Spur der Angst

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 1999, Titel: 'Certain prey', Seiten: 339, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2000, Seiten: 441, Übersetzt: Manes H. Grünwald
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 441

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Michael Drewniok
Kaum gelesen, schon vergessen: Lesefutter-Schicksal

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2003

Sie haben sich offenbar gesucht und endlich gefunden - das schöne Biest und die biestige Schöne: Clara Rinker entdeckte im zarten Alter von 16 Lenzen eher zufällig ihr Naturtalent zum Töten, das durch geile Stiefväter daheim und ebensolche Kunden auf der Arbeit energisch gefördert wurde. Inzwischen machte sie ein Geschäft daraus und arbeitet als Auftragsmörderin für die Mafia, wo sie aufgrund ihrer Zuverlässigkeit hoch angesehen und gut gebucht ist.

Carmel Loan ist Star-Strafverteidigerin in Minneapolis, erfolgreich, vermögend, selbstbewusst, gefürchtet - und verliebt in den Kollegen Hale Allen, der nicht besondere helle, aber ansehnlich und leider sehr verheiratet ist. Gattin Barbara würde ihn niemals ziehen lassen, sie hat das Geld in diese Ehe gebracht, und so dumm ist sogar Hale nicht, dass er dies aufs Spiel setzen wollte. Aber Carmel, die sich schon lange über Gesetz und Moral erhaben fühlt, weiss Rat. Vor einiger Zeit hat sie den Drogendealer Rolando "Rolo" D'Aquila aus einem eigentlich aussichtslosen Fall gepaukt. Dieser sieht sich seither in ihrer Schuld, was praktisch ist, denn er kennt Clara und empfiehlt Carmel deren Dienste. Gern nimmt diese an und lässt die lästige Barbara aus dem Weg räumen. Die Bluttat gelingt, aber durch einen unglücklichen Zufall gerät auch ein Polizist mit in die Schusslinie. So wird Detective Lucas Davenport, hochrangiger Beamter der Mordkommission von Minneapolis, in die Ereignisse verwickelt.

Derweil beginnt Rolo, in Geldnot geraten, Carmel mit einem Video zu erpressen, das sie zeigt, wie sie den Mordauftrag erteilt. Erneut bittet sie Clara um Unterstützung. Die beiden Frauen finden Gefallen aneinander, und Carmel entdeckt den eigenen Killerinstinkt, als sie gemeinsam mit ihrer neuen Freundin den unglücklichen Rolo foltert und umbringt. Dann beginnt alles schief zu laufen. Es gibt weitere Zeugen, die das Video kennen. Sie müssen ihrerseits eingeschüchtert oder ausgeschaltet werden, was wiederum nicht ohne Zwischenfälle abgeht. Deshalb dauert es nicht lange, bis Davenport misstrauisch wird. Doch die taffe Anwältin ist eine ernst zu nehmende Gegnerin, deren Rücksichtslosigkeit zusammen mit der intimen Kenntnis des örtlichen Polizeiapparates ihr zunächst eine Galgenfrist verschafft - Zeit, die sie und Clara nutzen, eine breite Blutspur durch Minneapolis zu ziehen ...

Lucas Davenport ist wieder da, und seine lesenden Freunde wissen, was das bedeutet: Spannung und Action, produziert auf hohem handwerklichen Niveau. Tiefgang ist nicht, trotzdem liefert Sandford Qualität, die den Kopf leicht vergessen macht, dass dieses Mal dem Bauch der Vorzug gegeben wird. Das war zu allen Zeiten, ist aber besonders heutzutage ein Risiko, das die besondere Aufmerksamkeit der Kritik erregen kann. Die geht denn auch häufig sehr ruppig mit Sandford um, schimpft ihn einen Grobian, Gewalt- Fetischisten oder - was schwerer wiegt - einen unverbesserlichen Chauvinisten (der womöglich heimlich sogar raucht). Trotzdem knickt der Verfasser nicht devot ein, sondern wehrt sich seiner Haut, indem er die Unsinnigkeiten einer Amok laufenden politischen Korrektheit in sein Werk einflicht (die elegante Lösung) und ansonsten Davenport und seine Mannen nun erst recht scheinbar frauenfeindliche Sprüche klopfen lässt (pubertär, aber vermutlich sehr befreiend). Wie sich zeigt, erreicht Sandford sein Ziel; die wenigen Kritiker, die sich in die Niederungen des reinen Unterhaltungsromans begeben, geben laut ihrem Ärger über den alten Sünder Ausdruck, während frau sich wahrscheinlich am Kopf kratzt und fragt, was denn der ganze Aufruhr eigentlich soll.

Denn rau ist der Ton, und die Feuerwaffen sitzen stets locker in Davenports Welt. So ist sie nun einmal angelegt, so lieben wir sie zum Feierabend, wenn uns manchmal nur nach Entspannung ist und wir das Unterhaltungspotenzial unserer niederen Instinkte nutzen wollen. Freilich teilen Sandfords Männlein & Weiblein genauso aus wie sie einstecken; das ist eine Form der Gleichberechtigung, die eingeschriebene Tugendbolde zusätzlich irritieren mag. Nichtsdestotrotz ist die Polizei von Minneapolis ein Reich der Machos, und Davenport ist sicherlich ihr König - aber immerhin einer, der sich vor dem Fliegen fürchtet und im großen Finale sein Leben ausgerechnet dem verhassten Bericht der Gleichstellungs- Kommission verdankt, der zuvor für einige running gags gut war.

"Spur der Angst" wartet als grundsolider, temporeicher Cop-Thriller plotmäßig durchaus mit einigen Überraschungen auf. Viel "Pulp Fiction"-Atmosphäre kommt auf, wenn sich Attentäterin und Anwaltin über das Wohl und Wehe ihrer jeweiligen Metiers austauschen und dabei allerlei erstaunliche Banalitäten zu Tage treten. Gleichermaßen bricht Sandford mit dem Klischee des kühlen, berechnenden, alle Eventualitäten einkalkulierenden Killers: Clara Rinker ist tüchtig, aber Mord stets ein Geschäft mit unwägbarem Risiko. Schon recht früh wird deutlich, dass ihr die Dinge aus den Händen zu gleiten beginnen.

Dem anfänglichen Routinemord folgen immer hektischere und verzweifeltere Versuche, eine unheilvolle Kettenreaktion zu unterbrechen, die nur in Verhaftung und Gefangenschaft enden kann. Denn an einem lässt Sandford keine Zweifel: Das System - hier vertreten durch die Polizei - wird immer siegen, weil es trotz aller Vorschriften, Einschränkungen und internen Krisen einfach besser organisiert als das Verbrechen ist.

Spur der Angst

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Letzte Kommentare:
20.06.2014 08:15:53
KlausChrist

Dieses Buch habe ich vor langer Zeit gelesen und genossen. Soweit ich mich erinnern kann, gehen die beiden Ladies absolut GNADENLOS ;-) zur Sache. Und Herr Davenport natürlich auch. Einer der richtig guten Sandfords!
Warum ich mit soviel Verspätung diese kurze Lesermeinung verfasse? Zufällig habe ich kürzlich die Info erhalten, dass "Certain Prey" 2011 für das US-Fernsehen verfilmt wurde, mit Mark Harmon als L. Davenport. Weiß jemand, ob man in D die DVD bekommen kann - wenn ja, unter welchem Titel? Im Voraus vielen Dank für eine Antwort!

01.11.2010 20:46:22
Heike Götz

Das Buch war an sich gut zu lesen. Gut gefallen hat mir dabei, das Mr. Davenport dieses Mal mehr am Rand war und die Hauptpersonen, zwei Damen, sich ein Klasse Duell lieferten zwischen Beruf- und Privatsein.
Nicht überwältigend war für mich, wie Lucas auf die Killerin gestoßen ist. Aber sicher sieht das jeder aus einem anderen Gesichtspunkt

13.04.2008 14:14:41
Günter zech

John Sandford ist hier in Deutschland nicht ganz so bekannt-es geht ihn da wie lee child.
Eigentlich müssten seine Romane viel
weiter oben in der Bestseller-Liste stehen.
Ich bin auch nur durch Zufall auf die Lucas Davenport-Reihe gekommen.
Spur der Angst ist spannend und locker in zwei Tagen zu lesen.
Ich denke mir Clara Rinker wird in irgent- einem Folgeroman noch mal auftauchen.
Für Neueinsteiger: man sollte nicht quer einsteigen sondern mit dem frühen Roman von 1989-Schule des Todes-beginnen-so erlebt man die Entwicklung.

29.02.2008 19:06:15
Kerstin

Lucas auf der Jagd nach einer Profikillerin... dabei ist es nicht sie, die hier derart kaltblütig zu Werke geht, sondern eine hoch angesehene Anwältin, die sich allen Leuten entledigt, die ihr im Wege stehen und das eben mit Hilfe der Killerin. Was für ein durchtriebenes Buch, das die dunkle Seite in er Frau zum Vorschein bringt und Lucas hätte sich besser nicht mit den beiden angelegt ...!

27.08.2004 13:22:55
K.-G.Beck-Ewerhardy

Ein spannender und teilweise sehr blutrünstiger Roman, der Frauen mal in einem ganz anderen Licht darstellt. Nichts für schwache Nerven, aber extrem unterhaltsam.