Wie durch ein dunkles Glas

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • New York: Atlantic Monthly, 2006, Seiten: 256, Originalsprache
  • Zürich: Diogenes, 2007, Seiten: 8, Übersetzt: Jochen Striebeck

Couch-Wertung:

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Sabine Reiß
Brunetti ermittelt zum fünfzehnten Mal

Buch-Rezension von Sabine Reiß Dez 2006

Donna Leon scheint nicht müde zu sein, den Krimilesern weitere Abenteuer ihres Protagonisten Commissario Brunetti zur Verfügung zu stellen. Doch Abenteuer ist hier vielleicht der falsche Ausdruck, geht es im Venedig der Amerikanerin recht beschaulich zu, wenn man von einem Mord in einer Glasmanufaktur mal absieht. Doch selbst dieser kann die Ruhe kaum stören, denn schon stürzt sich Brunetti in seinen Saubermann-Umhang, um das Böse aus der Welt zu vertreiben.

Doch zunächst gibt es gar nichts zu ermitteln. Der nette Guido kommt seinem Untergebenen Vianello - der er im Übrigen seit dessen Beförderung zum Inspektor manchmal duzt - zu Hilfe. Vianellos alter Schulfreund Marco Ribetti wurde als Demonstrant bei einer Protestaktion gegen Umweltverschmutzung vor einem Farbenwerk festgenommen. Die beiden Polizisten fahren nach Mestre und bekommen den Ingenieur erstaunlich schnell frei, da die Anklage sowieso nicht aufrecht erhalten werden kann. Ribetti ist der Schweigersohn von Giovanni De Cal, dem Besitzer einer Glasfabrik auf Murano, einem Choleriker, der kein gutes Haar an dem Ehemann seiner Tochter Assunta lässt.

Auftritt der bekannten Personen

Nachdem Brunetti auf einer Ausstellung auch deren Bekanntschaft gemacht hat, sucht sie ihn im Büro auf und bittet ihn um Unterstützung. Ihr Vater habe Drohungen gegen ihren Mann Marco geäußert und es halten sie Gerüchte, dass er die fornace, die Fabrik, die ihr ganzes Leben ist, verkaufen wolle. Er bekommt von ihr den Namen zweier Männer, die  diese Drohungen angeblich mit angehört haben. Einer davon ist Giorgio Tassini, der Nachtwächter der Glasbläserei De Cal. Der Commissario besucht diesen zu Hause und erfährt, dass Tassini die Glasbetriebe auf Murano mit ihrer Umweltverschmutzung dafür verantwortlich macht, dass eines seiner Kinder mit einer Behinderung auf die Welt gekommen ist. Offiziell ermittelt Brunetti jedoch erst, als der Nachtwächter an seinem Arbeitsplatz tot vor dem glühendheißen Ofen aufgefunden wird. Unfall oder Mord?

Donna Leon setzt auf bewährte Zutaten, doch der Lack scheint ein wenig ab zu sein. Wie immer kabbelt sich Brunetti mit seinem Vorgesetzten Vice-Questore Patta, wie immer ist dessen Sekretärin Signorina Elletra eine große Hilfe mit ihrer Recherche und wie immer ist die Atmosphäre Venedigs ein schöner Hintergrund für einen Kriminalfall. Die Autorin bindet hier einige interessante Details über die Glasherstellung auf Murano ein und so vergeht Seite um Seite, die man sich weiter treiben lässt und gespannt darauf wartet, dass endlich etwas passiert. Und irgendwann geschieht ja dann auch ein Mord.

Altbewährtes ohne große Variationen

Leider mangelt es der Autorin bei der Entwicklung ihres Plots ein wenig an Raffinesse, aber als durch und durch langweilig kann man ´Wie durch ein dunkles Glas' auch nicht bezeichnen. Schade ist außer dem Dahinplätschern nur, dass sie ihren Figuren keinerlei Weiterentwicklung zugute kommen lässt. Die ersten Bände der Reihe erschienen etwas spritziger, doch eventuell kommt dabei zum Tragen, das damals alles Neu war: Man konnte die Personen noch kennenlernen. Positiv ist, dass sich die Autorin sehr für die Erhaltung der Umwelt einsetzt und sich immer wieder Themen annimmt, die ihr auf der Seele brennen.

Große Kritikpunkte wird man nicht finden, denn wer einen Brunetti-Krimi von Donna Leon zur Hand nimmt, der weiß schon, was auf ihn zukommt. Nicht, dass der eigentliche Ausgang der Geschichte schon von vornherein bekannt wäre, doch im Großen und Ganzen werden die Erwartungen der Leserschaft erfüllt. Die Amerikanerin bietet Altbewährtes ohne große Variationen. Unterhaltung auf mittlerem Niveau: etwas, auf dass man sich verlassen kann.

Wie durch ein dunkles Glas

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