Das Gesetz der Lagune

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • London: Heinemann, 2001, Titel: 'A Sea of Troubles', Seiten: 247, Originalsprache
  • Schwäbisch Hall: Steinbach, 2002, Seiten: 7, Übersetzt: Christoph Lindert
  • Zürich: Diogenes, 2003, Seiten: 321

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Peter Kümmel
Eindeutig der Tiefpunkt der Brunetti-Reihe

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jul 2003

Pellestrina ist ein kleiner Fischerort auf einem schmalen Landstreifen aus Sand, der die Adria von der Lagune von Venedig trennt. Und eines Nachts im Mai bricht in diesem Dorf in der Kabine eines Fischerbootes ein Feuer aus, das alle Bewohner aufweckt, als sich das Flammen bis zu den Benzintanks vorgearbeitet hatten und eine Explosion verursachten. Ganz Pellestrina war in Nu auf den Beinen und zum Hafen gestürzt, teils im Schlafanzug und einzelne sogar nackt. Es fehlte eigentlich nur der Besitzer des Bootes, Giulio Bottin, und dessen Sohn Marco. Als die Suche nach den beiden erfolglos bleibt, beschließt man, zu tauchen und auf dem gesunkenen Schiff nach dessen Besitzer zu suchen. Dort findet man dann zwei Leichen. Es dauert geraume Zeit, bis die Carabinieri eintreffen, denn zunächst hatte keiner der Bewohner die Polizei benachrichtigt, weil jeder glaubte, dies hätte bereits ein anderer getan. Und dann dauert es wieder eine Weile, bis die Questura in Venedig verständigt wird und Brunettis engster Mitarbeiter Vianello zusammen mit dem Bootsführer Bonsuan nach Pellestrina kommt und veranlasst, dass die Leichen von Tauchern geborgen werden. Dann erst stellt man fest, dass dem Vater der Schädel eingeschlagen wurde und der Sohn erstochen wurde.

Nun stehen die Beamten vor dem Problem, dass die Inselbewohner so verschlossen sind wie die Muscheln, die für ihren Lebensunterhalt sorgen. Obwohl Bottin alles andere als beliebt war, beantwortet doch jeder nur die allernötigsten Fragen, so daß weder ein Motiv noch Verdächtige für die Morde zu finden sind. Und so kommt Commissario Brunetti keinen Schritt voran. Schließlich bietet Signorina Elettra, die Sekretärin von Brunettis Vorgesetztem Patta, und Beschafferin von Informationen aller Art in Sekundenschnelle, an, ihren Urlaub bei ihrer Cousine in Pellestrina zu verbringen mit dem Hintergedanken, vielleicht so etwas erfahren zu können. Brunetti ist zwar strikt dagegen aus Angst um die junge Dame, doch kann er ihr schließlich nicht vorschreiben, wo sie ihren Urlaub zu verbringen hat. So schickt er zusätzlich den jungen Pucetti incognito auf die Insel, wo dieser zur Aushilfe als Kellner arbeiten soll. Einerseits, um selber die Bewohner etwas auszuhorchen, andererseits zum Schutz von Signorina Elettra.

Viel mehr kann ich vom Inhalt von Commissario Brunettis zehntem Fall nicht schreiben, ohne Wesentliches zu verraten, denn sehr viel mehr passiert eigentlich nicht bis zur Mitte des Buches. Über drei Viertel des Romans breitet sich gepflegte Langeweile aus und die Handlung zieht sich zäh wie Kaugummi dahin. Sogar das furiose Ende kann nicht über die doch allzu schwache Handlung zuvor hinwegtrösten. Dagegen konnte mich die detaillierte Landkarte der "Laguna Veneta", die auf den Klappeninnenseiten sowohl vorn als auch hinten abgedruckt ist, absolut begeistern. Interessiert hätte mich ansonsten einzig noch die Marke von Brunettis "telefonino". Denn dieses hat auch nach einem Vollbad im Meer noch klaglos seinen Dienst verrichtet.

Das Interessanteste bleiben über lange Strecken außer den gewohnt detaillierten Beschreibungen über die Speisen, die Donna Leons Figuren zu sich nehmen dürfen, noch die Landschaftsdarstellungen sowie die Diskussionen über die Ausbeutung des Meeres und die Umweltverschmutzung, durch die Fisch und Muscheln mittlerweile gesundheitsschädlich geworden sind und man Meeresfrüchte nicht mehr bedenkenlos essen sollte. Doch dies alles wird nur angerissen, ohne daß man wirklich großartig Einblick bekommt. Zu schwach bleiben ihre Ausführungen zu den genannten Themen sowie auch zum Thema Korruption innerhalb der Polizei, das sich wie ein roter Faden durch alle Brunetti-Romane zieht, als daß man wenigstens von einem sozialkritischen Roman sprechen könnte.

Nachdem die Autorin bereits einmal Brunettis Ehefrau näher mit in die Handlung einbezogen hat, so hat sie dieses mal Signorina Elettra sowie dem Bootsführer Danilo Bonsuan eine tragendere Rolle zugedacht. Im Prinzip keine schlechte Idee, einzelne Charaktere, die dem Leser bereits vertraut sind, etwas hervorzuheben, positiv auch, dass die Signorina sogar ein Privatleben und eine Affäre haben darf, doch leider gelingt die Umsetzung der Idee nicht sonderlich überzeugend.

Und dann taucht schließlich wie immer ein- bis zweimal der Charakter auf, der in allen Brunetti-Romanen nicht fehlen darf. Der alte Bekannte, nicht sonderlich beliebt, der aus irgendwelchen Gründen Brunetti noch einen Gefallen schuldig ist und der dann eine entscheidende Information dazu beiträgt, dass Brunetti endlich die richtige Spur findet.

Was bleibt, ist ein wie immer leicht lesbarer Roman und das italienische Flair, das die Autorin wie gewohnt sehr gekonnt rüberbringt. Doch wem es nur darum geht, dem ist mit jedem der Vorgängerbände besser gedient. Leider bietet auch Brunettis Familie dieses Mal wenige Reibungspunkte. Ein Hauch von Eifersucht seitens Brunettis Ehefrau Paola kann man auch nicht gerade als einen solchen bezeichnen, so daß man auch auf das bekannt humorvolle Gekabbele und die herrlichen Dialoge des Ehepaars hier vergbelich wartet.

Mit "Das Gesetz der Lagune" hat die Brunetti-Reihe nach den vorangegangenen nicht unbedingt überzeugenden Folgen nun ihren eindeutigen Tiefpunkt erreicht. Brunetti denkt in diesem Buch zwischendurch mal laut über seine Pensionierung nach. Sollte der Folgeband nicht eine wesentliche Steigerung bringen, so sollte seine Schöpferin wirklich daran denken, den Commissario in den verdienten Ruhestand zu schicken.

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