Alte Wunden

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • London: John Murray Publishers Ltd, 2003, Titel: 'Back Story', Seiten: 304, Originalsprache
  • Bielefeld: Pendragon, 2010, Seiten: 221, Übersetzt: Emanuel Bergman

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Stefan Heidsiek
Die künstlerische Eleganz der Routine

Buch-Rezension von Stefan Heidsiek Aug 2010

Nahezu unbemerkt vom Großteil der Filialen vieler Buchhandelsketten hat der Pendragon Verlag im Mai diesen Jahres seinen fünften Robert B. Parker Alte Wunden aufgelegt. Grund genug, um ihm hier die gebührende Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, zumal der im Original 2003 erschienene Roman um Privatdetektiv Spenser vielleicht zu den Besten aus der späteren Phase des Autors gehört. Natürlich ist er auch diesmal kein Jota vom altbewährten Schema F abgewichen, was jedoch die Freunde des vornamenlosen und in die Jahre gekommenen Ermittlers sicherlich zu schätzen wissen dürften. Bei Robert B. Parker weiß man was, und vor allem, wer einen erwartet, denn seit Beginn der Serie im Jahre 1973 hat sich an der Besetzungsliste wenig bis gar nichts getan. Umso erstaunlicher, dass es dem amerikanischen Schriftsteller gelingt seinen Figuren, diesen lieb gewonnenen Bekannten, stets neue Facetten abzuringen.

Die Titelwahl des Pendragon Verlags kann hier nur begrüßt werden, denn "alte Wunden" sind es in der Tat, die Spenser in seinem diesmaligen Fall aufreißen muss, um der Wahrheit auf die Schliche zu kommen. Beauftragt von seinem ehemaligen Schützling Paul Giacomin soll er für dessen Freundin Daryl Gordon herausfinden, wer für den Mord an ihrer Mutter während eines Banküberfalls im Jahre 1974 verantwortlich gewesen ist. Durchgeführt wurde die damalige Aktion von einer revolutionären Studentengruppe namens "Dread-Scott-Brigade", über die, das findet Spenser bei seinen Nachforschungen im Polizeirevier seines Freunds Martin Quirk raus, nicht allzu viel aktenkundig ist. Und auch dem FBI scheint Mitte der 70er Jahre viel daran gelegen zu haben den Fall möglichst schnell unter den Teppich zu kehren.

Spenser lässt nicht locker und tritt mit Freund Hawk die Reise nach San Diego an, um von Daryl Gordons Vater Näheres in Erfahrung zu bringen. Währenddessen wird die Liste seiner Verfolger länger und länger. Und ein Killer namens Harvey wartet nur auf den geeigneten Zeitpunkt um die alten Wunden durch neue, und ebenfalls tödliche, zu ersetzen …

"Wenn etwas nicht kaputt ist, repariere es nicht." Getreu diesem Motto schreibt Robert B. Parker seit 1973 seine Romane mit dem Serienhelden Spenser, der es, verkörpert von Robert Urich, Mitte der 80er sogar für einige Jahre ins Fernsehen geschafft hat. Der ehemalige Cop, dem seine Launen und der Egoismus die Karriere kosteten, ist auch im Jahre 2003 immer noch derselbe Spenser wie früher. Und das soll auch so sein, ist es doch gerade diese Zeitlosigkeit welche von Parkers Publikum geschätzt wird. Veränderungen sind unerwünscht, neues Blut in Form neuer Hauptcharaktere braucht es nicht. Stattdessen findet Parker immer wieder Mittel und Wege dem altbewährten Figurenstamm um Spenser neue, wenn auch kleine, Facetten abzuringen. Diese Variation auf kleinstem Raum scheint zu funktionieren, birgt jedoch auch stets die Gefahr in sich, ausrechenbar zu werden.

Parkers Werke sind somit, auch wegen ihrer Länge (meist sind es nicht wenig mehr als 200 Seiten), prädestiniert für die Lektüre zwischendurch, da Handlung wie Personenbesetzung auf einen Blick zu überschauen sind. Das letztere dabei aus dem Lehrbuch des "Hardboiled-Noir"-Werks zu stammen scheinen und jegliches Klischee seit den Zeiten Marlowes und Spades mitnehmen, wird zwar in jeder Zeile deutlich, macht aber nun auch die Faszination der "Spenser"-Reihe aus. Man weiß, was einen hier erwartet. Ein rauer, trinkfester Privatdetektiv, an dem die Jahrzehnte augenscheinlich fast spurlos vorbeigegangen sind und der einen einmal angenommenen Fall bis zum bitteren Ende verfolgt. In Alte Wunden wird er für seine Arbeit lediglich mit sechs Donuts entlohnt, was ihn jedoch nicht davon abhält die größten Risiken einzugehen (selbst dann noch, als ihn seine Klientin längst aufgefordert hat, den Fall ruhen zu lassen). Und wenn es hart auf hart kommt, gibt es ja immer noch seinen schweigsamen Freund Hawk. Seit Beginn der Reihe ist er düsterer Schatten und Rückendeckung zugleich, wenn es darum geht, im Kugelhagel die bösen Buben ins Nirvana zu befördern. Seine stoische Ruhe und Gelassenheit bildet einen scharfen Kontrast zum extrovertierten Plappermaul Spenser, dem die Frauen auch im höheren Alter immer noch zu Füßen liegen. Das dessen Herz seit Jahren nur für die Lebensgefährtin Susan Silverman schlägt, ist schon fast der einzige abweichende Punkt zu Parkers geistigen "private-eye"-Vorbildern aus den 30er Jahren.

Was den Stil angeht: Parker hat die ökonomische Schreibweise perfektioniert. Jeder Satz ist genau einstudiert, sitzt wie ein guter Schuh, treibt die Handlung voran. Hier gibt es keine Nebenschauplätze, keine störenden Innenansichten, keine Ausschweifungen über zwischenmenschliche und soziale Probleme. Das tiefere Grundgerüst des Ganzen ergibt sich aus den Handlungen und Dialogen der Figuren. Und da haben es besonders letztere in sich: Mit trockenem, lakonischem Charme spielen sich Spenser und Hawk die rhetorischen Bälle zu, dass es eine wahre Freude ist. Selbstironie, schwarzer Humor, nicklige Wortgefechte. Parker setzt immer wieder köstliche Glanzmomente, um kurze Zeit später mit drastischen Szenen oder einem dramatischen Shootout das Gaspedal wieder voll durchzutreten (in diesem Fall weiß da besonders Spensers Konfrontation mit drei Hitmen in einem verlassenen Stadion zu überzeugen). Dank jahrzehntelanger Routine gelingt dies mit einer unspektakulären Eleganz, welche zwar altmodisch ist, aber eben auch das altbewährte kraftvoll und immer noch spannend in das Heute zu retten vermag.

Insgesamt bleibt Robert B. Parker sich mit Alte Wunden treu. Innerhalb der für ihn eng gestreckten Grenzen des Genres gelingt ihm auch hier wieder eine herrlich unaufgeregte und doch stets fesselnde Spenser-Episode, welche auf den größeren Kanon der Reihe zwar keine nachhaltigen Auswirkungen haben wird, aber einen weiteren Mosaikstein dem beeindruckenden Werk Parkers hinzufügt. Dieser ist am 18.1.2010 mit 77 Jahren von uns gegangen. Seine Bücher bleiben wie er, auch dank dem Engagement des Pendragon Verlags, unvergessen.

Alte Wunden

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Letzte Kommentare:
26.11.2016 13:17:39
vifu

Eigentlich kann ich die beiden Kritiken der Herren Heidsick und Alexander unbesehen nur unterstützen! Bekräftigen möchte ich aber noch, daß ich diese süffizant selbstironischen"Macho"-Romane sehr genieße. Es ist schon erstaunlich, wie schön diese im Smartphone-Zeitalter doch noch funktionieren. Jedesmal freue ich mich darüber, daß Parker es fertig brachte einen dichten Plot auf so wenig Seiten unterzubringen. Das machen die kurzen knackigen Dialoge oder Ortswechsel!
Einfach ein Sahneschnittchen ;-) Sehr amüsiert hat mich diesmal auch das Treffen von Spenser/Hawk auf Stone!
Bitte Pendragon, alle übersetzen bzw.neu auflegen. 95° sind verdient!

02.09.2010 15:33:38
Alexander

Ich habe das Buch vor ca. 5 Jahren schon auf englisch gelesen und ich kann mich der Meinung des Krimicouchmenschen nur anschließen. Auch ich finde, dass das Buch ein Highlight des Spätwerkes von R.B.P. ist und es hochwohllobenswert ist, dass es sieben Jahre nach seinem Erscheinen endlich auch auf dem deutschsprachigen Buchmarkt zu haben ist. Umso bedauerlicher ist es, dass es die großen Buchhandelsketten nicht im Angebot haben. Meine Bewertung für das Buch sind 80 Grad. (Zum Inhalt möchte ich mich nicht äußern. Das hat Hr. Heidsiek schon gut und ausreichend getan.) Zum Schluß möchte ich nur noch meiner Hoffnung Ausdruck geben, dass vielleicht jetzt auch all die anderen späteren Spensersachen, die Jesse Stoneromane und die Stand- Alones ins Deutsche übersetzt werden. Zeit wird es ja.