Ein Sohn ist uns gegeben

Erschienen: Mai 2019

Bibliographische Angaben

Werner Schmitz (Übersetzung)

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Almut Oetjen
Ein fast privater Fall

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jul 2019

Commissario Guido Brunetti wird von seinem Schwiegervater, dem Conte Falier, um einen Gefallen gebeten. Der Conte sorgt sich um Gonzalo Rodrígez de Tejeda, seinen ältesten Freund und Paolas Paten. Gonzalo, erfolgreicher Galerist im Ruhestand, ist Spanier, lebt aber schon lange in Venedig.

Einem Gerücht zufolge will der kinderlose Gonzalo seinen wesentlich jüngeren Liebhaber Attilio Circetti, Marchese di Torrebardo, adoptieren. Den italienischen Erbgesetzen nach ist das die einzige Möglichkeit, ihn zum Alleinerben des erheblichen Vermögens zu machen.

Da Gonzalo für seine Leichtsinnigkeit bekannt ist, sorgen sich seine Freunde um ihn. Doch er lässt sich die Idee nicht ausreden, hat sich darüber sogar mit dem Conte zerstritten. Der Conte möchte wissen, ob Attilio es nur auf das Erbe abgesehen hat. Attilio stammt aus dem Piemont, lebt seit zwei Jahren in Venedig, gilt als clever und charmant, doch über Herkunft, Beruf und Finanzen ist nichts bekannt.

Bei einem Dinner hat Brunetti die Gelegenheit, Gonzalo und Attilio zu beobachten. Später führt er ein ausführliches Gespräch mit Gonzalo. Nicht lange danach besucht Gonzalo seine Schwester in Madrid, wo er plötzlich eines natürlichen Todes stirbt.

Einige Freunde und Verwandte möchten in Venedig eine Gedenkfeier arrangieren. Gonzalos älteste Freundin Berta Dodson und sein ehemaliger Geliebter Rudy Adler reisen zusammen aus England an. Am Abend ihrer Ankunft wird Berta in ihrem Hotelzimmer erdrosselt.

In einer Nebenhandlung bittet Vice Questore Patta Brunetti um einen Gefallen. Pattas Frau wurde vom achtjährigen Nachbarssohn wiederholt beleidigt. Brunetti soll herausfinden, ob der Junge echte Probleme hat. Falls ja, möchte er den Eltern nicht noch mehr bereiten. Ist Patta etwa sensibler als von Brunetti bislang vermutet? Oder steckt etwas anderes dahinter?

Reise in die Vergangenheit

Brunetti, der die Adoptionsidee verrückt findet, möchte nicht involviert werden. Er lehnt die Bitte ab, ist aber gerührt von den Worten des Conte, er habe gerade jemanden, den er liebt, gebeten, jemand anderen, den er liebt, auszuspionieren. Brunetti erfährt Interessantes aus der Vergangenheit seines Schwiegervaters, über dessen Schulzeit, das Leben der Faliers im faschistischen Italien, aber auch über die nicht immer einfache Beziehung des Conte zu ihm selbst. Nicht nur Gonzalo möchte einen Sohn adoptieren, auch Brunetti darf sich inzwischen wie ein Sohn des Conte fühlen.

Der Roman beginnt in einer sehr eigenen Weise, denn diesmal geschieht kein Mord und Brunetti muss keinen bösen Kriminellen verfolgen. Es ist eine persönliche Geschichte, die viel über die Gesellschaft Venedigs verrät, besonders die Reichen und Adligen, die Nobiltà, deren spezielle Sicht auf die Welt und wie sie mit ihren Angelegenheiten umgehen. Der Mord findet erst nach ungefähr zwei Dritteln statt, macht die Geschichte aber nicht weniger spannend.

Gonzalo muss ein Geheimnis gehütet haben, das seine älteste Freundin Berta zum Zielobjekt eines Mörders macht. Dieses Geheimnis gibt Brunetti Rätsel auf. Denn Gonzalo war ein liebenswerter Mensch, hat seine Homosexualität nie verleugnet, kein Doppelleben geführt. 

Wie die meisten Venezianer ist auch Brunetti gewohnt, im wirbelnden Schaum aus Information und Desinformation zu schwimmen, der einen großen Teil des täglichen Lebens durchfließt. Brunetti, der keine Gerüchte mag, muss sich diesmal damit befassen und im Privatleben eines alten Freundes der Familie wühlen. Auch Berta Dobson, das spätere Mordopfer, lernt er persönlich kennen. Er ist sehr beeindruckt von ihr. Er hält sich nicht immer an die Dienstvorschriften, was aber niemanden wirklich interessiert.

Der Roman brilliert mit seinen längeren Dialogpassagen, wie Brunettis Begegnungen mit dem Conte und mit Gonzalo, ein Balanceakt an Takt und Rücksichtnahme. Was kann, was darf, was muss man sagen, um Informationen zu extrahieren, ohne die Privatsphäre zu verletzen? Wie viel Loyalität schuldet er dem Conte und wie viel Wahrheit kann er einem alten Freund zumuten oder auch verschweigen, ohne selbst Schuld und Scham zu empfinden oder den anderen zu beleidigen?

Vorangetrieben wird die Geschichte von zwei menschlichen Schwächen, der Sehnsucht nach Liebe und der Gier. Auch Brunetti zeigt Schwächen, muss sein Denken und Handeln reflektieren. Auf die unbewussten Motive und Vorurteile zu blicken, ist wie Barfußgehen im trüben Wasser, stellt er fest. Man wisse nie, wo man hintrete. Auch eigene Ermittlungsfehler muss er zugeben. 

Brunetti agiert die meiste Zeit allein. Seine Familie und seine Kollegen sind Randfiguren. Signorina Elettra verreist für drei Wochen, was die Arbeit in der Questura fast zum Stillstand bringt. Brunetti ist der Lösung bereits recht nah, doch erst nach Signorina Elettras Rückkehr bekommt er den entscheidenden Hinweis.

Die Auflösung des Mordfalls erfolgt ebenso unspektakulär, wie der Nachbarschaftskrieg der Pattas verläuft. Denn Signorina Elettra findet heraus, dass der Nachbarssohn in der Tat ein Problem hat, das überrascht, und doch nahe liegt.

Fazit:

In Donna Leons 28. Roman über Commissario Brunetti wird es für den Ermittler persönlich. Dabei geht es weniger um die Aufklärung des Mordes, als um das Enthüllen der menschlichen Natur, die Komplexitäten des menschlichen Daseins und die moralischen Kämpfe des Protagonisten. Eine Geschichte über die Unwägbarkeiten des Lebens, nie übertrieben, nie vorhersehbar, spannend.

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