Die Jungfrau im Eis

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 1986
  • London: Macmillan, 1982, Titel: 'The virgin in the ice', Seiten: 220, Originalsprache
  • München: Heyne, 1986, Seiten: 251, Übersetzt: Dirk van Gunsteren
Die Jungfrau im Eis
Die Jungfrau im Eis
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Wolfgang Weninger
75°

Krimi-Couch Rezension vonMai 2003

Von einer Seite zur nächsten Haken schlagend

Bürgerkrieg herrscht anno domini 1139 in England und plündernde Soldaten ziehen durch das Land, das rund um die verarmte Stadt Worcester liegt. Die Bevölkerung flüchtet in den Norden und sucht in Klöstern, Burgen und Abteien Zuflucht vor den Wirren. Auch in der Abtei von Shrewbury, wo Bruder Cadfael, der medizinkundige und kriminalistisch veranlagte Benediktinermönch lebt, ist jeder Platz im Hospiz belegt und täglich versuchen Menschen vor der grimmigen Kälte des nahenden Winters hierher zu gelangen.

Bei einer Versammlung der Mönche im Kapitelsaal des Klosters St. Peter und St. Paul in Shrewsbury berichtet Bruder Herward, der Unterprior des Benediktinerklosters von Worcester über das Verschwinden zweier jugendlicher Adeliger, die dem Kloster zur Obsorge übergeben wurden. Ermina Hugonin, fast achtzehn Jahre alt und ihr dreizehnjähriger Bruder Yves Hugonin mussten nach erbitterten Kämpfen ihr Heil in der Flucht suchen. Nur eine umfassende Suche, gemeinsam mit dem Sheriff von Shrewsbury, kann für die jungen Menschen eventuell Hilfe bedeuten und natürlich beteiligt sich auch unser tapferer Bruder Cadfael, der allerdings seine eigenen Wege geht und dabei in einem zugefrorenen Bach, die Leiche eines Mädchens eines jungen Mädchens findet. Ist es Ermina Hugonin? Oder handelt es sich bei der zweifelsohne ermordeten jungen Frau um Nonne Schwester Hilaria, die es als ihre Pflicht ansah, die ihr zur Obhut übergebene Ermina zu begleiten?

Ellis Peters hat in ihrem 1982 erschienenen Roman "Die Jungfrau im Eis" ein weiteres Mal den kultigen Benediktinermönch Bruder Cadfael auf die Reise geschickt und spielt mit gewohntem Geschick auf ihrer Klaviatur voller Irrnisse und Wirrnisse, die den Leser von einer Seite zur nächsten Haken schlagend mit ihrem geschichtlichen Flair faszinieren.

Auch in diesem Buch sind die Personen liebevoll bis ins kleinste Detail beschrieben und der Leser erringt eine genaue Vorstellung davon, wie hart und gefährlich die Zeiten auf den Straßen und in den Wäldern vor fast neunhundert Jahren waren. Dabei baut die Autorin geschickt ihre Spannung auf und versteht es bis zum Schluss, immer noch eine Überraschung aus dem Ärmel zu ziehen. Die Charaktere verfügen über so viel Eigenleben, dass jede für sich schon Mittelpunkt eines Romans sein könnte, aber Bruder Cadfael in seiner raffiniert detektivischen Art ist natürlich das Um und Auf dieser Geschichte.

Dabei liefert Ellis Peters, zusätzlich zur leicht antiquierten und deshalb bestens passenden Sprache, auch noch genügend Actionsequenzen, die einem Ritterfilm von Steven Spielberg zur Ehre gereicht hätten. Bruder Cadfael darf also nicht nur Hirn, sondern auch Mut und Kraft beweisen, bis ihm die überraschende Lösung nach 252 Seiten gelingt. Kein Wunder also, dass sich das britische Fernsehen den Erfolgsstories um Bruder Cadfael angenommen hat und ein Teil der knapp 20 Romane auch verfilmt wurde. Leider sind diese noch nicht bis zu uns gelangt, denn wenn die Filme so gut gelungen sind, wie die Romane, wären sie ein echter Leckerbissen für Fans von Krimi- und Historienfilmen.

Auch zu dieser Episode aus dem klösterlichen Leben im Mittelalter fällt die Leseempfehlung eindeutig aus.

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