Der Keim des Verderbens

Erschienen: Januar 1998

Bibliographische Angaben

  • New York: Putnam, 1997, Titel: 'Unnatural Exposure', Seiten: 338, Originalsprache
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 1998, Seiten: 383, Übersetzt: Tina Hohl
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 1999, Seiten: 3, Übersetzt: Judy Winter, Bemerkung: gekürzt
  • München: Goldmann, 2001, Seiten: 351
  • München: Goldmann, 2003, Seiten: 352
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 351
  • Augsburg: Weltbild, 2006, Seiten: 383
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2011, Titel: 'Verderben', Seiten: 6, Übersetzt: Nina Petri
  • München: Goldmann, 2012, Titel: 'Verderben', Seiten: 381

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Peter Kümmel
Als Stand-alone-Krimi mangelhaft

Buch-Rezension von Peter Kümmel Aug 2003

Die Gerichtsmedizinierin Dr. Kay Scarpetta kommt gerade aus Irland zurück, wo sie einige Vorlesungen gehalten hat. Nebenbei nutzte sie die Reise, um eine Mordserie zu untersuchen, bei der vor zwei Jahren nur die Rümpfe von Leichen gefunden wurden. Kopf, Arme und Beine waren abgetrennt. Und nun scheint es so, als ob der gleiche Mörder in den USA weitermacht, denn auch dort wurden in letzter Zeit fünf auf diese Art und Weise verstümmelte Leichen entdeckt. Doch die sechste Leiche, die auf einer Müllkippe entdeckt wird, passt nicht zu den anderen. Hier wurden die Gliedmaßen nicht am Gelenk abgetrennt, sondern die Knochen mit einer Autopsiesäge durchtrennt.

Da erhält Dr. Scarpetta eine e-Mail: der Absender nennt sich deadoc und er schickt ein Foto der letzten gefundenen Leiche und anschließend ein weiteres Foto, das die abgetrennten Gliedmaßen zeigt. Doch welche Absichten der Täter damit verfolgt, bleibt rätselhaft.

Dann wird ein Kollege von Scarpetta auf eine Fischerinsel zur Leiche einer alten Frau gerufen, die am ganzen Körper entstellt war. Er stellt fest, dass es sich um einen hochgradig ansteckenden Pockenvirus handelt. Und Scarpetta findet heraus, dass der Leichenrumpf die gleiche Infektion aufwies. Nun droht sogar eine Epidemie.

Serienkrimis gibt es vielleicht schon mehr als in sich abgeschlossene Krimis und sie werden zunehmend beliebter. Die Kunst, einen guten Serienkrimi zu schreiben, besteht einerseits darin, Charaktere zu entwerfen, mit denen sich der Leser identifizieren kann, diese Charaktere ständig weiter zu entwickeln und in vertraute Umgebungen neue Ideen einzubringen. Auf der anderen Seite aber sollte der Serienautor auch darauf achten, dass jeder Band ebenso gut als Stand-alone-Krimi gelesen werden kann. Und in diesem Punkt hat Patricia Cornwell hier eindeutig versagt.

Zwar gelingt es ihr noch einigermaßen, die den Stammlesern schon vertrauten Figuren auch dem Neuleser nahe zu bringen, doch enden viele Handlungsstränge, die vielleicht noch in weiteren Bänden aufgearbeitet werden sollen, einfach im Nichts.

"Der Keim des Verderbens" wirkt von Anfang an routiniert geschrieben. Die Charaktere werden dem Leser kurz und schmerzlos beschrieben, was bei einem Serienkrimi nicht als Kritik zu sehen ist. Doch das Stammpersonal bleibt flach und leblos und viel zu viele Figuren werden sehr einfallslos in eine Schublade gezwängt: ganz deutlich der karrieregeile Polizist, der sich mit viel zu plumpen Mitteln zu profilieren versucht. Der unbedeutende schüchterene homosexuelle Angestellte mit der hilfsbedürftigen Mutter kommt sogar gleich in doppelter Ausführung vor. Überhaupt reitet die Autorin viel zu viel auf dem Thema Homosexualität herum, ohne eine klare Aussage machen zu können.

Angenehm zu lesen Einschübe, die für die Handlung nicht zwingend notwendig sind, wie der Besuch der Elvis-Fans in Graceland und gelegentlich humorvolle Dialoge. Daß die Protagonistin von Anfang bis Ende gestresst und später auch krank ist, teilweise sogar einen exzentrischen Eindruck macht, wirkt dagegen auf den Leser eher nervend. Ebenso störend die allzu häufige Erwähnung von AOL (ein Sponsor der Autorin?) und die nichtssagenden Abkürzungen der verschiedenen vorkommenden Behörden.

Mit ihrer einfachen Schreibweise sorgt die Autorin für ein sehr gut lesbares Buch. Daß sie eine routinierte Schreiberin ist und etwas davon versteht, einen Plot zu entwicken und für einen guten Spannungsaufbau zu sorgen, hat sie bereits mehrfach bewiesen.

So wird man auch über 300 zügig zu lesende Seiten hinweg ansprechend unterhalten, doch was sich Patricia Cornwell auf den letzen 50 Seiten leistet, ist "einer der berühmtesten Thrillerautorinnen der Welt" unwürdig. Da wird eine hingeschluderte halbherzige Teilauflösung präsentiert, die weder logisch hergeleitet noch motiviert begründet ist. Personen, auf deren weiteres Schicksal man gespannt wartet, tauchen einfach nicht mehr auf. Mehrere Seitenhandlungsstränge werden schlichtweg vergessen. Auf diese Art für den Folgeband Werbung machen zu wollen, - falls dies überhaupt beabsichtigt war - ist schlichtweg eine unzumutbare Art und Weise.

Man möchte der Autorin das Buch gerne zurückschicken und sagen: "Die ersten 300 Seiten sind soweit einigermaßen in Ordnung, die letzten 50 Seiten wegschmeißen und neu schreiben. Da bleibt noch mindestens für 200 Seiten Stoff aufzuarbeiten."

Dann hätte man einen routiniert geschriebenen ordentlichen Standardkrimi ohne besondere Höhepunkte.

Der Keim des Verderbens

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