In Sachen Signora Brunetti

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • London: Heinemann, 1999, Titel: 'Fatal Remedies', Seiten: 232, Originalsprache
  • Zürich: Diogenes, 2000, Seiten: 320, Übersetzt: Monika Elwenspoek
  • Zürich: Diogenes, 2001, Seiten: 310

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Peter Kümmel
Mit viel Humor gewürzt macht es einfach Spaß, diesen Roman zu lesen

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Mitten in der Nacht steht eine Frau vor dem Schaufenster eines Reisebüros in Venedig. Sie zögert kurz; dann wirft sie mit aller Kraft einen Stein auf die Scheibe, setzt sich daneben und wartet auf die Polizei.

Nach ihren Ausweispapieren gefragt, zeigt sich: es handelt sich um Paola Brunetti, die Frau des Commissario Guido Brunetti. Das Reisebüro vermittelt Reisen in Länder, die sich auf Sextourismus spezialisiert haben. Paola möchte auf diese Weise die Veranstalter schädigen, da diesen gesetzlich schwer beizukommen ist.

Commissario Brunetti findet das gar nicht in Ordnung. Zunächst, weil er als Polizist nichts von der Selbstjustiz hält, aber auch, weil Paolas Verhalten schwerwiegende Konsequenzen hat. Für sie wie auch für ihn und die ganze Familie. Beruflich kann er es sich nicht erlauben, dass seine Frau zu solchen Mitteln greift. Die Reporter belagern ihn und seine Frau, die Situation eskaliert soweit, dass er vom Dienst suspendiert wird.

Dann geschieht unverhofftes: Der Inhaber des Reisebüros wird ermordet. Bei seiner Leiche wird ein Zettel des Täters gefunden, der darauf hindeutet, dass dieser Mord wegen des Sextourismus begangen wurde, den der Inhaber unterstüzt. Brunetti kommt wieder ins Spiel und leitet die Ermittlungen.

Wenn man einen neuen Brunetti-Roman in die Hände bekommt, ist das so, wie wenn man eine nette Familie besucht und zu einem guten Essen eingeladen wird. Bei Pasta mit einem Glas Pinot Grigio bekommt man fast schon selber Appetit. Es ist diese im Prinzip gewöhnliche Atmosphäre, die den Reiz der Reihe ausmacht. Man kann sich mit den Personen der Romane gut identifizieren, teilt ihre Sorgen und erlebt ihre Freuden mit.

Wer noch keinen Brunetti-Roman kennt, wird sicherlich nicht vom ersten Buch, das er liest, gleich begeistert sein. Mir ging es zumindest so. Von Buch zu Buch lernt man den Commissario besser kennen und lebt mit ihm mit.

Die Grundidee dieses achten Falles, ein Familienmitglied in einen Fall zu verwickeln, ist nicht gerade neu und oft ein Indiz dafür, dass dem Autor nichts mehr einfällt. Ich hoffe, dass dies hier nicht so ist. Vielleicht hat Donna Leon einfach keine andere Möglichkeit gefunden, einen Auslöser für diesen Fall zu finden. Nicht gerade glaubwürdig, dass einer intelligenten Frau nichts besseres einfällt, als durch das Einwerfen von Schaufensterscheiben auf einen Mißstand unserer Gesellschaft hinzuweisen. Vielleicht sollte dadurch auch die bisher so heile Welt der Ehe der Brunettis mal aus einem anderen Blickwilnkel betrachtet werden.

Die 311 Seiten in Kleinformat sind so flüssig geschrieben, dass man das Buch gut in 2 Tagen gelesen hat. Mit viel Humor gewürzt macht es einfach Spaß, diesen Roman zu lesen. Auch die Nebenfiguren sind so gut gezeichnet, dass sie schon reell wirken. So tut es auch dem Lesevergnügen keinen Abbruch, dass es sich hier nicht um einen durchgängig spannenden Thriller handelt. Doch es gibt auch spannende Abschnitte.

Vergleichend kann ich keinen Fall der Reihe besonders herausheben, weder nach oben noch nach unten. Das gleichbleibende Niveau ist sicher einer der Hauptgründe für den Erfolg der Brunetti-Serie.

Man wartet schon wieder ganz gespannt auf den nächsten Brunetti-Fall. So ähnlich, wie man sich freut, wenn einen gute Freunde besuchen. Die Brunetti-Serie ist mehr als eine Krimireihe. Sie ist außer Kriminalroman auch noch ein wenig Familiengeschichte, kritisches Gesellschaftsporträt, Reisebericht und kulinarischer Führer. Und dies nicht so, dass alles nur angerissen ist, sondern eine geschlossene Einheit bildet.

In Sachen Signora Brunetti

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