Auferstanden von den Toten

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • New York: Viking, 2002, Titel: 'The Grave Maurice', Seiten: 424, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 480, Übersetzt: Cornelia C. Walter
  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 475, Übersetzt: Cornelia C. Walter
  • Augsburg: Weltbild, 2006, Seiten: 475
  • München: Goldmann, 2009, Seiten: 475

Couch-Wertung:

79°
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Sabine Reiß
Nur wirklich eingefleischten Fans zu empfehlen

Buch-Rezension von Sabine Reiß Jun 2005

Der Anfang ist sehr erfolgsversprechend: Superintendent Richard Jury, nach seiner Schussverletzung (siehe Vorgängerroman) quasi im Zwangsurlaub, erfährt durch seinen Freund Melrose Plant vom Schicksal seines Arztes. Melrose belauschte in einem dem Krankenhaus nahegelegenen Pub namens "The Grave Maurice" - so auch der Originaltitel des Romans - zwei Frauen, die von einem fünfzehnjährigen Mädchen erzählten, das mittlerweile seit zwei Jahren verschwunden ist. Nell Ryder, die Tochter des Arztes, wurde mitsamt ihrem Schützling, dem wertvollen Zuchthengst Aqueduct, vom Hof ihres Großvaters gekidnappt.

Es ist eigentlich kein richtiger Fall, das sieht auch Jury so, aber wie in Josephine Teys Roman "Alibi für einen König" befasst sich der Patient mit einem zurückliegenden Kriminalfall. Auch der Autor Colin Dexter hat seinen Inspector Morse übrigens schon mit dieser Idee ins Rennen geschickt. Nach einiger Zeit weiß der Leser, was die Angehörigen des Mädchens nur noch vage hoffen: Sie ist am Leben. Und sie könnte weglaufen, tut es aber nicht, denn sie muss erst noch ihre sich selbst auferlegte Mission beenden. Als dann noch eine Frauenleiche auf dem Hof der Ryders gefunden wird, muss Jury sich erst recht einmischen.

Verheißungsvoller Start

Anfangs schwungvoll und gut zu lesen, verliert die Erzählung ab der Mitte an Tempo. Bei Martha Grimes muss man sich darauf gefasst machen, dass die Handlung eine Art Eigendynamik entwickelt. Es gehört zu den Hauptcharakteristika dieser Serie, dass sie sehr viele Personen auftreten lässt, die nichts mit der Geschichte zu tun haben: ein sehr skurriles Völkchen, das der Stammleser immer wieder gerne wieder trifft. Hier wirkt es jedoch teilweise zu bemüht und zudem verliert man den Faden so manches Mal, so dass man zurückblättern muss, um sich wieder zurechtzufinden. Andere Passagen sind jedoch wie gewohnt amüsant und unterhaltsam, aber auch ernste Töne werden angeschlagen. Die Familiengeschichte der Ryders nimmt ohne Zweifel gefangen.

Aufgrund der Ansiedlung im Rennsportmilieu könnte man sogar meinen, dass auch Fans von Dick Francis auf ihre Kosten kommen, doch eines unterscheidet die Bücher komplett. Während der Altmeister der Pferdekrimis die Spannung permanent auf einem hohen Niveau hält, bleibt Martha Grimes damit eher auf Sparflamme. Einzig der erfolgreiche Spekulant Vernon Rice, Nells Stiefonkel, könnte glatt als Francis’ Geschöpf durchgehen.

Zu wenig Krimi

Bei aller Begeisterung für die Jury-Romane darf man die Augen nicht davor verschließen, dass die es die Autorin im vorliegenden Band ein wenig übertrieben hat. Bei allem Erzähltalent, das ihr auch hier nicht abhanden gekommen ist, ist die Geschichte zu weit hergeholt. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass Nell Ryder zwei Jahre bei ihren Entführern bleibt, um die Pferde zu retten, die für die Produktion von Hormonpräparaten aus Urin von trächtigen Stuten unter unwürdigen Bedingungen gehalten werden. So ernst der Feldzug der Autorin gegen die Produktion dieses Medikaments namens Premarin auch ist, der Plot darum herum wirkt zu konstruiert.

Versucht man sich vorzustellen, wie dieses Buch auf jemanden wirkt, der noch nie einen Krimi von Martha Grimes gelesen hat, ist man schnell ratlos. Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, es gibt nur wenige, die danach zu einem weiteren Buch von ihr greifen würden. Zu dünn ist die Story, zu wenige Krimielemente sind überhaupt vorhanden. Fast zufällig wird im Mittelteil eine Tote platziert und weil diese wohl nicht ausreichte, mussten am Ende noch einige andere das Zeitliche segnen, ohne dass deren Ableben einen Sinn ergibt. Ohne Nebenwirkungen kann "Auferstanden von den Toten" daher nur langjährigen Grimesoholikern verschrieben werden.

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