Teuflische Versprechen

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Augsburg: Weltbild, 2005, Seiten: 558, Originalsprache
  • Berg: AME, 2006, Seiten: 6, Übersetzt: Julia Fischer

Couch-Wertung:

85°
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Wolfgang Weninger
Ein kurzweiliges Leseabenteuer ohne Regio-Klischee

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2005

Maria ist gefangen in einer Prachtvilla, wo sie den Gästen der Hausherren auch die absonderlichsten Sexwünsche erfüllen muss. Ohne Pass, ohne Geld, ohne Zukunft sind sie und ihre unter falschen Versprechen in den Westen gelockt worden, denn in Moldawien, Rumänien und anderen ehemaligen Ostblockstaaten konnte das Leben außer Hunger und Kälte nichts bieten.

Doch Maria hat noch nicht aufgegeben. Auf einer Einkaufstour für exquisites Outfit flüchtet sie durch die Hintertür. In der Panik, ihren Wächtern wieder in die Hände zu fallen, läutet sie an eine Tür. Es ist die Praxis der Psychologin Verena Michel und diese nimmt sich der verzweifelten Sexsklavin sofort an und versteckt sie in ihrer Wohnung. Maria braucht jedoch mehr als nur einen Unterschlupf. Verena Michel bittet ihre Freundin, die Anwältin Rita Hendriks um Hilfe und diese wiederum versucht Unterstützung beim Enthüllungsjournalisten Dietmar Zaubel zu bekommen, der ihr nahe legt sich mit der Polizeiermittlerin Julia Durant kurz zu schließen. Doch diese feiert gerade ihren Geburtstag und ist nicht erreichbar.

Dennoch macht Julia Durant noch am selben Abend Bekanntschaft mit Hendriks und Zaubel, allerdings anders als sie dies wohl gewollt hätte. Zaubel wird auf einer Bank im Park erstochen aufgefunden und Rita Hendriks Leiche liegt gefoltert und erdrosselt in ihrem Wohnzimmer. Die Frankfurter Kommissarin stößt bei ihren Ermittlungen auf die Spur von Verena Michel und Maria, doch auch die Verbrecher, Angehörige eines global agierenden Menschenschmugglerrings sind den beiden auf den Fersen.

Durant muss die gefährdeten Frauen aus der Schusslinie bringen, gleichzeitig aber alle Kräfte des Polizeiapparates mobilisieren. Dabei ergibt sich die Schwierigkeit, dass zu viele Menschen aus diesem Dunstkreis von den Verbrechern geschmiert werden und diese immer einen Schritt voraus zu sein scheinen, ohne Angst vor Verfolgung durch die Justiz haben zu müssen. In einen Sumpf aus Erpressung, Schmiergeld, Mord und Sklaverei taucht Julia Durant mit ihrem Restteam ein, ohne große Chance gegen die mafiösen Machenschaften etwas ausrichten zu können.

Andreas Franz hat einen weiteren Krimi um die sympathische Kriminalisten Julia Durant im Knaur-Verlag auf den Markt gebracht und dabei ein heißes Eisen angefasst, angesichts der Schauermeldungen aus den Medien, bei denen kein Tag vergeht, an dem die Leserschaft nicht mit grausigen Informationen gefüttert wird.

Rund um seine Paradeermittlerin werkelt ein ebenso sympathisches, wie menschliches Team, samt und sonders geprägt durch persönliche Schicksale, die nur eine verbissene Beschäftigung mit der Materie zulassen. Und diese Materie hat es in sich, bietet von der ersten Seite an Spannung und lässt den Leser mit den Guten in diesem Krimi mitfiebern. Die Ohnmacht der Ermittler gegenüber den Machenschaften des organisierten Verbrechens bekommt der Leser hautnah mit und nicht nur ein Mal stellt man sich bei der Lektüre die Frage, wie viel Wahrheit der Autor aus der Frankfurter Szene aufgegriffen hat und ob dies tatsächlich nur die Spitze eines Eisberges ist.

Die Thematik der Ereignisse in diesem Buch lassen wohl keinen anderen Schluss zu, als den, zu dem auch Andreas Franz in seiner Geschichte kommt. Ein Ende der unmittelbaren Geschehnisse bietet sich dem Leser wenig überraschend an, aber die Tatsache, dass hier nur ein Nadelstich gegen das organisierte Imperium der Verbrecher geführt werden konnte, enttäuscht, wie im wahren Leben.

"Teuflische Versprechen" ist ein Kriminalroman, den man schon nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen mag. Trotzdem die Geschehnisse in Frankfurt angesiedelt sind, ist der Roman alles andere als ein Regiokrimi, denn die Geschichte könnte genauso gut in Glasgow oder Marseille spielen. Die straffe Handlungsführung wird nur durch die menschlichen Sequenzen unterbrochen, wenn etwa Durants Vater, ein Pfarrer, sich mit der geflohenen jungen Frau unterhält. Diese Zwischenspiele zerstören die Spannung jedoch keineswegs, hier sind sie Mittel und Zweck, um dem Leser gelegentlich auch sympathische Lesemomente zu liefern.

Der flüssige Schreibstil von Andreas Franz und sein Vermögen die Handlung packend zu verdichten, machen die 559 Seiten zu einem kurzweiligen Leseabenteuer, dass man auf jeden Fall empfehlen kann.

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