Heimliche Versuchung

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Zürich: Diogenes, 2018, Seiten: 7, Übersetzt: Joachim Schönfeld

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Almut Oetjen
Commissario Brunetti blickt nicht mehr durch

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jan 2018

In der Questura von Venedig gibt es ein Leck. Commissario Guido Brunetti soll herausfinden, welcher seiner Kollegen dafür verantwortlich ist. Bevor Brunetti mit der Untersuchung beginnen kann, erscheint eine Kollegin seiner Frau Paola. Professoressa Elisa Crosera sorgt sich um ihren 15-jährigen Sohn Sandro, der ein teures Privat-Lyzeum besucht, das Albertini. Er hat sich verändert, eine Mitschülerin hat gegenüber seiner Schwester Aurelia die rätselhafte Bemerkung gemacht, er werde große Probleme bekommen wegen dem, was er mache. Elisa Crosera befürchtet, dass Sandro Drogen nimmt.

Eine Woche später wird nachts am Fuß des Ponte del Forner nahe dem Anleger San Stae der Buchhalter Tullio Gasparini mit einer schweren Kopfverletzung bewusstlos aufgefunden. Er ist der Ehemann von Elisa Crosera. Sein Zustand ist kritisch. Druckstellen an seinem Körper deuten darauf hin, dass er gestoßen wurde.

Brunetti glaubt nicht an einen Zufall, sondern vermutet einen Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen. Hat Gasparini den Namen des Dealers erfahren und sich in der Nacht mit ihm getroffen? Dann könnte auch Sandro in Gefahr sein.

Da Gasparini nicht aufwacht und Sandro feindselig reagiert, kontaktiert Brunetti seinen langjährigen Informanten aus der Drogenszene. Um mehr zu erfahren, gibt er sich selbst als Dealer aus und beobachtet mit seinem Kollegen Vianello das Albertini.

Als seine Untersuchungen ihn nicht weiterführen, beginnt er Nachforschungen über Gasparini anzustellen. Dabei stößt er auf Ungereimtheiten. Ihm kommt der böse Verdacht, dass Gasparini kriminell war, und nicht Opfer, sondern Täter.

Brunetti verrennt sich auf nebligen Pfaden

In seinem 27. Fall folgt Commissario Brunetti verschiedenen widersprüchlichen Spuren, die ihn quer durch Venedig führen, auf nebligen Pfaden, die so trübe und verschlungen sind wie der Fall selbst. Brunetti, geboren mit einem inneren GPS, verläuft sich im Stadtteil Castello. Gleiches geschieht ihm bei den Ermittlungen. Er verrennt sich in eine Idee und folgt einer falschen Spur, mit peinlichen Folgen.

Ein derartig kapitaler Fehler ist ein Novum bei Brunetti und überrascht, für gewöhnlich ist er eine zuverlässige Figur. Seine Kollegin Claudia Griffoni warnt ihn, schlecht zu recherchieren und einen Männerbund mit Vianello zu schließen, sich einzubilden, richtig zu liegen, nur weil ein anderer Mann seine Meinung teile.

Das ist nicht Griffonis einzige Kritik an männlichem Verhalten. Sie konfrontiert Brunetti mit einigen unangenehmen Wahrheiten über Dominanzverhalten, Gewalt gegen Frauen und falsch verstandene Toleranz.

Problematisiert wird nicht nur das Verhältnis der Geschlechter, sondern auch das zwischen Staat und Bürger. Der Gesellschaftskontrakt ist gebrochen. Niemand spricht es aus, alle wissen es. Das bedeutet für Brunetti, dass Elisa Crosera nicht mit ihm kooperieren will. Sie gibt ihm zunächst keine Informationen und erlaubt ihm kein Gespräch mit Sandro. Zwischen Bürger und Polizei herrscht abgrundtiefes Misstrauen.

Nebenfigur brilliert als clevere und eiskalte Strategin

Unterstützt wird Brunetti von Griffoni, eine seit längerem etablierte Nebenfigur, die hier mehr Präsenz und Konturen bekommt. Brunetti bewundert ihre Intuition, Manipulationsgabe und Kaltblütigkeit, die die Arbeit voranbringen. Unterstützung bekommt er auch von Vice-Questore Pattas Sekretärin und Türhüterin Signorina Elettra, die ihn mit Informationen versorgt. Sie hat ihre eigene Agenda, installiert in Pattas Büro ein Abhörgerät und brilliert in der Nebenhandlung als clevere, eiskalte Strategin.

Kleine Vignetten des detektivischen Könnens ihres Protagonisten liefert Donna Leon, wenn Brunetti mit Vianello das Albertini beobachtet. Oder wenn er bei der Aufklärung eines Bilderdiebstahls hilft, mit dem Vianello sich abseits der Haupthandlung befasst.

Der Roman bildet ein Kaleidoskop sozio-ökonomischer Realität der Stadt ab. Brunetti bewegt sich zwischen den verschiedenen sozialen Sphären: teuren Privatschulen für die High Society-Kids in Moncler und North Face, feuchten "Rattenlöchern" in Castello, der 120 Quadratmeter großen Wohnung einer reichen alten Dame. Er registriert Veränderungen, kleine wie große, ohne viel zu bewerten oder zu urteilen. Der November ist zu einem Touristenmonat geworden; Drogenprobleme existieren mittlerweile auch an den Privatschulen; der Espressopreis ist auf ¤ 1,20 gestiegen; die Post ist zur Shopping-Mall umgebaut, in der hässliche Billigware aus China zum Verkauf steht, Glas und Plastikmasken, für Touristen, viele davon inzwischen aus China; der Ex-Direktor des MOSE-Projekts, eines Milliardengrabes und vermutlich unrealisierbar, hat sich vor der Justiz nach Zentralamerika abgesetzt; immer mehr Venezianer verlassen die Stadt; immer mehr Wohnraum wird in Ferienwohnungen umgewidmet. Auch Donna Leon lebt ja seit einiger Zeit nicht mehr in Venedig, sondern in der Schweiz, reist nur gelegentlich in die Lagunen-Stadt, um Freunde zu besuchen.

Das Leben ist voller Lügen, Halbwahrheiten und Unsicherheiten

Brunetti findet Rückhalt bei seiner Familie und seiner Leidenschaft für die Klassiker. Er liest Sophokles' Antigone, um den wahren Sinn von Gerechtigkeit zu verstehen. Antigone will aus Liebe zu ihrem Bruder dessen Leichnam begraben, obwohl sie damit gegen das Gesetz verstößt, und dafür mit ihrem Leben büßen muss. Brunetti kann nicht beurteilen, ob ihre Handlung richtig oder falsch ist. Er findet keine Antworten, nur Fragen. Menschen mögen Romane, weil es einen Erzähler gibt, der dem Leser meistens die Dinge erklärt, konstatiert Paola. Wir sind gewohnt an diese Stimme, die uns sagt, was wir denken sollen. Doch das Leben hat keinen Erzähler. Es ist voller Lügen und Halbwahrheiten, voller Unsicherheiten, erklärt Paola weiter.

Brunetti kommt einem betrügerischen Netzwerk auf die Schliche und einem Täter, dessen von Liebe und Menschlichkeit angetriebenen Handlungen zu schlimmen Konsequenzen führen. Auch Brunetti muss zwei schwierige Entscheidungen treffen, zwischen Mitgefühl und Gerechtigkeit.

"Heimliche Versuchung" erzählt eine spannende Geschichte über Liebe, Gier und Korruption, Gerechtigkeit und Gewissen, in der die realen Verhältnisse Venedigs mit den gesellschaftlichen Widersprüchen und Veränderungen beleuchtet werden.

Heimliche Versuchung

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Letzte Kommentare:
03.01.2019 22:36:12
Lukas, 30

Man liest die Bücher, weil man alle gelesen hat und man wird auch noch die nächsten lesen.... Vermutlich aber auch nur, weil man die Stadt oder die Filme so sehr mag.

Kriminalistischer Hochgenuss bleibt dem geschulten Krimileser auch in diesem Donna Leon-Roman verwehrt. Wie bereits richtig in der Rezension festgehalten: Zu viele Handlungsstränge und "Spuren", die ins Nichts führen und anstatt zu verwirren, was in krimis ja gerne der Fall sein darf, eher nur aufhalten und stören.
Wenn Signorina Elettra brav ihre Arbeit macht und sämtliche Listen "aus dem Computer" zaubert, hat sie die bisher doch alle leichten Fälle doch schon gelöst.

Donna Leon verfasst keine anspruchsvollen Krimis, vielmehr werden unter jenem Deckmantel nette Familienromane über die Brunettis sowie die Lagunenstadt vermarktet und - obligatorisch statt nebenbei - Gesellschaftskritik geübt.

Freuen wir uns deshalb alle auf den nächsten Roman...
Und deshalb freuen wir uns auf

11.11.2018 22:07:46
Regina Horn

"Auch Donna Leon lebt ja seit einiger Zeit nicht mehr in Venedig" - nun und? Sie war mein es Wissens keine Venezianer in, sondern Amerikanerin die Bücher über Venedig schrieb, deren Übersetzung ins italienische sie tunlichst vermied. Sie wird wissen, warum.
Es ist aber schön, dass sie es nun doch noch schafft, auf den Feminismus- Zug aufzuspringen und die Männerbündelei zwischen Brunetti und Vianello via Griffon zu geisseln.
Dio mio ...

21.08.2018 15:20:34
Michael, 42

Ein interessanter Fall, ein gutes Buch mit schönen und traurigen Einblicken hinter die Kulissen. Die Figuren werden gut beschrieben, Venedig als Stadt sowieso. Nicht direkt ein Krimi, eher ein kriminalistischer Roman aus Venedig. Etwas störend fand ich nur die Tatsache, dass Chiara und Raffi wieder zu Kindern degradiert wurden, im Film sind die Schauspieler ja schon hoch in den 30ern. Als vom 15jährigen Sohn der Bekannten die Rede ist, antwortet Brunetti: Mein Sohn war vor drei Jahren auch so ähnlich. Das finde ich etwas schade, man könnte die Nebenfiguren auch altern lassen.

28.07.2018 11:29:03
Margot

Ich möchte Donna Leon nichts unterstellen aber schreibt sie die Bücher wirklich noch selber? Dieses ist im Stil so unterschiedlich (und wesentlich schlechter) als die ersten, dass mir Bedenken kommen. Nein, einfach nur langweilig und ärgerlich! Wenn Donna Leon des Schreibens müder ist und ihr nichts mehr einfällt, dann soll sie Brunetti in Ruhestand versetzen und sich selber gleich mit bevor sie ihren Ruf ruiniert.

29.05.2018 20:31:36
Teresa

Ziemlich langatmig, wenig Krimicharakter, in der Hauptsache Zitate aus antiken Schriftwerken.
So man diese kennt, in der Reflexion nicht uninteressant, aber in dieser Häufung unpassend für einen Krimi. Ebensowenig erbaulich wie die sonstigen zu ausschweifenden Abdriftungen zu Händel&Co.
Schade drum, aber ich halte es mittlerweile eher mit Camilleri, denn sein Protagonist hat immer noch Ecken und Kanten mit gewisser ermittlerischer Kontinuität.
Ich hätte mir mehr erwartet vom neuen Roman der Donna Leon. Sie oder ihr Ghostwriter driften zu sehr ab in ihre eigenen Obsessionen.

23.05.2018 10:37:45
Vicki Marty

Ich habe das Buch gerade in Englisch gelesen. Kann dazu nur sagen ziemlich langweilig. Meiner Meinung nach das schwächste ihrer Bücher. Kein wirklicher Krimi im üblichen Sinn. Mag den einen gefallen mir war er zu langweilig.
Ich fand sowieso die ersten die Besten. Schade weil sie schreibt wirklich gut. Man sollte sie aber in Englisch lesen.