Das Gesetz des Sterbens

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • London: Orion, 2015, Titel: 'Even Dogs in the Wild', Seiten: 353, Originalsprache
  • München: Manhattan, 2016, Seiten: 464, Übersetzt: Conny Lösch
  • München: Goldmann, 2018, Seiten: 477

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Jörg Kijanski
Von wegen Ruhestand - John Rebus ermittelt weiter

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2016

In seinem Arbeitszimmer wird Lord Minton erschlagen aufgefunden, der frühere Chefjustiziar der schottischen Exekutive. Siobhan Clarke ermittelt, wobei der Fall zunächst nach einem missglückten Einbruch aussieht. Doch ein Zettel im Portemonnaie des Lords ändert alles: "Ich werde dich töten für das, was du getan hast". Big Ger Cafferty, der alternde Gangsterboss von Edinburgh, erhält dieselbe Nachricht; wenig später verfehlt ihn ein Schuss nur knapp. Mit der Polizei will er auf keinen Fall reden, so dass Clarke ihren früheren Chef John Rebus einschaltet.

 

"Dann sollten wir nach einer Verbindung zwischen Cafferty und Minton suchen."
"Cafferty behauptet, es gibt keine."
"Eine Form von Selbstjustiz?"
"Was ist mit Rebus?"
"Was soll mit ihm sein?"
"Er versteht sich ganz gut mit Cafferty, oder?"
"Sozusagen. Meinst du, wir sollten ihn einbinden?"
"In beratender Funktion. Wahrscheinlich ist es besser, wenn er im Zelt steht und rauspisst, als umgekehrt."

 

Cafferty kämpft mit Darryl Christie um die Vormacht in Edinburgh. Und noch ein Dritter Gangster mischt plötzlich mit. Joe Stark, der Unterweltboss aus Glasgow, dem gleich ein ganzer Polizeitrupp auf der Spur ist. Stark ist hinter Hamish Wright her, einem "Spediteur", der wertvolle Waren unterschlagen hat. Die Polizisten aus Glasgow wollen beide gleichzeitig schnappen, während Malcolm Fox in die Truppe eingeschleust wird, um deren nicht immer ganz saubere Überwachungsmethoden zu verfolgen. Der Mord an Minton und der Anschlag auf Cafferty geben zunehmend Rätsel auf, doch dann droht die Lage zu explodieren als ein einflussreicher Gangster erschossen wird.

Edinburgh und Glasgow, Väter und Söhne, rohe Gewalt und fehlende Gefühle

Der erfolgreichste Krimiautor des Vereinigten Königreichs schickt einmal mehr seinen besten Mann ins Rennen. John Rebus, seit einem Monat im Ruhestand, ist schon bald unentbehrlich, denn der alte Haudegen hat noch immer beste Kontakte zu den Gangsterbossen der Stadt. Rebus und Cafferty waren lange Zeit die besten Feinde, nach einer Verurteilung Caffertys kam es zu dessen plötzlicher Erkrankung, der eine ebensolche Genesung folgte. Seitdem hat sich Cafferty ein wenig zurückgezogen, doch wer einmal der Macht verfallen ist, kann sich dieser nur schwer entziehen.

 

"Sicher meldet er sich, wenn er's erfährt."
"Wer weiß, was er macht - wir reden immerhin von Cafferty."

 

Ian Rankin bleibt auch im zwanzigsten Fall seiner bewährten Rezeptur treu und so ermittelt einmal mehr das Trio Siobhan Clarke, Malcolm Fox und eben John Rebus. Clarke ist eifrig wie immer, kommt aber nicht richtig voran. Fox, der früher gegen die eigenen Kollegen ermittelte, darunter ein gewisser John Rebus, ist der klassisch-überkorrekte Einzelgänger. Und Rebus? Ein Polizist im Ruhestand, den es noch immer in den Fingern juckt, wenn es gegen die großen Bosse geht. Trotzdem finden vor allem Rebus und Cafferty überraschend zusammen, aber auch das Verhältnis zu Fox entspannt sich zunehmend, wenngleich Rebus diesen mit Argusaugen beobachtet, hat er doch ein loses Verhältnis mit Clarke.

Neben den Reibereien und Machtspielen der Gangsterpaten spielt noch eine zweite Geschichte, die sich aber erst im späteren Verlauf entwickelt und die entscheidende Wende bringen wird. Die Ereignisse, die alles ins Rollen gebracht haben, liegen vierzig Jahre zurück und werden im Prolog kurz angerissen. Darin spielt ein Lied der Gruppe The Associates mit dem Titel "Even Dogs in the Wild" eine zentrale Rolle. Es handelt von einem verlassenen, aber ebenso missbrauchten Kind. Der Songtitel entspricht dem englischen Buchtitel, der in Das Gesetz des Sterbens etwas unglücklich "übersetzt" wurde. Das Original trifft es deutlich prägnanter, denn es geht vorrangig um Menschen, die ihre Macht missbrauchen und sich wie Tiere verhalten. Thematisiert wird außerdem das fragile Verhältnis zwischen Vätern und Söhnen, denen die Fähigkeit miteinander zu reden abhanden gekommen ist und den daraus resultierenden, mitunter bitteren Folgen.

Ein gut konstruierter Plot, knackige Dialoge und kritische Gesellschaftsanalysen der Kategorie "Die da oben, wir hier unten" prägen den gewohnten Erzählstil. Dies alles vor der Kulisse der nach wie vor düsteren Stadt im Schatten von Castle Edinburgh. Rankin entführt dabei die Leser gleich in doppelter Hinsicht in die Vergangenheit, denn hier liegt nicht nur Schlüssel zur Auflösung. Auch die (gänzlich ausländerfreie) Verbrecherszene und ihr rohes, oft plumpes Verhalten ohne jedweden technischen Schnick-Schnack scheinen in der "guten alten Zeit" verortet zu sein. Frei nach Rebus: "Darauf ein IPA." Prost!

Das Gesetz des Sterbens

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Letzte Kommentare:
10.01.2018 21:17:18
meier13

Ich beurteile Rankin nicht nach der Zeichnung einzelner Charaktere sondern nach der Klasse seiner Dialoge und der Stimmigkeit der Story. Zugegeben bin ich oft zu geizig, mir die Hardcoverausgabe zu kaufen und warte auf das Taschenbuch. Diesmal hätte ich bereits bei HC zuschlagen sollen, denn Rankin ist einmal mehr in Höchstform, Unterhaltung auf höchstem Niveau bis zur letzten Seite.

24.08.2016 17:39:37
Irene Müller

Vorweg, ich bin ein bekennender Fan von Ian Rankin. Auch das neue Buch - Das Gesetz des Sterbens - ist für Krimileser einfach eine Freude. Was bin ich froh, dass Rebus weiter ermitteln darf. Ich kann die Kritik von Hulda63 nicht teilen. Rankin schreibt nicht übermäßig blutrünstig und die Figuren haben sich von Buch zu Buch weiter entwickelt, dass Malcom Fox etwas blutleer rüberkommt, ist doch normal, im richtigen Leben ist es doch auch so. Er muss doch zu Rebus einen Gegenpart einnehmen. In diesem Buch, hat Rankin ihm doch schon etwas mehr Farbe verliehen. Mehr würde dem Roman nicht gut tun. Die Handlungsstränge sind gut verfolgbar und auch logisch aufgebaut.Jedes Buch ist in sich abgeschlossen. Für mich war es wieder ein Fest, leider muss ich wieder lange warten bis ein neues Buch von IR erscheint.

07.08.2016 10:57:57
Hulda63

Ich hatte mich sehr auf das neue Buch gefreut und bin einigermaßen ernüchtert.
Langweilig und verwirrend.
Erstmalig wäre eine Namensliste hilfreich.

OK, bin auf Seite 100 und habe noch Zeit.
Allerdings stört mich dieser Malcolm Fox, der bis jetzt die herausragende Rolle spielt, doch sehr.
Dann wieder mal Big GerGafferty.

Die letzten beiden Bände waren so herausragend, dass ich schon überlege, das Lesen abzubrechen und dieses Buch zu verscherbeln.
Die nächsten 50 Seiten gebe ich mir noch, dann wird diese Kritik aktualisiert.

14.07.2016 19:50:32
oldman

Rankin hat in anderen Büchern versucht, mit Malcolm Fox eine neue Figur aufzubauen, die das krasse Gegenteil des charismatischen Individualisten Rebus ist. Hat nicht geklappt, diese Figur ist viel zu blutarm, und so ist Rebus bereits wieder aufgetaucht, nun ermittelt man gemeinsam. Dabei bleibt Fox nach wie vor farblos, Rebus dagegen ist gut wie immer. Diesen Charakter hat der Autor einfach genial entwickelt, und sie macht Fans wie mir immer noch Freude. Ach ja, die Story ist verzwickt, spannend und wird gut aufgelöst. Rankin kann halt schreiben, deshalb gehört er auch zu meinen Top Five Autoren im Genre Krimi. Der neue Band ist uneingeschränkt empfehlenswert und für Krimifreunde ein " Muß " . Vielleicht gelingt es IR in kommenden Bänden sogar, der Fox-Figur etwas mehr Leben einzuhauchen. Würde mich freuen.