Die Ratten im Mäuseberg

Erschienen: Januar 1987

Bibliographische Angaben

  • Paris: R. Laffont, 1955, Titel: 'Les rats de Montsouris', Seiten: 208, Originalsprache
  • Moos; Baden-Baden: Elster, 1987, Titel: 'Hans-Joachim Hartstein', Seiten: 186
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1993, Seiten: 185

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Jörg Kijanski
Nestor Burma ermittelt im 14. Arrondissement.

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2003

Privatdetektiv Nestor Burma erhält einen neuen Auftrag. Der Oberstaatsanwalt im Ruhestand, Monsieur Armand Gaudebert, der während des Krieges nicht selten die Todesstrafe forderte und daher Monsieur Rübe-ab hieß, wird erpresst. In einem aus Zeitungsausschnitten zusammen gebastelten Brief ergeht die Forderung über 250.000 Francs, postlagernd zu hinterlegen für einen gewissen Ferrand. Burma übernimmt den Auftrag, zumal ihn sein alter Kriegskamerad Paul Ferrand ebenfalls um ein Treffen gebeten hat. Doch Ferrand scheut das Risiko und bittet Burma ihn in seine Wohnung zu begleiten. Diese befindet sich in einem Abbruchhaus, in dem sie beim Besteigen der Treppe auf eine rothaarige, offenbar stark alkoholisierte Frau treffen, die außer ihrem Morgenmantel nichts an hat. Ferrand verrät Burma zunächst nur so viel, dass es um eine Sache geht, bei der mehrere Millionen Francs zu holen sind. Burma macht sich ein wenig enttäuscht auf den Heimweg als er plötzlich einen Schrei hört. Er eilt zurück zu Ferrands Wohnung, wo ihm im Treppenhaus die schöne Rothaarige fluchtartig entgegen eilt. Ferrand hingegen ist tot, liegt mit aufgeschnittener Kehle in seinem mickrigen Zimmer. Als Burma nach Hause kommt bemerkt er Blut an seiner Jacke, doch da er sich Ferrand nicht genähert hat, kann er dieses nur über die unbekannte Frau beziehungsweise von deren Mantel erhalten haben.

Burma fühlt sich bei seiner Ehre gepackt. Wer hat den Tod von Ferrand auf dem Gewissen, dessen Leichnam am nächsten Tag spurlos verschwunden ist? War es die Rothaarige oder ein von Gaudebert beauftragter Mörder? Auch die "Ratten von Montsouris", eine Einbrecherbande denen Ferrand angehörte, könnten ihre Hände im Spiel haben, denn den vermeintlichen Millionencoup wollte Ferrand mit Burmas Hilfe alleine durchziehen. Doch was hat es überhaupt mit den Millionen auf sich?

 

"Und das Geld, haben Sie davor auch Respekt?"

"Nein. Dafür habe ich nichts als Verachtung übrig. Deswegen bin ich auch immer pleite. Und da ich immer pleite bin, brauche ich immer Geld. Ein Teufelskreis."

 

Insgesamt 15 Romane bilden Léo Malets Zyklus "Die neuen Geheimnisse von Paris", von denen jeder Roman in einem anderen Pariser Arrondissement spielt. Die Ratten im Mäuseberg spielt im 14. Arrondissement, dies nur pro forma vorab. Bei der Geschichte stolpert, was nicht böse gemeint ist, der Protagonist durch die Handlung und lernt nach und nach die verschiedensten Personen kennen, die für die "Burma-Reihe" üblich irgendwie miteinander zusammenhängen. Es fügt sich eins zum anderen, wäre die trefferende Analyse, wobei Nestor Burma selbstkritisch und ironisch mehr als einmal konstatiert, er sei nicht Sherlock Holmes.

 

Ich bin nicht Sherlock Holmes. Die Lage des Kopfkissens und der Öffnungswinkel der Tür verraten mir nicht die Haarfarbe des Mannes, mit dem Ihre Frau sich treffen wollte.

 

Wer die "Burma-Reihe" kennt, weiß was den Leser vor allem erwartet. Es scheint dem Autor ein inneres Bedürfnis gewesen zu sein, nahezu alle Straßennamen irgendwie in der Geschichte unterzubringen, zumindest kommt es einem so vor. Der eingangs recht überschaubare Fall gestaltet sich zunehmend unübersichtlich, da Ferrand alsbald ermordet wird, womit die vermeintliche Erpressungsgeschichte gelöst wäre. Auch dessen Mörder steht schnell fest, freilich ohne Burmas Mitwirken. Somit könnte man das Buch an dieser Stelle bei Seite legen, wäre da nicht noch die Suche nach den Millionen. Wie fast immer bei Malet ist raten zwecklos, dafür glänzen seine Romane durch einen eigenwilligen und gleichwohl sympathischen Protagonisten sowie ihre hohe atmosphärische Dichte, zu der na gut die schier endlosen Straßennamen ein Stück weit beitragen. Gelungen ist ebenfalls die soziale Situation im Paris des Jahres 1955. Die "Wohnung" von Ferrand ist eine Bruchbude, ein winziges Zimmer und auch sonst sieht es nicht viel besser aus. So wundert es nicht, dass beispielsweise eine Leiche im Sommer entdeckt wird, weil Kinder Kohlen für den kommenden Winter klauen.

Die Reihe um Privatflic Nestor Burma ist sicher nicht jedermanns Sache. Gleichwohl lohnt sie auch heute noch, nicht zuletzt wegen ihres schnoddrigen Erzählstils, entdeckt zu werden.

Die Ratten im Mäuseberg

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Letzte Kommentare:
23.09.2007 14:06:27
lev25

Diesmal spielt die Handlung des Romans aus dem Paris-Zyklus im 14. Arrondissement. Nestor Burma, der Detektiv, der jedes Geheimnis ko schlägt wird von einem ehmaligen Staatsanwalt engagiert um in einem Fall von Erpressung zu ermitteln. Im Rahmen seiner Schnüffelei wühlt er auch in der Vergangenheit seines Auftraggebers herum und entdeckt mehr dunkle Flecken, als es einer weißen Weste würdig ist. Wie immer begegnet Burma bei der seinem Fall unterschiedlichsten Personen die in irgendeiner Form zu der Aufklärung des Falles betragen. Wie bei allen anderen Nestor Burma Romanen muß der Leser immer auf alles achten. Es gibt kaum unwesentliche Randbemerkungen. Alles ist von Malet so konstruiert, daß am Ende eine fette Überraschung auf den Leser wartet. Man muß diesen Schreibstil schon mögen um ein Burma-Fan zu werden. Ich bin es. Viel Spaß beim Lesen!

22.05.2004 20:34:17
Jens Heße

Auf das 14. Arrondisissement hatte Malet offensichtlich keine rechte Lust. Ein Wasserspeicher und der Eingang zu den Katakomben bilden das Ambiente für eine abstruse Geschichte, bei der weder Personen noch Handlung stimmig sind. Im Gegensatz zu manchen anderen Burma-Romanen werden diese Schwächen nicht durch den Aufbau einer Atmosphäre, die den Leser zu fesseln vermag, kompensiert.

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