Die Tote im Pfarrhaus

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • London: Hutchinson, 2013, Titel: 'No man's nightingale', Seiten: 280, Originalsprache
  • München: Blanvalet, 2018, Seiten: 352, Übersetzt: Karin Dufner

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Jörg Kijanski
British Old School

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2018

Kingsmarkham. Reverend Sarah Hussain, Tochter einer irischen Mutter und eines indischen Einwanderers, ist tot. Erwürgt im Wohnzimmer des Pfarrhauses von St. Peter's. Teils ausländischer Abstammung und alleinerziehende Mutter, nicht allen im Ort gefiel die Vorstellung von einem weiblichen Reverend. Ermordet wurde Hussain an einem Nachmittag, doch es gibt keine Zeugen.

Der betagte Gärtner Duncan Crisp, der zur Tatzeit auf dem Nachbargrundstück arbeitete, gibt an, niemand gesehen zu haben, der das Pfarrhaus betrat. Als der ermittelnde Detective Superintendent Mike Burden jedoch herausfindet, dass Crisp nicht ganz die Wahrheit sagte, ist der Fall für ihn geklärt.

Kurz zuvor noch bat Burden seinen Vorgänger und den inzwischen pensionierten Reginald Wexford um dessen Unterstützung. Wexford erfuhr von seiner Haushälterin Maxine Sams von dem Mord, da diese auch im Pfarrhaus arbeitete und die Leiche fand. Wexford ist von der Schuld des alten Crisp nicht überzeugt, wenngleich sich dieser immer wieder abfällig über Ausländer ausließ.

Zudem interessiert sich Wexford für Hussains Tochter Clarissa, die demnächst volljährig wird. Hussain war verheiratet, ihr Mann starb jedoch bei einem Autounfall lange bevor Clarissa geboren wurde. Von nachfolgenden Beziehungen der religiösen Frau ist nichts bekannt. Wer aber war Clarissas Vater und was ist davon zu halten, dass Clarissa und Robin, Wexfords Enkel, plötzlich ein Paar sind?

No Man's Nightingale erschien bereits 2013

Den Namen der Autorin wird jeder Krimifan kennen, vermutlich sogar den einen oder anderen Fall der beliebten Inspector-Wexford-Reihe gelesen haben. Vor allem dann, wenn man eine Vorliebe für englische Kriminalromane hat. Ruth Rendells hier beschriebener Roman erschien im Original bereits 2013, da war die Autorin, Jahrgang 1930, bereits über achtzig Jahre alt (sie verstarb 2015) und genau dies merkt man dem Buch an. Wäre es doch in den 1990er Jahren erschienen.

Die Handlung ist durchaus spannend, zumal zahlreiche Figuren ihre Auftritte und somit Gelegenheit haben, für Verwirrung zu sorgen. Nicht wenige der Personen darf man getrost als schrullig bezeichnen, so dass man ihr Verhalten als nervig, lustig oder - politisch vermutlich unkorrekt - als very british bezeichnen kann.

Die political correctness einschließlich Rassismus ist übrigens ein Lieblingsthema der Autorin in diesem Buch, auch hier kann man über die damit einhergehende Wirkung geteilter Meinung sein.

Neben einem ordentlichen Spannungsbogen gibt es zu Beginn eine recht umfangreiche Sidestory, die den eigentlichen Plot letztlich nur am Rande betrifft und somit gerne kürzer hätte ausfallen können. Denn hier hat die schon erwähnte Maxine ihre unsäglichen Auftritte, die mit nervtötenden Monologen über ihren tollen Sohn und dessen Familie einhergehen.

Da ergreifen selbst die Wexfords bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Flucht; eine Option, die der Leser zu Beginn des Romans nicht hat, denn wer weiß, was später noch wichtig werden könnte.

Wexford wirkt teils unglaubwürdig und altbacken

Die Handlung folgt den genretypischen Mechanismen und Stereotypen, doch vor allem der Schreibstil - selbst ungeachtet des Auftritts von Maxine und der damit einhergehenden Sidestory - hinterlässt teilweise einen faden Beigeschmack.

Wexford ist im Ruhestand, darf eigentlich niemanden mehr befragen und vor allem muss ihm niemand mehr antworten. Burden ist sein Nachfolger, hat dessen Büro, aber nicht dessen alten Holzschreibtisch übernommen. Ja, darf man alles erzählen, aber es hätte gleichwohl gereicht, solche und ähnliche Dinge nur einmal zu erwähnen.

Die Geschichte spielt 2012/2013 und Wexford wurde als Detective Chief Inspector erst kürzlich pensioniert. Man darf ihm also eigentlich unterstellen, dass er - selbst als Polizeibeamter im beschaulichen Kingsmarkham - auf der Höhe der Zeit war; zumindest was polizeiliche Ermittlungsarbeit betrifft.

Stattdessen wundert er sich, woher Burden plötzlich ein Bild einer bestimmten Person hat (aus dem Internet) und dass seine Frau Dora die Adresse einer gesuchten Person womöglich gefunden hat, nachdem sie deren Namen einfach gegoogelt hat. Hier offenbart sich, dass die Autorin mit der Computertechnik nicht vertraut war. Altersbedingt überhaupt kein Thema (im Gegenteil), aber es färbt deutlich negativ auf ihre Romanfigur ab, die so sehr unglaubwürdig erscheint.

Da hilft es auch nichts, dass Wexford noch gerne Briefe schreibt, statt einfach eine Mail zu schicken. Oder gilt dies noch als very british? Nein, eindeutig old school und wer dies mag, der kann hier in Nostalgie schwelgen.

Die Tote im Pfarrhaus

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