Todesmelodie

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2012, Seiten: 450, Originalsprache

Couch-Wertung:

60°
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Andreas Kurth
Mit neuem Co-Autor: Wie gewohnt, nur schlechter

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jan 2012

Nach einer längeren Auszeit, in der sie die Folgen einer Entführung und Vergewaltigung überwinden musste, ist Julia Durant erst wieder wenige Wochen im Dienst, als sie während der Wochenendbereitschaft zu einem Tatort kommt. Offenbar ist eine Studentenparty völlig aus dem Ruder gelaufen, Drogen und Alkohol waren im Spiel, eine junge Frau wurde brutal missbraucht und ermordet. Die vermeintlich Schuldigen werden relativ schnell überführt und verurteilt. Zwei Jahre später gibt es erneut einen Mord im studentischen Milieu. Diesmal wurde ein junger Mann grausam gefoltert und getötet. Am Tatort hat Durants Kollegin Sabine Kaufmann das Gefühl, sich an etwas zu erinnern. Nach einiger Überlegung fällt ihr ein, dass zwei Jahre zuvor ebenfalls ein Musikstück am Tatort lief, und zwar exakt der gleiche Song: Stairway to heaven von Led Zeppelin. Das Team der Frankfurter Kripo findet schnell neue Spuren – und es gibt weitere Tote. Bis zum dramatischen Finale hat die Mannschaft um Julia Durant aber noch einige Rätsel zu lösen und brenzlige Situationen zu überstehen.

Es scheint ein wenig Mode zu werden, neue Autoren die Reihen verstorbener Schriftsteller fortsetzen zu lassen. Vor kurzem kam der erste James-Bond-Roman aus der Feder von Jeffery Deaver auf den Markt, jetzt hat Daniel Holbe seinen ersten Julia-Durant-Band vorgelegt. In beiden Fällen hat die Familie des verstorbenen Autors eine entscheidende Rolle gespielt, indem die Zustimmung erteilt wurde. Während Deaver allerdings die bekannte Figur in die Moderne transformierte, und einen völlig eigenständigen Roman schrieb, setzt Holbe die Durant-Reihe nahtlos fort. Und er nutzte dabei Skizzen von Andreas Franz – wie weit der neue Roman bereits fertig war, ist dabei unklar, spielt aber auch eine eher untergeordnete Rolle.

Die Fans von Andreas Franz dürften – wie wohl alle Leser – durchaus gespalten sein. Vernichtende Urteile stehen dabei neben wohlwollenden, es gibt auch positive Stimmen. Auf jeden Fall muss man sich im Klaren sein, dass man hier keinen Roman des verstorbenen Autors in der Hand hält, sondern ein anderer das Buch geschrieben hat. Bei aller Spannung und Authentizität haben Kritiker dem verstorbenen Andreas Franz vorgeworfen, einen eher schlichten Schreibstil zu pflegen. Ich hatte damit nie ein größeres Problem, weil mich die von ihm geschilderten Fälle stets gefesselt haben, und weil durch seine exzellenten Kontakte zur Polizei die Geschichten im Wortsinne "aus dem Leben gegriffen" waren. Daher ist es nicht weiter störend, dass auch Daniel Holbe nicht unbedingt ein Meister des geschliffenen Wortes ist.

Ärgerliche handwerkliche Fehler sollten von ihm künftig allerdings vermieden werden, sonst gehen ihm selbst die eingefleischten Andreas-Franz-Fans von der Fahne. Das beginnt damit, dass falsche Ortsnamen verwendet werden, und endet bei der Peinlichkeit, eine Pistole SIG Sauer P6 als Revolver zu bezeichnen. Und wenn der Autor – oder ist er doch nur der Co-Autor, weil das Buch weitgehend skizziert war?? - sich bei solchen Fakten irrt, müsste das Lektorat die groben Schnitzer ausmerzen. Sonst könnte das Experiment, einen Neuling die Reihe eines Bestseller-Autoren fortführen zu lassen, schnell an seine Grenzen stoßen.

Die Geschichte ist vom Start weg recht komplex und undurchsichtig, die immer neuen Wendungen sind das Markenzeichen des verstorbenen Autors und werden von seinem Nachfolger gut fortgesetzt. Immerhin ist in dem Buch kein Stilwechsel erkennbar, Daniel Holbe hat sich durchaus geschickt an die Diktion des verstorbenen Andreas Franz gehalten. Die Perspektivwechsel von Julia Durant zu Frank Hellmer sind gelungen, und wie gewohnt wird auch das Privatleben der Ermittler regelmäßig einbezogen, ohne dabei zu übertreiben. Wer die früheren Bände der Julia-Durant-Reihe nicht kennt, wird ohnehin keinen Unterschied merken. Das Buch bietet solide Unterhaltung, ausreichend Spannung und einen guten Plot – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Am erzählerischen Handwerk und der Recherche muss Daniel Holbe aber noch kräftig feilen, vor allem, wenn er eines Tages komplett eigene Bücher schreiben will.

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