Die blonde Witwe

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • New York: Putnam`s, 2002, Titel: 'Widow`s walk', Seiten: 223, Originalsprache
  • Bielefeld: Pendragon, 2006, Seiten: 223, Übersetzt: Emanuel Bergmann & Tanja Mushenko

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Bernd Neumann
Liest du einen, kennst du sie alle

Buch-Rezension von Bernd Neumann Sep 2006

Robert B. Parker (geboren 1932) ist in US-Amerika eine lebende Ikone unter den "Hardoilern". Seine literarischen Vorbilder sind Dashiell Hammett, Ross Macdonald und besonders Raymond Chandler. Deren Privatdetektive (Sam Spade, Lew Archer und besonders Philip Marlowe) hatten ihn so stark in den Bann gezogen, dass er nach erfolgreichem Literaturstudium 1971 an der Bostoner Universität eine Dissertation über die "Schwarze Serie" ebendieser Richtung innerhalb der amerikanischen Kriminalliteratur schrieb.

Der USA-Durchbruch gelang Parker jedoch, als er ab 1973 begann, eigene Kriminalromane in der literarischen Tradition seiner oben genannten Vorbilder zu veröffentlichen. Mit seiner Seriendetektivfigur namens Spenser (mit "s" - nie werden wir wohl seinen Vornamen erfahren!) hat Parker einen Privatdetektiv geschaffen, mit dem er sich wohl für immer in den amerikanischen Krimilexika verewigt haben dürfte.

Dieser Spenser ist wie gesagt keine detektivistische Eintagsfliege, sondern seit seinem Debüt die tragende Hauptfigur in mehr als dreißig Krimis von Robert B. Parker.
Aber nicht nur das: dessen Kriminalromane waren Mitte der 80er Jahre in den USA Grundlage einer sehr erfolgreichen Fernsehserie ("Spenser - For Hire"). Eines der Frühwerke ("Auf eigene Rechnung") wurde übrigens 1976 mit dem renommierten "Edgar Allen Poe Award" ausgezeichnet.

In den USA mittlerweile zum Kultautor avanciert, ist Robert B. Parker innerhalb der deutschen Krimilandschaft (trotz vergangener Bemühungen von Ullstein, Goldmann & Rowohlt) in der Anonymität versunken. Aber: Pendragon in Bielefeld traut sich wieder!

Was ist das (amerikanische) Erfolgsgeheimnis dieses USA-Selbstläufers?

Parkers Kriminalromane wirken wie das Script für eine TV-Krimiserie: Sie sind mit ihren ca. 200 Seiten recht schmal bemessen und somit handlungs- und personenübersichtlich und - was das Auffälligste ist - sie haben sehr kurze Kapitellängen, die den Filmschnitt förmlich suggerieren. In "Die blonde Witwe" sind die 223 Seiten auf sage und schreibe 61 Kapitel gesplittet! Dominierend dabei sind die knappen und mehrfach hin und her wechselnden Dialoge, die von einem witzigen Sprachstil geprägt sind. Da wird Lesen zur relaxten Freizeit und Spenser zum Sympathieträger!

Spensers berufliche Entwicklung hat gewisse Ähnlichkeiten mit der von Tony Romano in den Krimis von Juan Madrid, aber Spenser schlägt eine wesentlich feinere Klinge. Als ehemaliger Schwergewichtsboxer ist er körperlich immer noch in Top-Form. Nach einer verpatzten Polizeikarriere verdient er sich seine Muffins schon jahrelang und mit Erfolg als Privatdetektiv in der kriminellen Bostoner Upperclass. Okay, Spenser raucht und ist trinkfest, aber er kann als Mann auch still, geduldig und einfühlsam zuhören, kann gut kochen und interessiert sich zudem für schöngeistige Literatur.

Das entschuldigt Vieles, bringt in Frauenkreisen massenhaft Punkte! Er ist zwar nicht mehr der Allerjüngste, sieht aber verdammt gut aus und hat ein Charisma, das bei den seine Dienstwege kreuzenden Frauen sexuelle Tagträume aufkeimen lässt. Da lupfen die verzauberten Rechtsanwältinnen die Miniröcke schon mal lockend auf altes Twiggy-Format...

Treue Seele und Frauentyp

Spenser hat es wirklich drauf: sein variables Lächeln und sein Blick wurden schließlich spiegeltrainiert, das heißt, zur jeweiligen Situation passend und damit (meistens) sehr erfolgreich einsetzbar eingeübt.

Aber Spenser ist eine treue Seele: seit mehr als zwanzig Jahren ist Susan Silvermann seine Lebenspartnerin. Susan hat einen Doktor in Psychologie - mit Harvard-Abschluss natürlich!
Sie sind zwar kinderlos, betütern aber liebevoll ihre Pearl, eine in die Jahre gekommene Familienhündin, fast blind, fast taub und arthritisgeschwächt.

Als Privatdetektiv und Ex-Boxer kann Spenser schon ein ruppiges Raubein sein, aber fürs wirklich Grobe hat er seinen treuen (vorbestraften), dunkelhäutigen Freund Hawk, eine unerschrockene, draufhauende Kampfmaschine, sein zuverlässiger Bodyguard für alle Fälle. Hawk, der große Schweiger, ausgestattet mit blitzartigen Reflexen und einer stoischen Ruhe.

Das Ganze formiert sich zu einem äußerst sympathischen kriminalistischen Quartett, welches das Lesen zum entspannten Vergnügen werden lässt!

Spenser: Je mehr er sucht, desto weniger findet er

 

 "Ich denke, sie war's", sagte mir Rita Fiore.

 

Neugierig geworden?

Wohl kaum, denn der Einstieg ist ebenso unspektakulär wie der Titel des vorliegenden Krimis von Robert B. Parker: "Die blonde Witwe" - Ein Auftrag für Spenser.
Das erinnert sehr an Buchtitel von Agatha Christie oder Edgar Wallace - also ein "Whodunnit" alten Stils, kuschelig eingebettet zwischen Bridge-Partien und Fünf-Uhr-Tees?

Weit gefehlt, denn hier ist nichts angestaubt, quirlt die Handlung munter durch die Bostoner Abgründe von Grundstücksspekulation und Bankenmanipulationen, kontrollierend flankiert von Immobilienhaien in ganz großem Stil. Da rollen Köpfe!

Nathan Smith, Direktor einer traditionsreichen Familienbank, wird in seinem eigenen Schlafzimmer erschossen aufgefunden. Dringend tatverdächtig ist seine hübsche, pissblonde und ebenso blöd-naive Frau Mary, die altersmäßig auch seine Tochter sein könnte. Die Tatwaffe ist unauffindbar, dafür stellt sich jedoch bald heraus, dass der gute alte Nathan eine Lebensversicherung über zehn Millionen Dollar abgeschlossen hat, natürlich zugunsten seines blonden Engels. Mary Smith bestreitet den Mord. Die plötzliche und unverhoffte Witwe scheint vom gewaltsamen Tode ihres Gatten jedoch nicht sonderlich betroffen zu sein, was sie nur noch mehr verdächtig erscheinen lässt. Also wieder mal ein Auftrag für Spenser.

Spenser, immer einen Tick zu spät

Je mehr dieser im Filz der Mächtigen und Reichen rumstochert, umso verwirrender wird der Fall für ihn. Zu viele Querverbindungen, ein einziges Knäuel ohne Anfang und Ende. In diesem Kuddelmuddel artet die Befragung potentieller Tatverdächtiger und eventueller aussagewilliger Zeugen in echte Arbeit aus. Es geht immerhin um schlappe einhundert Millionen Dollar!

Und diese Zeugen werden nach den Gesprächen mit Spenser zu allem Unglück auch noch systematisch und in kürzester Zeit mundtot gemacht!
Als sich dann zunehmend die Leichen häufen, er sich selbst beschattet und körperlich bedroht fühlt, muss Spenser seine Ermittlungsaktivitäten mit der ihm angeborenen Bauernschläue und Hartnäckigkeit intensivieren. In der College-Vergangenheit vom Blondchen Mary Smith stößt er dann endlich auf eine heiße Spur, die er schleunigst verfolgt, um weitere Kollateralschäden zu verhindern.

Es gelingt ihm letztendlich - wie bei einem Serienhelden wohl auch kaum anders zu erwarten - in einem furiosen unerschrockenen Finale bei Strafe seines eigenen Untergangs den Fall erfolgreich und auf seine Art zu lösen.

Als Krimileser stippt man ziemlich lange erfolglos im trüben Wasser der Großen Fische, was ja nicht unbedingt verkehrt sein muss. Aber dann wird man mit einem turbulenten Abschluss belohnt!

"Die blonde Witwe" ist ein kurzweiliger Krimi mit häufigen und extrem knappen, knackigen Dialogen, die den Reiz dieses Buches ausmachen.

Ein Krimi zum entspannenden Zwischendurch 

Es ist ein Krimi zum entspannenden Zwischendurch, ohne großen geistigen oder nachdenklich stimmenden sozial kritischen Anspruch.
Wir sind mitten in der unbekannten, faszinierend-abstoßenden Welt der Schönen und Reichen, wo die Gier nach Macht und Geld unweigerlich mit dem Gesetz kollidiert.

Natürlich schielt Robert B. Parker mit seinen Spenser-Krimis zum schnell verdienten Dollar: Auch "Die blonde Witwe" könnte als Textgrundlage einer Kurzkrimi-TV-Serie durchgehen, mit seinen immer identischen Hauptakteuren und (vermutlich) vergleichbarem, sich wiederholendem Sujet:

Also: Hast du einen Spenser gelesen, kennst du sie alle.

Die blonde Witwe

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Letzte Kommentare:
16.04.2010 21:58:32
yoorde

Ich mag Robert B.Parker.
Ich mag diesen Schreibstil, viel Dialog und wenig Beschreibung, die schnellen Szenen und die P.I. Geschichte im Allgemeinen.
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ist witzig und schnell. Warum gibt es nicht mehr solche Krimis oder Thriller. Und das er nur 223 Seiten lang ist stört auch nicht. Ganz im Gegenteil, genau richtig und ein gutes Beispiel das man wie gewisse Damen und Herren der Krimiszene es ja machen keine 800 Seiten braucht um einen banalen Mord zu beschreiben.
Die Story um die "blonde Witwe" ist recht vertrakt, fängt langsam an und wir immer schneller. Bald gibt es reichlich Tote und Spenser wie auch der Leser fragt sich wie sich der ganze Fall auflöst. Die Lösung naja nicht so spektakulär aber er passt zum Buch.
Klasse.
Ein Problem habe ich mit den Spenser Romanen. Mir gefällt die Figur in der Serie besser als in den Büchern. Und unser Freund Hawk kommt auch besser rüber.
Es ist, finde ich selten, das TV Figuren die nach einer Romanfigur gemacht wurden besser sind als ihre literarischen Vorlagen.

Gute 85 Point für den Roman.

08.01.2009 23:58:25
anna-maria berger

sicher ist die blonde witwe nicht das stärkste buch von r.b.p.das ist "schutzlos" sicher besser; aber: noch immer verziere ich mit lippenstift manch besonders knackigen oder intelligenten kommentar am seitenrand und schmunzle in mich hinein. r.b.p. ist noch immer ungewöhnlich bereichernd, weil er eine fast wohltuende und punktuelle brutalität walten lässt, wenn einem vor wut das blut kocht. er ist gerecht - das ist es, was uns fehlt - und seine liebevolle art, das leben zu akzeptieren, macht ihm so schnell niemand nach. auf jeden fall nicht diese neuen brutalos. ich liebe ihn und werde ihn immer lieben. schließlich habe für das buch, das ich geschrieben hab, einen satz von ihm geborgt; nämlich: "man kann auch in der hölle tee kochen"...wer ihn hier arrogant verreißt, dem fehlts an seele. sorry.lola

12.07.2008 17:25:09
hawkeye

Nach wie vor ist Robert B. Parker der Großmeister seines Fachs, aber inzwischen ist er ein bischen in die Jahre gekommen und von Autoren wie Lee Child oder George Pelecanos links überholt worden. Auch dieser Spenser macht natürlich wieder Spaß - aber es ist wohl mehr die Wiedersehensfreude.
Wer wirklich gute Thriller dieser Art lesen will, muß wohl oder übel antiquarisch zuschlagen und die teilweise miserablen Übersetzungen erdulden.

22.10.2007 17:57:09
Alexander

Ich kann mich der Meinung von Herrn Wamers nur anschließen. Es ist hoch- wohllobenswert, dass es mal wieder nach einer Millionen Jahren einen neuen Spenser auf dem deutschen Buchmarkt gibt. Auch das "Die blonde Witwe" nicht das stärkste Buch von Robert B. Parker ist und dass auch die Geschichte recht gut ist und mal Grundstücksspekulation und Bankenmanipulation thematisiert und nicht immer das übliche Unterwelt- milieu, welches man erstaunlich oft in Robert B. Parkers Büchern findet.
Doch eines kann ich nicht verstehen. Warum werden in Deutschland nichtmal die serienungebundenen Titel von Robert B. Parker veröffentlicht oder die Jesse Stone-Reihe weitergeführt?

19.11.2006 10:45:38
Rolf Wamers

Schön, dass es nach Jahren der Abstinenz für die deutschen Leser wieder einen neuen Spenser gibt. Schade, dass es ein so schwaches Buch ist. Aber nach 30 Fällen ist wohl einfach die Luft raus, Robert B. Parker geht auf die 70 zu, und vielleicht muss er ja mit der Schreiberei seine Rente ein bisschen aufbessern. Und sooo schlecht ist die Geschichte auch nicht.

11.10.2006 13:39:20
kue

Der obigen Rezension von Bernd Neumann ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Es ist ein sehr dialoglastiger und im Nachhinein ziemlich belangloser Krimi. Dabei ist der Fall an sich eigentlich gar nicht mal so durchschnittlich, wie die Geschichte erzählt wird. Parker nimmt große Anleihen bei seinen Vorbildern Chandler, Hammett und MacDonald, aber irgendwie passt seine Figur Spenser nicht in die Gegenwart. Es ist als hätten Sam Spade und Co. eine kleine Zeitreise gemacht, irgendwie nichts wirklich neues. Und so werde ich mich dem Fazit anschließen: Kennste einen, kennste alle.