Die roten Stiefeletten

Erschienen: Januar 1991

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin’s Press, 1981, Titel: 'Resurrection Row', Originalsprache
  • München: Heyne, 1991, Titel: 'Der letzte Akt', Seiten: 281, Übersetzt: Herbert Präbst
  • Augsburg: Weltbild, 2005, Seiten: 254
  • München: Pavillon, 2006, Seiten: 281
  • München: Heyne, 1994, Seiten: 281

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Jörg Kijanski
Weit und breit Verwirrung

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2003

Sir Desmond versucht, für sich und seine Frau nach einem Theaterbesuch eine Droschke anzuhalten, doch der Kutscher fällt ihnen vom Kutschbock direkt vor die Füße. Der hinzueilende Inspektor Pitt erkennt sofort, dass mit dem Toten etwas nicht stimmt. Es erscheint fast so, dass dieser schon seit längerem verstorben ist und auch bereits beerdigt wurde. Eine Vermutung die sich zwei Tage später bestätigt, offenbar handelt es sich bei der Leiche um die des Augustus Fitzroy-Hammond, dessen Grab offen vorgefunden wurde und dessen Identität von seiner Witwe Alicia bestätigt wird. Die Leiche wird erneut beerdigt und am darauf folgenden Sonntag gehen Alicia, deren Schwiegermutter und Verity, Augustus Tochter aus erster Ehe, wie gewöhnlich zum Gottesdienst. In ihrer Familienbank sitzt bereits ein unbekannter Mann und als Alicia ihn leicht anstößt, um ihn zum Fortgehen zu bewegen, kippt dieser tot zur Seite um. Es handelt sich erneut um Augustus.

Vieles deutet darauf hin, dass die Leiche erneut ausgegraben wurde, um die Aufmerksamkeit der Polizei zu erregen. Wurde Augustus etwa ermordet und wenn ja, von wem? Ein Motiv hätte am ehesten seine Frau Alicia, da diese einen heimlichen Liebhaber hat: Dominic Corde, der mit der inzwischen verstorbenen Sarah, der Schwester von Inspektor Pitts Frau, verheiratet war. Doch Augustus Arzt Dr. McDuff beharrt darauf, dass dieser an Herzversagen starb. Eine anschließende Obduktion gibt ihm Recht.

Mitten in Pitts Überlegungen platzen neue Ereignisse: Ein weiteres Grab wird offen vorgefunden und in dem Grab von Augustus finden die Friedhofswärter eine Leiche. Wenn aber die Leiche in der Kirche die von Augustus ist wie seine Angehörigen bestätigen, wer war dann der Tote auf dem Kutschbock, der jetzt in Augustus Sarg liegt? Und was hat es mit dem zweiten offenen Grab auf sich?

Anne Perry schafft es in diesem Roman vortrefflich, ihren Protagonisten Pitt sowie ihre Leser ordentlich in Verwirrung zu stürzen, welche mit jedem offenen Grab und jeder weiteren schon einmal beerdigten Leiche zunimmt. Während der Leser sich noch bemüht, die einzelnen Leichen den Gräbern zuzuordnen, versucht Pitt den Geschehnissen auf die Spur zu kommen, indem er die Nachbarn von Augustus mehreren Befragungen unterzieht. Aber warum dies alles, wenn doch Augustus gar nicht ermordet wurde? Ermittelt Pitt wirklich nur wegen Leichenschändung?

Keine Angst, es wird (wurde) tatsächlich jemand ermordet, allerdings zu einem Zeitpunkt des Romans, wo man diesbezüglich schon fast jede Hoffnung aufgegeben hat. Als es dann endlich soweit ist, glaubt man, dass der nicht unerhebliche Anteil an Seiten, die man bis dahin gelesen hat, vergebene Liebesmühe waren, da sie mit der neuen Entwicklung scheinbar nichts zu tun haben. Die Auflösung des Falles passt zur gesamten Story, in der Pitt nur selten den Durchblick hat und so verdankt er den entscheidenden Hinweis nicht etwa seinem eigenen Spürsinn oder gar seinen Ermittlungen, sondern den Gedankengängen seiner Frau Charlotte.

Neben den sehr blass wirkenden Figuren (einschließlich Pitt) merkt man nur sehr beiläufig, dass der Roman in London und dort zum Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts spielt. Hier wünscht man sich wesentlich mehr Atmosphäre, welche den Leser mitnimmt auf eine Zeitreise in das damalige London. Dies gelingt Anne Perry nur an jenen Stellen vortrefflich, in denen es um die Zustände in den Elendsvierteln geht, wenngleich dies bezeichnenderweise für die Lösung des Falles weitestgehend irrelevant ist.

Wer bei der Suche nach dem Täter gerne auf undurchsichtige Storys mit möglichst vielen in Frage kommenden Tätern setzt (wie z. B. bei den Altmeistern Sir Arthur Conan Doyle oder Agatha Christie) kann sich den Roman durchaus vornehmen. Für alle übrigen Leser bleibt der Plot so undurchsichtig wie die Übersetzung des Originaltitels "Resurrection Row" (frei übersetzt: "Straße der (Wieder-)Auferstehung") in "Die roten Stiefeletten". Was es mit den Stiefeletten auf sich hat? Keine Ahnung...

Die roten Stiefeletten

Die roten Stiefeletten

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