Der englische Spion

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • New York: Harper, 2015, Titel: 'The English Spy', Originalsprache
  • Köln: HarperCollins by Lübbe Audio, 2016, Übersetzt: Axel Wostry

Couch-Wertung:

75°
Wertung wird geladen
Andreas Kurth
Wenn es persönlich wird, endet es auch immer hässlich

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2016

Bei einem heimtückischen Bomben-Attentat wird in der Karibik die frühere Frau des britischen Thronfolgers getötet. Graham Seymour, Chef des Auslandsgeheimdienstes MI 6, bittet den israelischen Mossad um Hilfe. Der erfahrene Agent Gabriel Allon soll, unterstützt vom ehemaligen SAS-Mann Christopher Keller, nach dem Attentäter suchen und ihn auf Wunsch der Briten liquidieren. Als sie herausfinden, dass der IRA-Kämpfer Eamon Quinn für den Anschlag auf die Prinzessin verantwortlich ist, starten die zwei Agenten eine gnadenlose Jagd quer durch ganz Europa. Beide haben mit Quinn alte Rechnungen offen - aber der Ire wird von unerwarteter Seite unterstützt. Es wird für Gabriel und Christopher ein lebensgefährlicher Kampf ohne Gnade.

Silva hat seinen Protagonisten über 17 Jahre aufgebaut

Gabriel Allon ist ein israelischer Geheimagent, der von Daniel Silva vor 17 Jahren erstmals ins Rennen geschickt wurde. Seither hat er den als begnadeten Restaurator geschilderten Mossad-Mitarbeiter in seiner Thriller-Reihe zu einer Legende in Israel werden lassen. Allon hat schon viel erlebt und einiges durchmachen müssen, nun soll er sogar der neue Direktor des Geheimdienstes werden. Inzwischen ist er wohl auch so weit, den Job anzunehmen, denn seine zweite Frau Chiara erwartet Zwillinge - trotzdem macht er sich abermals durchaus widerwillig auf die Jagd nach einem Killer.

Es ist wie so oft in den Romanen um diesen israelischen Agenten, alte Gefälligkeiten werden eingefordert. Und da man sich in der westlichen Geheimdienst-Gemeinde zwangsweise öfter hilft, kann sich Allon auch jetzt nicht verweigern. Das ist angesichts der Persönlichkeit, zu der ihn Daniel Silva über die Jahre aufgebaut hat, durchaus glaubwürdig.

Alte Rechnungen sollen endlich beglichen werden

Gabriel Allon und sein übliches Unterstützungsteam wirken authentisch, sie handeln überlegt und in aller Regel sehr rational. Daniel Silva hat eine Reihe aufgebaut, die für Fans von Agenten-Thrillern die Möglichkeit bietet, sich spannend unterhalten zu lassen, und dabei stets einer Gruppe von Agenten bei ihrem Handwerk über die Schulter zu blicken. Wer schon einige Romane aus der spannenden Reihe gelesen hat, wartet bei der Lektüre einer neuen Folge förmlich auf das Erscheinen der bekannten Protagonisten. Aber ich habe den Eindruck, dass man auch als neuer Leser gut in die Reihe hineinkommt, egal an welchem Punkt man einsteigt. Das wird auch von etlichen Leser-Kommentaren bestätigt.

Christopher Keller ist neben den Mitgliedern des Mossad-Teams auch so ein alter Bekannter aus früheren Büchern der Reihe. Er hat einst beim SAS gedient, und war in den letzten Jahren für einen korsischen Paten als Auftragskiller unterwegs - und diesen Job hat er ziemlich gut gemacht. Und er hat auch Gabriel Allon schon geholfen. Bei der nun beginnenden Jagd auf den Iren Quinn ist Keller gerne dabei, denn aus seiner Zeit als englischer Agent in Irland hat er gute Kenntnisse von Orten und Personen - und er hat auch noch eine Rechnung mit Quinn zu begleichen.

Fans von Agenten-Romanen werden hier bestens unterhalten

Eamon Quinn ist ein früherer Bombenbauer der IRA - und der Anti-Held dieses Romans. Er hat sich für die Verschwörung gegen Gabriel Allon und Christopher Keller nur zu gerne anheuern lassen, denn er kennt beide aus früheren Kämpfen. Der fanatische Kämpfer ist ein gnadenloser Killer. Auch wenn seine beiden Kontrahenten ebenfalls vielfach getötet haben, ist er aufgrund der Hinterhältigkeit seiner zahlreichen Gräueltaten steht Quinn auf der Sympathie-Skala ganz schnell am unteren Ende.

Silvas Erzählstil wechselt - wie von ihm gewohnt - zwischen ruhigen Passagen und dramatischer Action. Auch im neuen Thriller geht die Jagd durch viele Länder, der Spannungsbogen wird ständig gesteigert - und das dramatische Finale ist besonders gelungen. Es wird mal wieder persönlich und somit auch hässlich, die schnellen Wendungen sorgen für Dramatik, es gibt einen Maulwurf, und immer mal wieder unerwartete neue Akteure. Wem der Plot zu vorhersehbar und unrealistisch ist, der sollte die Finger von dieser Reihe halten. Wer allerdings Agenten-Romane dieser Art mag, ist bei Silva bestens aufgehoben und wird hervorragend unterhalten. Der Mix aus realen Fakten und viel dichterischer Freiheit macht in meinen Augen viel Spaß beim Lesen.

Der englische Spion

Der englische Spion

Deine Meinung zu »Der englische Spion«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

BEHIND THE DOOR
Der Raum. Die Tat. Das Rätsel.

Lies die Geschichte, erkunde den Tatort und bringe Licht in das Dunkel um einen mysteriösen Kriminalfall. Welche Auffälligkeiten bringen die Ermittlungen voran? Welches Indiz überführt den Täter? BEHIND THE DOOR - spannende und interaktive Kurz-Krimis auf Krimi-Couch.de.

mehr erfahren