wenig zu lang, hier kam zu vieles zur Ruhe, auch wenn dieses in der Dramaturgie des Romans die Basis des weiteren Entwicklungen bildet.

"Wir werden die Welt anhalten, bis du zurückkehrst"

Nach Jahren der Abwesenheit begleitet der Leser McGrady zurück in die Heimat und es ist nicht die Heimkehr, wie sie ein Odysseus erlebte. Vieles hat sich verändert und auch wenn Kestrel mit nüchternen Worten und ohne große Sentimentalitäten berichtet, sorgt das für die besondere Stimmung des Romans. Mit der Verbissenheit des Bluthundes, der die einmal gesfasste Fährte nicht wieder loslässt, nimmt sein Held die alte Spur wieder auf und dieses Mal ist der Mörder in seinem Land und auf seinem Spielplatz und hat ganz bestimmt die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Fast könnte man dann auch von einem befriedigenden Ende sprechen - hätte es nicht so viele Opfer gekostet. Aber immerhin ist es eine schöne Auflösung, dass es dem getriebenen Helden doch gelingt, sein mögliches Glück wiederzufinden und das auf ein neues Fundamtent zu stellen.

Fazit

James Kestrel schildert ein großes Epos über Verbrechen, den großen Krieg und große Gefühle. Einiges war für meinen Geschmack ein wenig zu sachlich und zu kühl - dennoch erzählt der Autor ein großartiges Drama eingebunden in einen fesselnden Krimi, das zu Recht preisgekrönt wurde.

Fünf Winter

James Kestrel, Suhrkamp

Fünf Winter

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