Totenmontag

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • München: Blessing, 2004, Seiten: 383, Übersetzt: Klaus Berr
  • Augsburg: Weltbild, 2005, Seiten: 6, Übersetzt: Hansi Jochmann, Bemerkung: gekürzt
  • München: Blanvalet, 2006, Seiten: 383

Couch-Wertung:

70°
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Sabine Reiß
Überraschungen werden keine geboten

Buch-Rezension von Sabine Reiß Okt 2004

Kathy Reichs hat ja mittlerweile schon einen ähnlichen Kultstatus erlangt wie ihre Schriftstellerkollegin Patricia Cornwell, die allerdings mit ihren letzten Büchern das Publikum nicht mehr so sehr begeistern konnte. Was man bei Cornwell nun bemängelt hat, dass sie vom ursprünglichen Konzept der Story zu weit abgewichen ist - der Leser möchte gefälligst keine großen Veränderungen in der Rahmenhandlung, und wenn dann nur in kleinen Dosen - das kann man Reichs absolut nicht vorwerfen, im Gegenteil. Recht stetig folgt die Autorin ihrem einmal festgelegten Schema:

Ihre Protagonistin Tempe Brennan ist forensische Anthropologin und hat einen Teilzeitjob am gerichtsmedizinischen Institut von Montreal. Die trockene Alkoholikerin ist geschieden, hat eine Tochter und eine Katze und pendelt zwischen North Carolina und Kanada. Inzwischen ist sie "halb" mit Detective Andrew Ryan liiert. Nachdem Tempe zu einem Fundort von Knochen gerufen wird, interessiert sie sich mehr für das Schicksal der Toten. Im vorliegenden Fall muss sie die Polizisten sogar davon überzeugen, dass hier weitere Ermittlungen vonnöten sind. Sie mischt bei den Ermittlungen mit, hier ermittelt sie mal wieder auf eigene Faust, und nachdem eine ihr nahestehende Person irgendwie in Gefahr gerät (Schwester, Freundinnen etc.), die natürlich in Zusammenhang mit den aufzuklärenden Morden steht, begibt auch sie sich in Lebensgefahr. Nach der Rettung ist der Fall geklärt - wunderbar. Letzteres ist natürlich für eine Serienheldin geradezu essentiell, da ansonsten die Serie ein recht abruptes Ende finden würde.

Die Darstellung mancher Charaktere, z.B. Tempe und Ryan, ist gelungen, aber andere bleiben blass und gewinnen keine Kontur. Da erscheint es auch nicht verwunderlich, dass die Nebendarsteller bis auf ein, zwei Angestellte im Institut und die Polizisten, mit denen sie immer zusammenarbeitet, in anderen Büchern gar nicht mehr vorkommen. So tauchen die Schwester oder irgendwelche besten Freundinnen unvermittelt auf und nachdem sie ihren Dienst als potentielles Opfer abgeleistet haben, verschwinden sie wieder in der Versenkung.

Kathy Reichs erzählt routiniert. Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und enden oft mit einem kleinen Cliffhanger, so dass man quasi gezwungen ist weiterzulesen. Die Arbeit einer forensischen Anthropologin wird sehr detailliert beschrieben und man erfährt einige interessante Details. In "Totenmontag" geht es speziell um die Bestimmung des Alters von Knochen mittels der Radiokarbonanalyse (C-14) bzw. der Messung des Strontiumgehalts. Hier merkt man, über welche Fachkompetenz die Autorin verfügt, auch wenn sie zuweilen knapp an die Geduldsgrenze des Lesers herangeht, wenn sie über einige Seiten hinweg dermaßen doziert.

Im Endeffekt ist die Lektüre einigermaßen spannend und entspannend zugleich. Überraschungen bietet Kathy Reichs dem Leser eigentlich nicht, da sie sich wie bereits geschildert eng an ihr einmal entworfenes Konzept hält, auch wenn die Rahmenhandlung natürlich immer wechselt. Auch wenn man wie ich nach dem dritten Band die weiteren Bücher nicht mehr gelesen hat und später wieder in die Serie einsteigt, so hat man nichts verpasst.

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