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Almut Oetjen
Commissario Brunetti: Wasser für Venedig

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jun 2020

Brütende Julihitze lastet über Venedig. Während die Einheimischen aus der Stadt fliehen oder sich in die Häuser zurückziehen, schieben sich die Touristenströme durch die engen Gassen, vorzugsweise zwischen Rialto-Brücke und San Marco.

Hochsaison für Taschendiebe: Zwei Roma-Mädchen werden erwischt, eine zum x-ten Mal. Was eigentlich nur eine Delikatesse ist und Venedigs verbrechensfreies Image ankratzt, gerät zum potentiell desaströsen Politikum. Denn dieses Mal ist eine um ihren Ruf besorgte prominente Persönlichkeit involviert. Vice-Questore Patta will mit Hilfe von Commissario Guido Brunetti verhindern, dass die Presse darüber berichtet, sonst droht ihm die Versetzung.

Brunetti wird von Dottoressa Donato, Chefärztin im Hospiz Fatebenefratelli, kontaktiert. Ihre Patientin Benedetta Toso möchte dringend mit einer Polizistin sprechen. Brunetti nimmt seine Kollegin Claudia Griffoni mit, ein Genie im Extrahieren von Informationen. Die Sterbende sagt etwas über „schlechtes Geld“ und dass „sie“ ihren Mann getötet haben. Obwohl Brunetti nicht weiß, ob Benedetta Toso ihn hört, verspricht er ihr, zu tun, was er kann.

Im Unfallbericht steht, dass Benedettas Mann Vittorio Fadalto vor etwa zwei Wochen mit seinem Motorrad im Graben landete und ertrank. Zeugen gibt es nicht, jedoch Lackspuren von einem anderen Fahrzeug. Fadalto war Techniker bei Spattuto Acqua, einem Privatunternehmen, das die Provinz Venetien und andere mit Trinkwasser beliefert. Seine Aufgabe war das Einsammeln von Wasserproben.

Mit der bemerkenswerten Fähigkeit der Sekretärin Elettra Zorzi, auch noch die verborgensten Informationen auszugraben, gelingt es Brunetti, die rätselhafte Anschuldigung Benedetta Tosos zu entschlüsseln, den Tod ihres Mannes aufzuklären und dabei einen Skandal aufzudecken.

Minamata

Brunetti befasst sich mit einem Fall, der eigentlich keiner ist, wobei er zeitweise von Pattas Problem mit den Taschendiebinnen abgelenkt wird. Denn eine Mutter, die mit achtunddreißig Jahren an Krebs stirbt und zwei Töchter, zwölf und vierzehn Jahre alt, hinterlässt, ein Ehemann, der kurz vorher tödlich verunglückte – das klingt eher nach einer tragischen Familiengeschichte als nach einem Verbrechen. Ohne die rätselhaften Worte der Frau und Brunettis Versprechen würde sich niemand mehr für den Tod Fadaltos interessieren.

Die ersten Kapitel des Romans lassen offen, worum es in dem Roman geht.

Ein Mann ist tot. Dafür kann es viele Gründe geben. Doch dann macht die Geschichte einen scharfen Bogen in Richtung Umweltkriminalität, ein Thema, das Donna Leon schon mehrfach behandelt hat, wie in „Stille Wasser“, wo es um die Verklappung von Giftfässern in die Lagune geht.

„Trace Elements“ handelt von Venedigs Trinkwasser. Bei seinen Recherchen erfährt Brunetti so nebenbei, dass die Trinkwasserversorgung vor einigen Jahren privatisiert wurde, obwohl in einem Referendum die meisten Wähler dagegen stimmten. Seine Fragen, wie es dazu kommen konnte, wo die Profite bleiben, wieso er nun für ein Glas Wasser in der Bar zahlen muss, sind rhetorischer Natur.

Bei seinen Recherchen lernt er einen Journalisten kennen, der einen Zeitungsartikel über Wasserverschmutzung verfasst hat, von seiner Zeitung aufgrund des Drucks des Konglomerats, das die verschmutzende Fabrik und die drei wichtigsten Inserenten der Zeitung besitzt, gefeuert wurde und keinen Job mehr finden wird. Die vierte Macht im Staate ist entmachtet.

Unspektakulär und nachvollziehbar schildert Donna Leon das Wasserproblem in der ganzen Breite und Tiefe, von den Manipulationsmöglichkeiten, den Vertuschungen, der Unmöglichkeit, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen und zu verurteilen. Denn die Korruption ist systemisch und durchdringt die wichtigen Ebenen Justiz, Presse, Polizei. Im Lauf seiner Recherchen stößt Brunetti auf die Minamata-Krankheit, benannt nach der japanischen Stadt, die in den fünfziger Jahren bekannt wurde, als eine Fabrik Quecksilber in den Fluss verklappte, das über die Nahrungskette in den Menschen gelangte.

Parallel zum Umweltthriller entwickelt sich die Geschichte um einen Motorradunfall. Brunetti vermutet einen Zusammenhang. Doch je mehr Informationen er sammelt, desto mehr Widersprüche ergeben sich auch. Es gelingt ihm nicht, die einzelnen Punkte zu einer logischen Geschichte zu verbinden. Auch als Leser fragt man sich, wie Leon das Rätsel auflösen wird.

Ankläger und Angeklagter

Brunetti, der den Fall persönlich nimmt, umgeht wichtige Vorschriften. Mit den bewusst begangenen Rechtsverletzungen macht er sich im juristischen Sinne schuldig und potentiell zum Angeklagten. Es gelingt ihm, das komplizierte Netzwerk des Verbrechens zu durchschauen und die Schuldigen zu identifizieren. Doch damit hat er ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Problem noch nicht gelöst, die Verhaftung und Bestrafung der Schuldigen.

Brunetti ist gezwungen, eine schwierige Entscheidung zu treffen, wobei er zwischen der Schwere zweier Verbrechen, zwischen Gerechtigkeit und Verantwortung abwägen muss. In seinem Bemühen um die richtige Entscheidung, erfährt er, dass Gerechtigkeit ein ambivalentes Biest ist, eine Erkenntnis, um die es auch in den „Eumeniden“ von Aischylos geht, deren Lektüre ihn gerade beschäftigt.

Fazit:

Donna Leon erzählt mit scharfem Auge für die italienische Realität die Geschichte eines Umweltverbrechens, in das Wirtschaft, Junta (ihre Wortwahl) und Medien verwickelt sind. Korruption ist nicht die Ausnahme, sondern ein dauerhaftes systemisches Phänomen, das auch Brunetti nicht abschaffen kann. Der 29. Brunetti-Roman ist ein tiefgründiger und düsterer Thriller, der ein politisch brisantes Thema mit einem mysteriösen Todesfall und der zeitlosen und universellen Frage nach Gerechtigkeit verbindet.

Leon zeigt Italien von der hässlichen Seite - und Venedig bei aller architektonischen Schönheit weniger als einen Ort der Sehnsucht, denn der Leiden.

Geheime Quellen

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