Mord auf Rezept

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • New York: Bantam, 2000, Titel: 'Claws and Effect', Seiten: 292, Originalsprache
  • München: Ullstein, 2002, Seiten: 4, Übersetzt: Kornelia Boje
  • München: Ullstein, 2003, Seiten: 286

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Peter Kümmel
Belangloses Geplauder über fast 300 Seiten

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Es ist Winter im kleinen Städtchen Crozet in Virginia. Doch im Postamt, wo Mary Minor Harristeen, genannt Harry, als Posthalterin und ihre ältere Freundin Miranda Hogendobber Dienst tun und sich außerdem Harrys Katzen Mrs.Murphy und Pewter sowie ihr Hund Tucker tummeln, herrscht wie immer Klatsch und Tratsch.

Kurz vor den Bürgermeisterwahlen hat Jim Sunburn, der dieses Amt seit Jahren zur vollen Zufriedenheit der Bürger inne hat, plötzlich Konkurrenz bekommen. Seine eigene Tochter Little Mim will gegen ihn kandidieren. Im Krankenhaus gibt es Streit und Neid. Der Verwalter Sam Mahanes ist nicht besonders gut zu sprechen auf den arroganten Dr. Bruce Buxton, den bekannten Kniespezialisten. Und der technische Leiter Hank Brevard nörgelt wie gewohnt an allem herum.

Doch daß Hank ermordet werden würde, damit hat überhaupt keiner gerechnet. Mit aufgeschlitzter Kehle wurde er im Heizungskeller des Krankenhauses aufgefunden. Die Polizei hat keine Spur. Man rätselt, ob er von irgendwelchen illegalen Geschäften gewusst haben könnte. Dabei kommen Drogenhandel oder illegaler Organhandel ins Gespräch, doch kommt man damit keinen Schritt weiter.

Auf dem Rückweg von einer Kirchenversammlung sucht Harry aus Neugier den Keller des Krankenhauses durch den Hintereingang auf. Durch die langen Gänge findet sie den Heizungskeller und will sich etwas näher umsehen, da bekommt sie einen Schlag auf den Kopf und wird bewusstlos. Doch auch dieses Ereignis bringt die Ermittlungen keinen Schritt voran.

Nach einer Jagdgesellschaft auf Harrys Farm kommt dann plötzlich telefonisch die nächste Hiobsbotschaft: Larry Johnson, der beliebte ältere praktische Arzt, wurde erschossen. Kurz vorher hatte er angekündigt, dass er etwas zu sagen hätte.

Mit dieser Inhaltsangabe, die die ersten 150 von knapp 300 Seiten zusammenfasst, hatte ich schon erhebliche Mühe, denn es passiert praktisch überhaupt nichts. Ein Mord geschieht. Doch der Leser erfährt nichts von den üblichen Ermittlungen. Keinerlei Zeugenvernehmungen, keine Verdächtigen. Nein, der Leser begleitet Harry und ihre Katzen vom Postamt auf Kirchenversammlungen oder Jagdgesellschaften und quält sich durch den üblichen Small-Talk.

Das Buch beginnt mit einer dreiseitigen Auflistung der "Personen der Handlung". Es wäre wohl etwas zynisch, wenn ich sie als die spannendsten Seiten des Buches bezeichnen würde. Mit ein bis zwei Sätzen zu jedem der Charaktere werden so die wichtigsten Personen dem Leser nahegebracht. Aufgrund der vielen vorkommenden Personen eine sehr sinnvolle Sache. Ich habe auch reichlich davon Gebrauch machen müssen, während des Lesens hier immer wieder nachzuschlagen.

"Viele Personen - wenig Handlung", eine Eigenschaft, die man hauptsächlich dem Telefonbuch zuschreibt. Trotz sehr viel direkter Rede ist das Buch alles andere als flüssig zu lesen, da man sich immer erst bewusst machen muß, welche Personen da überhaupt in die Unterhaltung verwickelt sind. Dies liegt hauptsächlich daran, dass die Darstellung der Personen nicht besonders detailliert erfolgt, so daß sie für den Leser einfach nicht greifbar sind. Dies mag vielleicht anders sein, wenn man die Serie im Gegensatz zu mir von Anfang an verfolgt hat, doch sollte man Serien so schreiben, dass auch für Seiteneinsteiger selbst das neunte Werk der Reihe in sich abgeschlossen ohne Schwierigkeiten lesbar bleibt. Dies ist Rita Mae Brown hier nicht gelungen. Aus den Einwohnern der Kleinstadt, die doch überwiegend recht sympathisch wirken, hätte sich mehr machen lassen.

Katzenkrmis haben schon eine gewisse Tradition, dennoch ist dies der erste, den ich jemals gelesen habe. Es ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenn man die in kursiver Schrift gedruckte Unterhaltung der Tiere zwischen der der Menschen liest, doch ist dies mit Sicherheit nicht der Grund, warum der Roman zu keiner Zeit begeistern kann. Mit ein paar eingestreuten Vermutungen lässt sich einfach keine Spannung aufbauen. In dieser Hinsicht lässt die Autorin jegliche Grundzutaten eines guten Kriminalromans vermissen. Aufgelockert wird das Lesen einzig durch ein paar nette Illustrationen, auf denen die Tiere in verschiedenen im Text vorkommenden Situationen zu sehen sind.

Natürlich ist es abzusehen, dass die Polizei alleine keine Chance hat, den Täter zu finden. Nur mit Hilfe der klugen Tigerkatze Mrs. Murphy und ihren Kameradinnen werden die Beamten durch ihre Besitzerin Harry auf die Lösung des Falles gestossen. Nur schade, dass die Menschen die Katzensprache noch nicht verstehen können, denn sonst hätte die langweilige Handlung eeheblich abgekürzt werden können.

Man mag zu Katzenkrimis stehen, wie man will. "Mord auf Rezept" ist ein Kriminalroman, in dem zu keinem Zeitpunkt Spannung aufkommt. Bei belanglosem Geplauder über fast 300 Seiten hinweg geraten sogar die Morde zur Nebensächlichkeit. Wer dennoch neugierig ist auf die Katzenkrimis von Rita Mae Brown, sollte vielleicht vorne einsteigen und somit vielleicht besser eingeführt werden.

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