Verschwiegene Kanäle

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • London: Heinemann, 2003, Titel: 'Uniform Justice', Seiten: 272, Originalsprache
  • Schwäbisch Hall: Steinbach, 2004, Seiten: 7, Übersetzt: Christoph Lindert
  • Zürich: Diogenes, 2005, Seiten: 330

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Peter Kümmel
Wieder kein zufriedenstellender Abschluß des Falles

Buch-Rezension von Peter Kümmel Dez 2003

Wie verschwiegen die Kanäle von Venedig sein können, das hat uns Donna Leon in ihren Romanen um Commissario Brunetti schon oft genug gezeigt. Die "verschwiegenen Kanäle" des zwölften Falles sind die der Kadettenschule San Martino, einer Privatschule für die Sprößlinge reicher Eltern, in der sie ihre Söhne militärisch ausbilden lassen können.

Im Waschraum der Schule wird der 17-jährige Ernesto Moro, Sohn eines bekannten Arztes und Politikers, von einem Mitschüler frühmorgens erhängt aufgefunden. Brunetti und seine Mitarbeiter treffen auf eine Wand des Schweigens. Keiner war mit dem Toten näher bekannt, niemand ist etwas in seinem Verhalten aufgefallen und auch die Schulleitung reagiert ablehnend auf die Befragungen der Polizei.

Brunettis Vorgesetzter, Vize-Questore Patta, der sich nicht gerne mit Prominenz anlegt, möchte den Fall möglichst schnell als Selbstmord zu den Akten gelegt wissen. Da muß Brunetti viel Diplomatie walten lassen, denn er ist davon überzeugt, dass der Junge ermordet wurde. Da aber auch die Gerichtsmedizin zu dem eindeutigen Ergebnis Selbstmord kommt, bleibt dem Commissario wieder mal nichts anderes übrig, als seine Ermittlungen weitgehend im Verborgenen weiterlaufen zu lassen. Wie immer unterstützt wird er dabei von Signorina Elletra, deren Recherchen unverzichtbare Ergebnisse bringen.

So forscht er in der Vergangenheit von Ernestos Eltern. Dessen Mutter wurde vor zwei Jahren bei einem mysteriösen Jagdunfall angeschossen, die Tochter des getrennt lebenden Ehepaars ist wie vom Erdboden verschluckt. Brunetti ist sich sicher, dass das Motiv für Ernestos Tod in der politischen Vergangenheit seines Vaters zu suchen ist. Dottor Moro war als unbestechlicher und unbequemer Politiker bekannt, bevor er sich nach dem Unfall seiner Frau weitestgehend aus der Politik zurück zog.

Nur sehr langsam kommen die Ermittlungen von Brunetti in Fahrt, doch ist man ja gewohnt, dass es bei Frau Leon eher subtil zugeht.

Sehr hart ins Gericht geht die Autorin in diesem Roman mit militärischen Tradionen und Eliteschulen, die den Söhnen reicher Eltern den nötigen militärischen Schliff verleihen sollen. Dabei geht sie sogar soweit, das Militär mit der Mafia zu vergleichen. Beide seien "unfähig zu moralischem Handeln [...] machtgierig, arrogant gegenüber der Zivilbevölkerung, gewaltbereit und feige zugleich".

Und das Ehepaar Brunetti zeigt hier, dass ihre Dialoge auch dann spritzig und unterhaltsam sind, wenn sie ausnahmsweise mal der gleichen Meinung sind.

Schließlich ist es wie so oft schon seine Intuition, die Brunetti zur Auflösung des Falles führt. Der Leser darf dabei jeden einzelnen seiner Gedankengänge mitverfolgen. Mit psychologischen Tricks ermittelt er schließlich auch den Täter, doch wer die Brunetti-Serie kennt, der weiß, dass die Kenntnis des Täters oftmals nicht gleichzusetzen ist mit dem Abschluss des Buches. Kaum einmal bleibt ihm die Genugtuung, sich am Ende eines Falles zufrieden zurücklehnen zu können. Hier lässt er den Leser durch seine Gewissenskonflikte sogar nachdenklich zurück.

Auch mit "Verschwiegene Kanäle" kann Donna Leon nicht an die besseren Krimis der Brunetti-Reihe anknüpfen. Und wollten die Leser den Commissario vor Kurzem noch in Pension schicken, so ist es dieses Mal Brunetti selbst, der amtsmüde scheint. Seien wir gespannt, wie lange er noch ermitteln wird.

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Letzte Kommentare:
31.05.2018 21:45:51
Henriette H.

Wenn man die Romane von Donna Leon liest, gewinnt man jedesmal den Eindruck, dass fast alle Politiker in Italien korrupt- wenn nicht sogar noch Schlimmeres sind.
Angesichts der Regierungskrise, die derzeit in Italien herrscht, kann man denken, dass Frau Leon Recht hat.
Was dieses Buch betrifft: dass ein so erfahrerer Kriminalbeamter wie Brunetti am Ende einen derart kapitalen Fehler macht, dass ein Mörder ungestraft davonkommt, ist für die Leserschaft absolut nicht nachvollziehbar.

13.07.2013 18:35:41
Neuling00

Ich habe das Buch gelesen. Der Anfang ist verwirrend. Es bezieht sich viel auf diesem Direktor, und auch sonst, nicht so spannend wie erwartet.

Es fesselt mich als Leser, nicht so, wie es die anderen Bücher geschafft haben. Vielleicht liegt es auch am Schauplatz.
Eine Schule weckt doch immer schlechte Erinnerungen.

29.12.2012 21:29:26
Ariane

Donna Leon habe ich in einem Ferienhaus in Spanien gelesen.Das hat mich regelrecht gepackt ,dass ich in die nächste Buchhandlung zuhause einen weiteren Band kaufte.Jetzt bin ich gerade an:Verschwiegene Kanäle.Nun wird,s spannend wer ist der Täter? Dr.Moro?? oder doch einer aus der Elite Schule? wer weiss.also weiter lesen!

Gruss,
Ariane M.

25.07.2008 14:10:55
Teeshan

Das Erste von Donna Leon, was ich lese.
Ich muss sagen, einer der bessere von Donna Leon, mein Erstling.
Wenn man die Bücher von Donna Leon liest, vorsicht: Die Bücher von Donna Leon macht süchtig. Also vorsicht!
Aber auf jeden Fall lesenswert.

30.05.2008 22:03:50
Zorica Dragic

Dafür, dass die Schriftstellerin so in den Himmel gelobt wird und ihre Bücher internationale Bestseller sind, hätte ich eigentlich mehr von diesem Buch erwartet. Die ersten paar Seiten waren noch einigermassen spannend, vom Rest war ich dann nur noch gelangweilt. Ich hatte jedoch die Hoffnung, dass es gegen den Schluss vielleicht noch eine Kehrtwendung geben würde, damit es sich wenigstens ein bisschen gelohnt hätte, sich mit diesem Buch zu beschäftigen. Diese Hoffnung wurde leider auch enttäuscht, als mir schon etwa auf Seite 280 klar wurde, wer der Mörder ist, ich aber noch 50 Seiten vor mir hatte. Mir war endgültig die Lust am Lesen vergangen. Der Vollständigkeit halber habe ich die Geschichte trotzdem zu Ende gelesen.
Ich möchte nicht vorschnell über die Autorin urteilen, da dies der erste Band von ihr ist, den ich gelesen habe. Es gibt verschiedene Ansichten, aber für meinen Geschmack lässt die Autorin den Leser etwas zu sehr ihren Sarkasmus und ihre Abneigung gegenüber Politik und Religion spüren.

30.05.2008 22:01:05
Zorica Dragic

Dafür, dass die Schriftstellerin so in den Himmel gelobt wird und ihre Bücher internationale Bestseller sind, hätte ich eigentlich mehr von diesem Buch erwartet. Die ersten paar Seiten waren noch einigermassen spannend, vom Rest war ich dann nur noch gelangweilt. Ich hatte jedoch die Hoffnung, dass es gegen den Schluss vielleicht noch eine Kehrtwendung geben würde, damit es sich wenigstens ein bisschen gelohnt hätte, sich mit diesem Buch zu beschäftigen. Diese Hoffnung wurde leider auch enttäuscht, als mir schon etwa auf Seite 280 klar wurde, wer der Mörder ist, ich aber noch 50 Seiten vor mir hatte. Mir war endgültig die Lust am Lesen vergangen. Der Vollständigkeit halber habe ich die Geschichte trotzdem zu Ende gelesen.
Ich möchte nicht vorschnell über die Autorin urteilen, da dies der erste Band von ihr ist, den ich gelesen habe. Es gibt verschiedene Ansichten, aber für meinen Geschmack lässt die Autorin den Leser etwas zu sehr ihren Sarkasmus und ihre Abneigung gegenüber Politik und Religion spüren.

28.05.2008 07:38:52
Susan Eberle

Meiner Meinung nach ist dies eher ein mittelmässiges Buch. Teilweise gut geschrieben, manchmal aber auch sehr langweilig und voller Klischees. Brunettis Frau beispielsweise, ein Traum jedes verheirateten Mannes. Eine wunderschöne, intelligente Frau, die jeden Tag das beste Essen der Welt kocht, es versteht den eigenen Mann mit wohldurchdachten und tiefgründigen Worten zu erheitern und weiss den Mann zu trösten. Eine Frau die ihr Leben voll und ganz auf die Familie und den eigenen Mann ausrichtet zusätzlich aber noch als Professorin an einer Universität arbeitet.
Als zweites die Polizisten, ein dümmliches und intellektuell tief stehendes Volk, welches zum Überlegen nicht fähig ist – wer hat nicht dieses Bild von der italienischen Polizei?
Als drittes der ruhige Commisario Brunetti, als immer freundlicher Geselle und hochintelligenter Zeitgenosse erfüllt er praktisch alle Vorstellungen eines Commisarios, der unter lauter „Tölpeln“ zurechtkommen muss.
Mich hat dieses Buch nicht in den Bann gezogen. Vielleicht liegt es daran, dass ich kein Krimi-Fan bin. Jedenfalls fand ich dieses Buch überbewertet.
Was mir wiederum aber gefallen hat an diesem Buch, war der Schluss. Endlich eine Geschichte ohne unlogisches Happyend. Das Ende lässt einen nachdenken und zieht einen in die reale Welt zurück. Nicht, dass ich ein Mensch bin, der die Welt nur noch von bösen und korrupten Menschen regiert sieht, im Gegenteil. Aber jeder weiss, dass es sehr, sehr schwierig ist gegen solch böse und korrupte Menschen anzukommen.

08.01.2007 17:53:05
Mona13

Als ich den ersten Brunetti gelesen habe, war ich sofort begeistert, aber das hier ist bisher das Beste. Ich habe auch den Film zu ,,Verschwiegene Kanäle" gesehen, doch im Buch ist manches anders las im Film. Aber lest das Buch selbst, ich kann es nur weiterempfehlen.

09.07.2006 16:21:28
Elisabeth

Ich habe alle Krimis von Donna Leon gelesen und finde dieses Buch - wie alle - ausgezeichnet. Allerdings ist es ohne Frage der bisher traurigste Fall der Serie; dringend empfohlen!

20.03.2006 09:12:49
Sonja

Ich find das Buch verliert zwischen durch echt etwas an spannund mit dem Ende war ich such ganz und garnicht zufrieden doch das schöne an diesem buch finde ich ist das man sich Venedig so nahe fühlt die stadt erscheint einem so warm und nah ich hatte während ich das Buch lass das Gefühl live-dabei zu sein das war sehr schön!!!

28.02.2006 17:36:34
Bernd Horn

Der Roman ist nicht ihne Spannung...Manche Details zu langatmig, zu detailverliebt.....Das Ende unbefriedigend.. Habe lange dumm rumgesessen.. Das ist so kein Ende.. Unglaubwürdig ist, daß moro erst mutig Stellung nimmt u. nicht ahnt, daß es probleme gibt.. Daß er dann so kraftlos aufgibt ist psychologisch nicht nachvollziehbar..
Das furchtbare ende demotiviert. Ist es denn wirkl. unmögl. gegen Ge,einheit zun handeln.. Der commissario hat doch die Aussage des Zimmergenossen.. Er könnte doch weiter ermitteln.. Es bleibt als trauriges resüme: "Alle \'Guten\' haben dann keine Kraft, keine power.. Die haben wohl nur die Bösen".. Nach so einem Krimi-Ende habe ich schlechte laune und den "blues"..

01.01.2005 14:04:10
Silvia

Auch ich gehöre zu den Brunetti-Fans und habe bislang alle Bücher von Donna Leon gelesen. Verschwiegene Kanäle gehört für mich zu ihren besseren Romanen. Leon versteht es wie kaum eine andere, ihren Figuren Leben einzuhauchen. Allerdings finde ich es schade, dass in den letzten Romanen Brunettis Privatleben arg in den Hintergrund trat-war es doch gerade die Mischung aus Privatem und Kriminalfall, die Anfangs begeisterte. Offenbar fällt Leon aber diesbezüglich nichts Neues mehr ein. Schade, aber solange die Fälle weiter so spannend und realitätsnah bleiben, bleibe ich auch Brunetti treu.

06.09.2004 00:00:59
betty

Ich ha be bis jetzt alle Bücher von Donna Leon gelesen, und ich muss sagen, es tut mir wirklich leid, sie sind noch nicht ins Italienische übersetzt werden!
Das letzte Buch hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ein zielmlich trauriges Buch ist. Nicht alle Bücher scheinen mir auf demselben Niveau zu sein, aber dies ist wirklich interessant und hat mir sehr gut gefallen! (und damit habe ich alle 12 Fälle auf meinem Bücherregal!)

29.08.2004 11:57:52
Christina

Verschwiegene Kanäle was soll ich dazu sagen?! Super klasse spitze..... Wie eben die anderen BRUNettiS! Ich bin ein KomPlettEr FaN von DONNA LEON und bleibe es auch freu mich auf das nächste buch das ich hoffentlich bald bekomme naja! LG Chrisitna

22.08.2004 14:30:38
A-bella

Endlich wieder ein guter Brunetti!Die beiden letzten fand ich auch sehr schwach, vorallem "In Sachen Signora Brunetti" war echt unterirdisch. Aber "verschwiegene kanäle" gefällt mir sehr gut, ich freu mich auf das nächste Buch, was hoffentlich wieder so gut wird

18.07.2004 16:24:48
Annette Deichsel

Mir hat das Buch, habe gerade die engl. Version ausgelesen, sehr gut gefallen. Auch wenn ich es schade finde, daß die Schuldigen nicht wirklich bestraft werden können, auch durch die übersturzte Handlung von Brunetti selbst, ganz zum Schluß. Aber ansonsten war es Klasse, auch die Anspielungen auf die Militärs und die Regierung in Italien!

04.07.2004 01:54:19
Bea

Dass Bruinette die wrckilich vearntwrtliche nincht brstrafen kann, ict ein Element, dass immer wieder in ihen Büchern vorkommt. Stört auch gar nicht, man kann es nachvolzirehen.
Schlimmer, ein Lamd, wo die Ämter immer mehr zu Sebstbedienunganage verkommen! Ich hoffe nur, dass es in Deuschlad unserem Land, nicht bald ebenso ist. Aber grosse Hoffungen mache ich mir nicht, das isr einfach zuuuu eleicht verdentes Geld"
Krimi trotzrm , oder vielleicht auch gerade, 95 %! lh Bea

18.06.2004 17:23:45
Mrs. K

Die Reihe hat nach einigen Durchhängern (In Sachen Signora Brunetti, Das Gesetz der Lagune) wieder das ursrüngliche Niveau erreicht. Die Handlung, die Erkenntnisse während der Ermittlungen und die Reaktionen darauf sind nachvollziehbar, ausführlich und trotzdem packend beschrieben. Jetzt kann man sich wieder auf den nächsten Donna-Leon-Krimi freuen.

14.06.2004 14:44:12
angelika

Gut und packend geschrieben. Die immer melancholischer werdende, jetzt teilweise fast resignative Stimmung der Serie setzt sich allerdings weiter fort. Das Buch bedrückt. Die Handlungsräume des Streiters für Gerechtigkeit innerhalb eines Systems der Unmenschlichkeit werden immer enger. Dennoch stemmt sich Leons Brunnetti mit aller ihm verbliebenen Kraft gegen die drohende Kapitulation, die eine völlige Resignation darstellen würde. So bleibt der Leser mit seiner Traurigkeit nicht ganz allein im Regen stehen, verbleibt ein Rest an Hoffnung, die ein Mensch macht, der innerhalb des Systems verbleibt und dem (scheinbar?) übermächtigen,
institutionalisierten Unrecht ein ´dennoch´entgegensetzt. Und letztendlich, wenn die Wirklichkeit häßlich ist, wie soll die ´Sängerin´dann schön singen?!

29.05.2004 10:53:40
Tom

Ich liebe venedig und cih liebe Brunetti ich habe alle seine Fälle Verschlungen
Ich finde Donna Leon versteht es seine Figuren leben einzuhauchen wie kein anderer Schriftsteller auch der neue Teil ist wieder super

26.05.2004 11:30:12
Melanie

Eine wirklich phantastische Leistung! Endlich mal wieder ein knackiger Krimi, nach den zwei "lauen". Erste Sahne!

23.05.2004 20:17:06
Francesco

Gratulation Donna Leon!! Der mit Abstand Bestgeschriebene Krimi ihrer langen Karriere!! Nach den letzten zwei Krimis vin ihr, die ein bisschen die Erwartung meinerseits nicht gänzlich erfüllte, startet sie nun wieder voll durch.Weiter so!!

22.05.2004 09:11:19
Monika Glaser

Vom Guten das Beste, für mich die Nr. 1
aller "Leons" und (man kann es wahrlich
nicht von jedem Krimi sagen)gute Literatur.

30.12.2003 03:12:15
Vivian

ich habe gerade die englische version gelesen und bin vollauf begeistert!!