Die Rembrandt Affäre

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 2010, Titel: 'The Rembrandt affair', Seiten: 484, Originalsprache
  • München: Pendo, 2012, Seiten: 512, Übersetzt: Wulf Bergner

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Andreas Kurth
Auf der Spur der Iran-Connection

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jan 2012

Im beschaulichen Cornwall hat sich Gabriel Allon, begnadeter Restaurator und Geheimagent des Mossad, mit seiner geliebten Frau Chiara gemütlich eingerichtet. Er arbeitet an einem Bild, macht lange Spaziergänge – und trifft plötzlich einen alten Bekannten. Galerist Julien Isherwood berichtet ihm von einem bislang unbekannten Rembrandt-Gemälde, das gestohlen wurde. Der Restaurator wurde dabei ermordet, und Isherwood steckt in der Klemme, denn er hat das Bild nicht ordnungsgemäß versichert. Allon will seinem Kumpel nicht helfen, aber seine Frau ist von einem Foto des Gemäldes derart beeindruckt, dass sie ihn zu diesem Einsatz drängt. Und so schlittert der pensionierte Top-Spion mal wieder in die Suche nach Mördern und Verbrechern hinein, die so manche Überraschung und viele gefährliche Situationen mit sich bringt. Denn in Amsterdam stellt sich heraus, dass dieses Gemälde einst einem niederländischen Juden gehörte, von einem SS-Offizier geraubt wurde, und nun offenbar tödliche Geheimnisse birgt. Allon und sein Mossad-Team stoßen auf Nazi-Seilschaften, betrügerische Unternehmer in der Schweiz und weitere Machenschaften – bis hin zum Waffenhandel mit Israels Todfeind Iran. Bis zum überaus dramatischen Finale geht es zu, wie es immer bei Gabriel Allon zugeht: gefährlich, explosiv und ohne Rücksicht auf Verluste.

Mit seinem Buch Die Rembrandt-Affäre beweist Daniel Silva einmal mehr sein Gespür für aktuelle Entwicklungen in den politischen Brandherden unserer Zeit. Er hat das Buch bereits 2010 auf den Markt gebracht, aber an der Atompolitik des Iran hat sich seither nichts geändert. Und auch die feindliche Haltung des Iran gegenüber dem Staat Israel sorgt weiter für Sorgenfalten bei etlichen Außenpolitikern in der westlichen Welt. Ob Israel dagegen abermals bereit wäre, einen Präventivschlag gegen das Mullah-Regime zu starten, ist auch für Experten schwer abzuschätzen. Auf jeden Fall ist das in Silvas Thriller geschilderte Szenario – von einigen speziellen Randaspekten abgesehen – durchaus realistisch.

Ich kann hier nicht zu viel vorwegnehmen, aber feststellen, dass der Plot die Realität fast überholt. Nun mag man an den Romanen von Daniel Silva kritisieren, dass er Israel und den Mossad zu undifferenziert und zu heroisch darstellt, aber er ist nun mal kein iranischer oder arabischer Autor. Daher ist im Grunde nicht zu erwarten, dass er Gut und Böse hier in Grau-schattierungen darstellt. Die Schwierigkeiten, in die Allon und sein Team geraten, die Vorbehalte bei den westlichen Verbündeten, und auch die durchaus vorhandenen Selbstzweifel bei den israelischen Agenten sind in meinen Augen ausreichend, um eine zu heftige Glorifizierung zu verhindern.

Richtig Pep bekommt der Roman dann durch die zweite Geschichte, die in der Handlung drinsteckt. Die Nazi-Verstrickung, die wechselvolle Geschichte des Rembrandt-Bildes und die Verwicklung eines scheinbar renommierten Schweizer Unternehmens in überaus dubiose Geschäfte schrauben die Spannung noch mal kräftig nach oben. Auch in diesem Roman zeigt Silva einmal mehr, dass er ein hervorragender Geschichtenerzähler ist. Wer die Vorgänger-Bände aus der Gabriel-Allon-Reihe gelesen hat, und mit der Lektüre dieses Buches beginnt, fühlt sich, als ob er nach Hause gekommen sei und alte Freund zu Besuch sind. Silva macht ansatzlos da weiter, wo er im vorherigen Buch aufgehört hat. Dennoch habe ich ganz persönlich den Eindruck, dass man im Grunde an jedem Punkt der Reihe einsteigen kann. Das wird durch den Kurzabriss am Ende jedes Buches der Reihe sehr gut unterstützt.

Der Autor hat in diesem Buch einige "leisere" Stellen eingebaut, nachdenkliche Gespräche, gefühlvolle Schilderungen der Vergangenheit. Es ist durchaus wohltuend, mal mit etwas weniger Action konfrontiert zu werden – ohne dass die Spannung darunter leidet. Denn wie gewohnt arbeitet Silva mit gekonnten Umschnitten, setzt Cliffhanger und wechselnde Schauplätze ein. In der Riege der Autoren von Agenten-Thrillern spielt Daniel Silva nach wie vor an der Spitze mit – und so lange seine Plots derart einfallsreich sind, wird das auch so bleiben.

Die Rembrandt Affäre

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