Die dunkelste Stunde der Nacht (Ein Inspector-Rebus-Roman 25)

  • Goldmann
  • Erschienen: September 2025
  • 2
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Sabine Bongenberg
65°1001

Krimi-Couch Rezension vonFeb 2026

Manchmal so lang wie eine schottische Winternacht.

Detective John Rebus ist tatsächlich ganz unten angekommen: Wegen eines versuchten Mordes ist er in „her Majesties Prison Saughton“ in Edinburgh eingefahren und soll hier den Rest seines Lebens bleiben. Ein ehemaliger Inspektor unter vielen schweren Jungs, die er möglicherweise höchstpersönlich hier reingebracht hat! Es ist schwer zu fassen. Dennoch stellt Rebus fest, dass auch hier sein altes detektivisches Gespür gefragt ist, gibt es doch alsbald sogar im Knast Arbeit für ihn: Der Mitgefangene Jackie Simpson wurde mitten in der Nacht ermordet und angeblich hat niemand weder etwas gesehen – noch etwas gehört. Rebus kann es nicht lassen und beginnt neben der Polizei auf seine eigene Art und Weise zu ermitteln. Eines sollte er dabei aber gut bedenken: Im Knast hat jeder seine Freunde und seine Feinde. Aber ein Detective, der hier einsitzt, der tut gut daran, seine wenigen Freunde zu behalten…

Ein Polizist im Knast und ein tiefer Fall

In dem 25. Band über den eigenbrötlerischen Detective John Rebus lässt der schottische Autor Ian Rankin seinen Helden tief fallen. Er ist jetzt da, wo er viele Missetäter hingebracht hat und so beschreibt der Romantitel mit der dunkelsten Stunde der Nacht vielleicht auch seinen aktuellen Zustand. Diese Einschätzung ist sicher nicht von der Hand zu weisen, kennen doch sicher viele von uns diese Stunde. Manchmal nennt man sie auch die „Wolfsstunde“ - und zwischen drei und vier Uhr ist für viele mit Sorgen die Nacht beendet. 
Wer diese rabenschwarze Stunde kennt, hätte bestimmt eine melancholische Geschichte erwartet. Eine Geschichte, von einem Mann, der erkennen muss, dass er gescheitert ist und der nicht weiß, wie er aus dieser Situation herauskommen kann. Verbunden mit einem düsteren Kriminalfall und dann auch noch mit verschiedenen Zusammentreffen mit den alten Kollegen, deren „normales“ Leben weitergeht, hätte ich mir hier eine zerrissene aber auch spannende Geschichte gedacht. 

Vielleicht war ich zu sehr ein Opfer dieser Erwartungen, um Rankins neusten Roman richtig genießen zu können. Sein Held agiert eigentlich so lakonisch, knapp und eigenwillig wie immer und es entstand nicht der Eindruck, dass sich John Rebus nachts schlaflos auf seiner dünnen Matratze umher wälzt. Ganz im Gegenteil – Rebus macht den Eindruck, dass er eigentlich ganz gut zurechtkommt, sieht man davon ab, dass sich ein Pub-Besuch eher schwierig gestaltet.  
Allerdings konnte ich mich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass es in britischen Knästen schon ein wenig „eigenartig“ zugeht. Denn wenn es fast schon zum guten Ton gehört, das eigene Handy unter der Bettdecke zu verstecken und bei Bedarf auch mal schnell einen Außentermin zu erledigen, dann kann man auch hier getrost eine „gute Nacht“ wünschen. Was mir übrigens auch schwer fiel zu glauben war, dass in Großbritannien tatsächlich 20 Jahre für einen Mordversuch fällig sind.

Viele Kriminelle, viele Kollegen, viele Personen

Neben dem Mord im Gefängnis erzählt Rankin noch in einem zweiten Strang über das Verschwinden der 14jährigen Jasmine Andrews. Hier ermittelt Rebus‘ ehemalige Untergebene DI Siobhan Clarke und schnell stellt sie fest, dass das Mädchen offensichtlich in die Untiefen des Internets geriet. Der Mord im Knast und die Suche nach der verschwundenen Heranwachsenden spielen sich nebeneinander ab, weitere Fälle mit eigenwilligen Ermittlern stoßen dazu und führen zu einer Vielzahl von Personen und Motiven, die ins Feld geführt werden und so zu einem verworrenen Fall beitragen, der mich teilweise überforderte. Rankin hat hier viel gewollt und manchmal stellt man sich doch die Frage, ob hier nicht doch ein deutliches Weniger ein erhebliches Mehr gewesen wäre. 
Immerhin, Rankin wäre nicht der Autor, der er ist, wenn er nicht das verworrene Knäuel entwirren und die Fälle sauber auflösen könnte. Dafür muss der/die Leser*in aber einiges an Geduld aufwenden und manchmal wäre mir eine straffere Handlung lieber gewesen. Dennoch – Rankin lässt seinen Helden auf seine eigene Art durch den Knastalltag navigieren und erlaubt gelegentlich sogar noch ein wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft und damit auf weitere Romane um das Leben John Rebus‘.

Fazit

John Rebus - wir haben mit ihm Freud und Leid und schwierige Zeiten geteilt. Wahre Freunde halten dann auch die Zeiten durch, wenn ein Roman vielleicht nicht der allerbeste aus der Reihe ist. Wie Rebus bleibt auch allen Leserinnen und Lesern die Hoffnung auf bessere Zeiten, die dann auch hoffentlich bald anbrechen.

Die dunkelste Stunde der Nacht (Ein Inspector-Rebus-Roman 25)

Ian Rankin, Goldmann

Die dunkelste Stunde der Nacht (Ein Inspector-Rebus-Roman 25)

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