Mord am Polterabend

Erschienen: Januar 1975

Bibliographische Angaben

  • London: John Long, 1969, Titel: 'The Best Man To Die', Originalsprache
  • Frankfurt am Main; Berlin; Wien: Ullstein, 1975, Seiten: 127, Übersetzt: Renate Steinbach
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1987, Seiten: 201, Übersetzt: Ilse Bezzenberger
  • München: Goldmann, 1995, Seiten: 242, Übersetzt: Ilse Bezzenberger
  • München: Goldmann, 2000, Seiten: 252, Übersetzt: Ilse Bezzenberger
  • München: Goldmann, 2002, Seiten: 242

Couch-Wertung:

35°
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Peter Kümmel
Reichlich konstruiert

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jul 2003

Ich mag sie einfach, die Serienhelden. Ob es die Klassiker von Typ eines Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Maigret sind oder die moderneren Antihelden von der Art eines Wallander, Brunetti oder Montalbano. Mit Ruth Rendell bringt man automatisch die Figur des Inspector Wexford in Verbindung. Doch welcher Typ ist dieser britische Kriminalbeamte?

Alles, was ihm fehlt, wäre ein Rüssel, damit er vollends wie ein Elefant aussieht. Mit seinem mächtigen schweren Körper und seiner faltigen grauen Haut sowie seinen abstehenden dreieckigen Ohren kommt er dem Bild schon sehr nahe. Auch seine dickhäutige, aber dennoch gemütliche Art erinnert ein wenig an das Rüsseltier.

Detective Chief Inspector Reg Wexford fehlt jedoch das Charisma eines Inspector Lynley oder die menschlichen Schwächen eines Kommissar Wallander. So bleibt er ein wenig der steife unnahbare Brite, mit dem sich der Leser kaum identifizieren kann, obwohl dieser auch einiges über sein Privatleben erfährt.

Seine Frau und seine beiden Töchter spielen im Gegensatz zu einer Familie Brunetti eine sehr untergeordnete Rolle in den Romanen von Ruth Rendell.

Wexford ist bei seinen Kollegen sehr geschätzt, seine Untergebenen ihm gegenüber loyal. Seine Geistesblitze und logischen Schlußfolgerungen, auf die der Leser gar nicht kommen kann, sind es, die ihn eher zu einer Überfigur wie Poirot machen als zu einem Menschen, der einen glaubhaften Kriminalisten abgibt.

Es ist der Abend vor der Hochzeit von Jack Pertwee. Dieser feiert mit seinen Freunden in ihrer Stammkneipe seinen Junggesellenabschied. Dabei ist auch sein bester Freund, der auch sein Trauzeuge sein soll: der Lastwagenfahrer Charlie Hatton. Mit seiner arroganten und angeberischen Art ist dieser ansonsten nicht gerade beliebt und macht sich dadurch auch einige Feinde.

Ausgerechnet Inspector Wexford selber stolpert am nächsten morgen über dessen Leiche. Charlie Hatton liegt mit einem Stein erschlagen am Flußufer. Das viele Bargeld, mit dem er noch am Vorabend geprahlt hat, fehlt.

Seit einigen Wochen hatte Charlie verdächtig viel Geld. Mehr, als er durch seinen Beruf verdienen konnte. Seine Frau und seinen Freund Jack bedachte er mit großzügigen Geschenken und er selbst leistete sich eine sehr teure Zahnprothese. Woher kam dieser plötzliche Reichtum?

Wexfords Kollegen untersuchen derweil einen Unfall, bei dem ein Mann und seine Tochter im Wagen verbrannten. Seine Ehefrau erwacht nach sechs Wochen aus dem Koma.

Das Schema, nach dem dieser Roman aufgebaut ist, sieht ungefähr so aus: Es gibt einen Mordfall und es gibt einen Unfall. Beide Fälle haben absolut keine Verbindung. Allein durch eine zeitliche Übereinstimmung wird ein Zusammenhang konstruiert, für den es vorab keine logische Erklärung geben kann.

Dann wird sehr viel theoretisiert. Jeder Polizeibeamte gibt sein Statement ab: so könnte es sich abgespielt haben. Das beliebte Krimi-Stilmittel "Den Leser auf die falsche Fährte locken" wird dann auch noch angewandt, aber so recht überzeugend ist nichts davon.

Schließlich hat Inspektor Wexford den Geistesblitz und es ist alles klar.

"Raffiniert, literarisch anspruchsvoll und unheimlich spannend" steht als Aufmacher auf der Buch-Rückseite. "Raffiniert" kann vieles sein, das ist nicht zu entkräften. Die Auflösung kann man durchaus als raffiniert bezeichnen, nicht aber den Weg zur Lösung. "Literarisch anspuchsvoll" ist für mich etwas anderes, dieses Buch ist absolut anspruchslos. "Unheimlich spannend" ist ebenso maßlos übertrieben.

Von "gesellschaftskritsch" ist auch etwas zu lesen. Auf der einen Seite der reiche Zahnarzt mit luxuriös ausgesttatetem Haus, auf der anderen Seite die armen einfachen Arbeiter. Und wenn einer dieser Arbeiter dann plötzlich mehr Geld besitzt als er seinem Lohn nach eigentlich haben dürfte, dann wird er gleich von der Polizei eines Verbrechens verdächtigt. Als besonders "gesellschaftskritisch" kann ich diese Thesen nicht gerade bezeichnen.

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