Die Schule des Todes

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 1990
  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 1989, Titel: 'Rules of Prey', Seiten: 317, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1990, Seiten: 381, Übersetzt: Wulf Bergner
  • München: Goldmann, 1991, Seiten: 381
  • München: Goldmann, 1996, Seiten: 381
  • München: Goldmann, 2001, Seiten: 381
  • München: Bertelsmann, 2006, Seiten: 444, Bemerkung: Stern-Krimi-Bibliothek 16
Die Schule des Todes
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Krimi-Couch Rezension vonMai 2003

Bärbeißige Chauvi-Frozzeleien

Irgendwann erwischt es jeden - oder sagen wir mal: die meisten - Vielschreiber: Ihre Hyperaktivität produziert ein faules Ei. Und das erscheint dann auch noch in deutscher Übersetzung - auweia.

An dem echt reißerischen Titel der deutschen Ausgabe dürfte Sandford selbst ja schuldlos sein, aber gefallen hat er ihm sicher. Nur: der Titel hat mit dem Inhalt des Buches ungefähr so viel zu tun wie ein Holsten-Edel-Etikett auf einer Flasche H-Milch - gar nichts nämlich.

Ein junger Anwalt bringt in Minneapolis in sadistischer Manier junge Frauen um - ein Serienmörder also, der in akribischer Sorgfalt seine Opfer aussucht, sie abschlachtet und anschließend auf ihren Leichen kleine Zettel mit abstrusen Merksätzen ("Niemals jemanden ermorden, den man kennt") hinterlässt.
Sein Gegenspieler ist Lucas Davenport, ein kantiger Über-Cop, der in seiner Freizeit PC-Spiele austüftelt und in dessen Gegenwart gestandene Karrierefrauen zu kichernden Backfischen regredieren. Der von seinen Trieben gepeitschte Perverse gegen das Bullen-Rauhbein - na, das kann ja heiter werden.

Nun, heiter wird es leider überhaupt nicht - es ei denn, man wollte einige bärbeißige Chauvi-Frozzeleien als Humor ansehen. Und das, wo dieser Kerl doch von Anfang bis Ende des Buches fast unentwegt "grinst". Man möchte auf Knien vor dem deutschen Übersetzer herum rutschen und ihn zumindest um einige synonyme Variationen anflehen, so beharrlich penetrant wiederholt sich dieses Wort. Es steht allerdings zu befürchten. dass sich besagter Übersetzer lediglich strikt an Sandfords Originaltext gehalten hat.

Der Serienmörder mordet, Davenport ermittelt rennend, fluchend, pöbelnd und die Hektik aller agierenden Personen nimmt zu, als der Serienkiller einer sorgfältig konstruierten Polizeifalle mit knapper Not entkommt und eine gute Bekannte Davenports als nächstes Opfer anvisiert. Ach, hören wir doch auf damit - das Strickmuster solcher Geschichten ist hinlänglich bekannt.

Sandford hat seine Story mit rauen, derben Stricken festgezurrt - da verzetteln sich keine Seitenstränge, vielmehr wird die Handlung ganz straight vorangetrieben.

Das wäre ja eigentlich eher ein Pluspunkt - wenn da nicht diese stilistischen Unzulänglichkeiten wären. Ziselierungen von Charakteren sind Sandfords Sache nicht gerade: Dieser Davenport ist ein Weiberheld ohne Witz (an Esprit hatte ich ja eh schon gar nicht zu hoffen gewagt) und ohne Tiefgang - ein Plattitüden stammelnder Macho. Er ist zudem in seinem Beruf derart cholerisch und link, dass es schon Mühe macht, sich seinen überregional guten Ruf als Superbulle zu erklären.

Ich gestehe es beklommen: Beizeiten las ich Sandfords Davenport-Romane gern - möglicherweise haben da bessere, schlüssigere und spannender Geschichten stilistische Defizite etwas überdeckt. Jetzt aber bin ich hier in ein faules Ei getreten - und, Lucas - du wirst für mich nie mehr der alte sein.

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