Durch Mark und Bein

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • New York: Scribner, 2001, Titel: 'Fatal Voyage', Seiten: 363, Originalsprache
  • München: Blessing, 2002, Seiten: 413, Übersetzt: Klaus Berr
  • Augsburg: Weltbild, 2003, Seiten: 413
  • München: Blanvalet, 2004, Seiten: 413
  • München: Blessing, 2006, Seiten: 413

Couch-Wertung:

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Der brutal-blutrünstige Anfang stößt ab

Buch-Rezension von Evz Evz Mai 2003

Tempe Brennan wird anlässlich eines schrecklichen Flugzeugunglücks, bei dem alle Insassen ums Leben gekommen sind, zu Hilfe gerufen. Die Anfangsszenen beschreiben in einer sehr direkten und schockierenden Aufdringlichkeit den Zustand der einzelnen Unfallopfer bzw. der Teile dieser Menschen.Wer einen derartig krassen Stil nicht verträgt oder nicht mag, sollte am besten gleich die Finger von dem Buch lassen.

Bei dem Einsammeln einzelner Körperteile stößt sie auf einen Fuß, der anscheinend zu keinem der Flugzeuginsassen gehört. Noch während sie gemeinsam mit Lucy Crowe, einer energischen breitschultrigen "Sheriffin" (das Wort hab ich gerade kreiert) herauszufinden versucht, was es mit diesem Fuß auf sich hat, wird sie zu ihrem Auftraggeber zitiert. Man wirft ihr unerlaubtes Eindringen in nichtöffentliches Gelände, Mitnahme eines noch nicht katalogisierten Objekts (sie nahm den Fuß nur mit, damit er nicht von wilden Tieren noch weiter angenagt würde) und dergleichen mehr vor.

Nachdem auch ihr direkter Vorgesetzter trotz jahrelanger freundschaftlicher Zusammenarbeit nicht mehr hinter ihr steht und ihr trotz der Absurdität der Anschuldigungen quasi ein Berufsverbot auferlegt wird, zumindest bis zur Aufklärung der Vorwürfe (was bekanntlich lange dauern kann...), wird ihr langsam klar, dass es wohl höhere Mächte bzw. einflussreiche Personen sind, die ihre Arbeit behindern wollen. Doch eine Tempe Brennan gibt nicht auf...

Mit der gelegentlichen Hilfe von Boyd, dem ihr kurzzeitig anvertrauten Hund ihres Ex, von Sheriff Crowe und auch von Ryan, meist aber ganz alleine, versucht sie dennoch herauszufinden, was es mit dem Fuß und den Gründen ihrer "Verbannung" auf sich hat. Im Zuge ihrer Recherchen stößt sie auf ein verlassenes Haus, auf eine weitere Leiche (diesmal jemand, den sie kannte und mochte) und auf einige verschwundene Personen - alles ältere Menschen, ihr Verschwinden ist verteilt über längere Zeiträume, weshalb bisher auch niemand jemals einen Zusammenhang gesehen hatte.

Ich möchte nicht zu viel von der weiteren Handlung verraten, unsere tapfere Tempe wird allerdings noch auf einige makabre, furchteinflößende und skandalöse Geheimnisse treffen. Am Ende wird es dann noch mal richtig schön spannend, das Durchhalten lohnt sich also!

Warum spreche ich vom "Durchhalten"? Ist das Buch denn so langweilig und dröge, dass man sich durchkämpfen muss?

Nein, so ist es nicht gemeint, es ist schon recht spannend und die Story als solche (gerade die Teile, die ich jetzt nicht erzählen kann) gefallen mir ziemlich gut; allerdings hatte ich einige Schwierigkeiten, mich einzulesen. Abgesehen davon, dass mich der brutale und blutrünstige Anfang abstieß, störten mich die unendlich vielen mir oft unverständlichen Abkürzungen (zumindest im amerikanischen Original), was Polizeiränge und medizinische Titel anbelangt.

Außerdem kam mir die Hauptperson als solche nicht wirklich nahe, ihre Liebesgeschichten fand ich eher langweilig, die Tatsache, dass sie sich gerne von Boyd, dem Hund, abschlecken lässt, fand ich ekelhaft. Unsympathisch ist sie dennoch nicht, die Tempe, aber mein Herz fliegt ihr auch nicht gerade zu (besser gefiel mir Sheriff Crowe).

Zur Frage, ob sie besser als die Cornwell ist, da kann ich mich nicht wirklich entscheiden, ich fand die Cornwell-Krimis eigentlich spannender, aber bei ihr störten mich die zunehmende drastische Beschreibung von perversen Serienkillern immer mehr und vor allem ihre sehr konservative Einstellung gegenüber der Todesstrafe und ihrer Definition vom "Bösen". Ich habe irgendwann aufgehört, Cornwell zu lesen, obwohl die Fälle wirklich packend in einem Zug zu lesen sind.

Kathy Reichs geht hingegen anders an das gleiche Genre ran: Die Einstellung ihrer Heldin ist differenzierter und überlegter, was mir sehr gut gefällt. Ihre Berufswahl begründet sie mit dem Wunsch, den unbekannten Toten Respekt zu erweisen und den Lebenden, ihren Angehörigen das Gefühl zu vermitteln, dass ihren Toten Anteilnahme entgegengebracht wird, dass auch tatsächlich versucht wird, herauszufinden, wer und was dahintersteckt.

Gerade in "Durch Mark und Bein" beklagt sie, dass besonders bei älteren Menschen oft nicht genügend nachgeforscht wird, ob ein Verbrechen vorliegt oder nicht. Auch das gefällt mir.

Letztendlich kann man "Durch Mark und Bein" gut lesen, das Buch ist spannend, die Lektüre keine verlorene Zeit, aber wenn man es nicht liest, ist man auch nicht dümmer oder ärmer dran...

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