Schwarzblende

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • München: Heyne, 2015, Seiten: 416, Originalsprache

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Maria Kusnierz
Elegant, spannend und brandaktuell

Buch-Rezension von Maria Kusnierz Mär 2015

Zwei Wochen aus dem Leben des jungen Londoner Kameramann Niall. Eher zufällig filmt er den grausamen Terrorakt zweier islamistischer Extremisten und stellt das Material ins Internet. Kurz darauf findet er sich im Hochsicherheitsgefängnis wieder und wird nach seiner Entlassung engagiert, um einen Dokumentarfilm über die Täter zu drehen. Von diesem Zeitpunkt an gerät er immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt und politischen Ränkespielen. Mittendrin findet Niall seine eigene Familie.

Zoë Beck liefert hier einen schnörkellosen, sprachlich und inhaltlich glasklaren Roman, der sich, trotz der Schwere des Themas, erstaunlich leichtgängig lesen lässt. Sie schafft es, das Geschehen wie durch eine Kamera betrachtet darzustellen. Es fehlen jegliche Wertungen oder gar Schuldzuweisungen. Kein moralischer Zeigefinger, kein mitleidheischendes Getue. Wie ein gut recherchierter und verfasster journalistischer Bericht. Unverblümt und ohne übertrieben Vorsicht gelingt es ihr, alle Seiten, die der Täter, die der Opfer und die des "unbeteiligten Dritten", kompromisslos sachlich darzustellen. Dabei fehlt es weder den Figuren noch der Handlung an Tiefe. Besonders der Protagonist Niall ist dem Leser nah, obgleich eine gewisse Distanz gewahrt bleibt. Man ist nicht in Versuchung, sich mit ihm zu identifizieren obgleich man seine Handlungen gut nachvollziehen und verstehen kann.

Der Handlungsverlauf ist so gestaltet, dass es an keiner Stelle zu Längen oder Stillstand kommt. Ständig passiert etwas. Zwar werden auch in diesem Buch gängige Klischees, wie die amourösen Gefühle gegenüber einer Außenseiterin, bedient, allerdings so subtil und zurückhaltend, dass man nicht darüber stolpert. Der Leser gleitet durch das Buch, wie durch einen Film, angesprochen und involviert, aber nicht berührt, irgendwie unpersönlich. Und doch so fesselnd, dass man es nicht aus der Hand legen kann. Und mit einem unerwarteten und doch scheinbar logischen Ende.

Zoë Beck hat mit Schwarzblende einen fast klinisch reinen Roman geschrieben, dem es gelingt, seinen Leser in den Bann zu ziehen ohne ihn persönlich zu berühren. Eine virtuos komponierte Geschichte, die brandaktuell ist und den Leser fesselt.

Schwarzblende

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Letzte Kommentare:
08.09.2015 17:05:20
Cri metime

Ich kann der Meinung der Crimi Couch leider überhaut nicht zustimmen. Es ist alles da, was ein spannendes Buch ausmachen müsste, nur leider fehlt das Blut, die Überzeugung, das Prickeln. Der Prota ist ein ständig selbstreflektierender Typ, der der Sache immer wieder den Fluss nimmt. Dann tut und denkt er Dinge, die nicht glaubwürdig sind - zumindest, wenn es um seinen plötzlich auftauchenden Vater geht. Nee, dass dueses Buch in den Charts war , zeigt mir nur, dass die Verlage sich die Plätze dort kaufen können. Das Buch hat Potential, aber die Ziellinie bedauerlicherweise nicht erreicht. Schade.

19.05.2015 15:29:51
Le Freak

Ärgerliches Buch. Und umso enttäuschender, als es auf gleich zwei Bestenlisten renommierter Medien stand. Und ja auch auf dieser Seite sehr gut wegkommt.

Das Buch startet spannend, während der ersten Kapitel war ich dabei. Doch von Seite zu Seite wird die Handlung immer überkonstruierter und unglaubwürdiger, so dass mir die (ohnehin schwache und erwartbare) Auflösung am Ende egal war. Trotz andauernder neuer Knalleffekte. Natürlich darf und muss Spannungsliteratur die Grenzen der Plausibilität strapazieren - aber bitte nicht so.

Weitere Schwäche: die Charaktere. Mit dem blassen Protagonisten konnte ich mich nie identifizieren; er trifft außerdem viele nicht nachzuvollziehende Entscheidungen. Andere Figuren werden mit Aufwand eingeführt, verchwinden dann aber fast. Wieder andere sind die ganze Zeit dabei, ohne dass ich verstanden hätte, warum das so ist, weil sie langweilen. Wieder andere bekommen viel Platz für nervige Monologe, ohne dass sie oder diese irgendeine Funktion hätten. Auch das Beziehungsgeflecht vieler Figuren fand ich massiv überkonstruiert.

Die politische Dimension der Geschichte wurde hier schon kritisiert. Sehe ich exakt genauso. Die Autorin hat sich schon quantitativ mit den Themen übernommen; qualitativ ist es bei diesen wirklich schwierigen Themen einfach unzulässig unterkomplex und dafür zu meinungsstark. Oder eben schnoddrig.

18.05.2015 20:42:22
dani.p

Ich habe bereits alle Bücher von Zoe Beck gelesen und war begeistert, nur dieses fand ich schlicht und ergreifend einfach schlecht. Es ist gerade in der heutigen Zeit ein sehr schwieriges Thema und man sollte sehr sensibel damit umgehen. Es ist zu komplex um es auf wenige Seiten zu reduzieren und vor allem muss es gut recherchiert werden. Wenn ich vorher gewusst hätte um was es geht, hätte ich das Buch nicht gekauft!

24.04.2015 16:13:40
manni

Wenn eine Autorin einen spektakulären Aufmacher präsentiert, ist das ihr Kalkül. Der Schreibstil sollte dann aber über Bild Zeitung Niveau liegen. Dem ist aber nicht so.
Die Autorin beschreibt schreckliche Dinge, als wenn diese sie und die beschriebenen Personen gar nichts angehen. Weiterlesen mag ich nicht, das Buch war ein Geschenk,
Massenkonfektion, uninteressant. Die Rezention von Frau Kusnierz kann ich nicht nachvollziehen. Elegant geschrieben ? Muß hier Werbung gemacht werden ? 0° von mir.

20.04.2015 16:26:22
amir

Ich schließe mich den Ausführungen meines Vorredners T. Lagemann in vollem Umfang an. Zu keinem Zeitpunkt wird Beck der Komplexität des Themas gerecht. Die Figuren sind flach und schematisch und ich hatte den Eindruck, hier wird sich eines aktuellen Themas bedient, um Interesse zu wecken und Auflage zu machen, ohne dass die Autorin den Stoff adäquat durchdrungen hat. Oberfächliches Geschreibsel, verzichtbar, ärgerlich. Werde Rezensionsen von Frau Kusnierz in Zukunft mit einer gehörigen Portion Distanz betrachten. Schau mir mal " Eine Postion Licht" an.

05.04.2015 15:25:36
T. Lagemann

Mich hat der Roman schwer enttäuscht. Die Figuren waren vorhersehbar, ihre Handlungen noch mehr. Manches wird an ihnen einbfach nur abgearbeitet, weil es in dem Roman zu finden sein muss. Nehmen wir die Erschütterung Nialls, als er sich die youtube Videos anschaut. Die nehmen ihn also so unendlich mit, während er sein Live-Erlebnis wegsteckt wie nix? Musste halt rein ins Buch und um Nialls Gefängnisaufenthalt samt der damit verbundenen Erschütterung nicht durch eine andere Erschütterung zu entwerten, kam das halt später. Und Nebenfiguren wie die "guten" Polizisten verschwinden im Nichts, um dann am Ende mal wieder aufzutauchen. Und der Plot, nun ja, abstruser geht es ja wohl kaum. Und dann all die familiären Verquickungen, pardon, geht es noch konstruierter? "Schwarzblende" ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie sich an einem Thema verhoben wird. Daher empfehle ich als thematisch ähnlich gelagerte Lektüre Oliver Bottinis "Ein paar Tage Licht". Ein Roman, der - im Gegensatz zu - Schwarzblende" - auch stlistisch zu überzeugen weiß. Mein "Schwarzblende" Exemplar ist umgehend in der Tüte mit den Bücherschrank Spenden verschwunden, der Bottini bleibt im Regal.

05.04.2015 10:27:42
Anja S.

Mir hat "Das alte Kind" von Frau Beck sehr gut gefallen, daher habe ich mich jetzt auch "Schwarzblende" gespannt zugewendet.
ja, wie soll man sagen, bzw. kritisieren, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten?
es ist spannend und gut geschrieben, aber mir war von Anfang an klar, wie ein politisch korrekter Plot bei einem so heiklen Thema nur sein konnte und -große Überraschung- genau so war die Handlung dann auch.
(hoffentlich kann sich der aufmerksame Leser nicht jetzt schon denken, wie der Plot abläuft...).
aber ich gebe zu, es ist schwer, in Zeiten politischer Korrektheit etwas anderes zu konzipieren.

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