Mädchengrab

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • London: Orion, 2012, Titel: 'Standing in another man´s grave', Originalsprache
  • München: Der Hörverlag, 2013, Seiten: 6, Übersetzt: Gottfried John

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Lars Schafft
Endlich: Rebus ist wieder da

Buch-Rezension von Lars Schafft Dez 2012

Was haben wir es vermisst, dieses schottische Raubein namens Detective Inspector John Rebus aus Edinburgh! 1987, also vor mehr als fünfundzwanzig Jahren, schickte Autor Ian Rankin den Ermittler ins Rennen, 2007 in Rente. Rückblickend muss man mit Fug und Recht behaupten, dass der Schotte mit seinem Serienhelden eine der bemerkenswertesten Figuren der Krimilandschaft in dieser Zeit geschaffen hat. Nun kehrt er in Mädchengrab zurück - und mit jeder Zeile wird einem klar, dass auch der Schöpfer von Rebus nicht loskommt. Er mag in einfach zu sehr. Und schickt ihn in einen seiner besten Fälle.

Rebus ist eigentlich in Rente, doch so ganz will er sich mit der zwangsverordneten Freizeit nicht anfreunden. Als eine Art freier Mitarbeiter ist er in einer kleinen Abteilung für die "kalten Fälle" angestellt. Solche also, nach denen eigentlich kein Hahn mehr kräht. Auslastung und Herausforderung sieht anders aus, weswegen er sich der Nachricht einer Lektorin widmet, die die Polizei auffordert, den Fall ihrer seit Jahren vermissten Tochter wieder aufzurollen, die seinerzeit an der Autobahn A9 spurlos verschwand. Rebus, der alte Schnüffler, tut genau das, was er am besten kann: Er geht der Sache auf eigene Faust nach und stößt schon bald auf ähnliche Fälle. Doch auch an Grenzen: Er benötigt die offizielle Unterstützung und findet sie in Form von Siobhan Clarke (zuerst in Verschlüsselte Wahrheit, 1993), die mittlerweile die Karriereleiter der Lothian and Borders Police hochgeklettert ist.

Die Suche nach den vermissten Mädchen erweist sich als zäh. Bis auf die Tatsache, dass die drei kurz vor ihrem Verschwinden ein Foto per Handy an einen scheinbar willkürlichen Kontakt verschickt hatten, gibt es praktisch keine Ansatzpunkte. Dann aber wird ein Grab an der A9 entdeckt. Und die Geschichte nimmt Fahrt auf...

Rankin hat mit Mädchengrab das Rad nicht neu erfunden. Rebus ist ganz der Alte, säuft, quarzt so viel, dass man beim Lesen einen Raucherhusten bekommt, hört seine alten Rock´n´Roll-Platten und lehnt sich auf, wo immer er kann. Sein trockener Humor darf dabei natürlich nicht fehlen, so wie er beispielsweise eine etwas übermäßg gepiercte Kellnerin auf einen Drink einlädt, nur um zu schauen, ob sie dabei nicht ausläuft...

Alte Weggefährten wie Siobhan Clarke - interessanter Rollenwechsel, nun ist Rebus ihr unterstellt - oder Edinburghs Oberschurke "Big Ger" Cafferty, mit dem sich Rebus mittlerweile öfters auf ein Bierchen im Pub trifft (informeller Informationsaustausch), norden den Protagonisten ein in eine Welt, die sich in wahnsinniger Geschwindigkeit geändert zu haben scheint. Eine Welt von Anzugsträgern und Political Correctness, die gar nicht Rebus´ zu sein scheint ("Warum schicken sie mir das nicht per E-Mail?") und es wohl auch nicht mehr werden wird.

Neben der Schilderung der ganz alltäglichen Polizeiarbeiten (die viel Raum einnimmt), zeigt sich Ian Rankin aber auch als Chronist Schottlands, der mehr oder minder am Rande auch davon berichtet, wie sich seine Heimat verändert. Fast à la Road-Movie schickt er Rebus durch Schottland zu Orten, die nichtmals Einheimische "auf der Karte finden würden". Da macht die im Buch abgedruckte Landkarte durchaus Sinn, wenngleich sie wegen des Maßstabs nicht wirklich Orientierung bietet.

Literarisch hält Rankin an seinem Jekyll-und-Hide-Motiv fest: Sein Schottland kennt kein Schwarz und Weiß, kein reines Gut und Böse. Um dies zu unterstreichen, bedient er sich eines netten Kniffs: Malcolm Fox, eine weitere Serienfigur Rankin´s, die er nach dem vermeintlich letzten Rebus-Roman kreierte, taucht in Mädchengrab in ganz neuer Rolle auf. Wer auf welcher Seite steht - diese Frage muss der Leser für sich selbst beantworten.

So bleibt unterm Strich nicht nur die reine Freude darüber, mit John Rebus nicht nur einen alten Bekannten wiederzusehen, sondern ihn in einem der besten Romane der Reihe überhaupt durch Schottland begleiten zu dürfen. Und es wird auch dieses Mal wohl nicht sein letzter sein...

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