Tödliches Lachen

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Berg: AME, 2006, Seiten: 6, Übersetzt: Julia Fischer
  • Augsburg: Weltbild, 2009, Seiten: 398, Originalsprache

Couch-Wertung:

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Wolfgang Weninger
Trauriges Lächeln

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Dez 2005

Mike ist ein hochbegabter Jüngling mit einem begüterten Vater und von der Mutter im Stich gelassen. Das Mathematikgenie hat ob seiner besonderen Fähigkeiten allerdings keine gleichaltrigen Freunde, nur mit der zwei Jahre älteren Luise, die ähnlich intelligent ist, spinnt sich eine vorerst platonische Beziehung an. Der Herr Papa, der die Gespielinnen wechselt, wie andere die Socken, spendiert dem Knaben zum fünfzehnten Geburtstag eine Edelnutte, die allerdings beim Anblick der Genitalien des Beschenkten nur höhnisches Gelächter für diesen übrig hat. Und Luise, die ihre Zuneigung zu Mike offenbart, wird kurz darauf vergewaltigt und ermordet.

Grund genug, dass Mike, als er zum Manne gereift ist, zum Serienkiller mutiert, der Frauen, die sich über sein Gemächt lustig machen, kunstvoll tranchiert und damit für Hauptkommissarin Julia Durant eine perfide Schnitzeljagd inszeniert.

Dabei ist Frau Durant ohnehin nicht gerade gut drauf, denn ihr Lebensabschnittspartner hat sich eine Jüngere und Hübschere gefunden, bescheißt sie hinten und vorne und serviert sie schlussendlich nicht gerade formvollendet ab. Ein Seelentief jagt das nächste, aber darauf können Frau Hauptkommissar und ihr Team keine Rücksicht nehmen, denn der Killer muss in ihrer unmittelbaren Nähe sein, kennt jeden ihrer Schritte und ist ihnen immer um eine Nasenlänge voraus...

Serienkiller im Krimiformat sind meistens eine gute Option für Autoren, denn wenn ihnen nichts mehr einfällt, füllen sie die Seiten mit weiteren Mordtaten. Bei dem von mir sonst sehr geschätzten Andreas Franz muss man nach der Lektüre von "Tödliches Lachen" leider ebenfalls davon ausgehen, dass der neunte Band aus der Julia-Durant-Serie mehr Fließbandproduktion als Krimischöpfung darstellt.

Das Psychogramm vom hochtalentierten Jüngling zum fiesen Mainhatten-Ripper ist noch einigermaßen ordentlich und interessant gelungen, wenn auch nicht immer ganz schlüssig. Bluttat um Bluttat wird vom Autor immer blutrünstiger vor dem Leser ausgebreitet. Und ab der Mitte des 446-Seiten-Taschenbuches aus dem Knaur-Verlag ahnt der gewiefte Krimi-Leser bereits, hinter welcher Maske sich der Täter versteckt.

Die Hauptkommissarin Julia Durant und ihre Mitstreiter, allen voran ihr Freund Hellmer, haben mit den üblichen zwischenmenschlichen Beziehungen zu kämpfen, die man so oder besser alle schon mal in den acht Vorgängerbänden gelesen hat.

Schreiberisch kann man auch in Tödliches Lachen dem Autor die handwerkliche Kompetenz nicht absprechen. Franz versteht es meisterhaft, die Atmosphäre zu verdichten und dem Leser die grausigen Gänsehautsequenzen in flüssigem Schreibstil zu verabreichen. Auch der Spannungsaufbau lässt nicht zu wünschen übrig und trotz des von Anfang an bekannten Killers flacht die Story bis zum Showdown nirgendwo ab.

Dafür erscheint die ganze Geschichte aber zu umständlich konstruiert und ist auch in sich nicht immer logisch, was besonders auf die Auflösung zutrifft, die viel zu überraschend und an den Haaren herbeigezogen zum Ende führt und dabei einige Fragen offen lässt. Dabei fehlt der Einsatz gezielter Polizeiarbeit fast vollständig und der Erfolg resultiert nicht aus Routinearbeit, sondern wird komplett Kommissar Zufall überlassen, was letztendlich auch nicht befriedigen kann.

Wenn Andreas Franz in seinem Schlusssatz meint "der Blick zurück bringt dich nicht weiter, nur wer nach vorne schaut, kann das Ziel erkennen", dann darf man hoffen, dass er dabei auch seinen zehnten Nachfolgekrimi um die sympathische Hauptkommissarin Julia Durant zielsicher und erfolgreich ins Auge gefasst hat, denn die Verlagsbeurteilung Tödliches Lachen als "Der Bestseller" zu präsentieren, kann bestenfalls ein traurigen Lächeln hervorrufen.

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