Ehrensache

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • London: Orion, 1992, Titel: 'Strip Jack', Originalsprache
  • München: Goldmann, 2002, Seiten: 381, Übersetzt: Ellen Schlootz
  • New York: St. Martin, 1994, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2006, Seiten: 381

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Lars Schafft
Ein kleines Häkchen vor dem netten Finale

Buch-Rezension von Lars Schafft Mai 2003

Es kann kein Zufall sein: Ausgerechnet bei der eigentlich geheimen Operation "Hush Puppies", der Razzia in einem Edinburgher Bordell, wird dort der populäre Abgeordnete Gregor Jack aufgefunden - und eine Heerschar von Journalisten droht mit ihrer Anwesenheit Jacks politisches Ende einzuläuten. Detective Inspector John Rebus beginnt mit seinem jungen Kollegen Brian Holmes zu ermitteln, doch warum Jack und die Medien bei Hush Puppies mitwirkten bleibt genau so unklar wie das Verbleiben Jacks Ehefrau Liz - bis Sie als Wasserleiche wiedergefunden wird.

Rebus recherchiert - in eine andere Richtung als seine Vorgesetzten sehen wollen - nach Motiven und stößt auf eine gar nicht so blütenweiße Weste des Abgeordneten. Seine Frau heiratete er nur wegen ihres Geldes und ihrer gesellschaftlichen Stellung, sie liebte einen exzentrentrischen Lebensstil mit orgiastischen Partys und seine Schwester muss sich ihren Lebensunterhalt recht unehrenhaft erarbeiten.

Und dann wäre da noch die "Meute": die langjährigen Freunde des Ehepaars. Einer sitzt wegen Mordes in psychiatrischer Behandlung, ein anderer ist Schauspieler mit Weltruhm, einer verkauft Bücher - ein undurchschaubares Dickicht an Beziehungen und Animositäten. Einer davon muss es gewesen, doch wer?

Rankins vierter Rebus-Roman ist somit ein klassischer "Whodunit" mit einem netten Finale, das den Leser erst auf die richtige Fährte drängt, um kurz davor ein "Häkchen" zu schlagen. Darüber hinaus schildert Rankin herrlich britisch-ironische Dialoge (besonders zwischen Youngster-Seargeant Brian Holmes und Inspecor John Rebus) und lässt seinen Protagonisten sich weiterentwickeln (immer in der Zwickmühle zwischen Job, persönlicher Freiheit und seiner Beziehung) und zeichnet mit dem koffein- und alkoholsüchtigen Super Intendent "Farmer Watson" und dem sonst immer strahlendem, nach dem Mord und der Verleumdungskapagne recht abgewracktem Politiker (mehr Schein als sein?) Gregor Jack wunderbare Charaktere.

Alles in einem ein guter, durchaus gesellschaftskritischer (Polit)-Krimi mit nur einem Manko: Leider ist die Übersetzung des Titels (im Original "Strip Jack") misslungen. Denn mit dem Titel spielt Rankin wieder einmal gekonnt mit dem Leser: "Strip Jack" ist ein Kartenspiel, das auch unter dem Namen "Bettelmann" bekannt ist. Und Gregor Jack wurde eben nicht nur mit wenig bekleideten Prostituierten erwischt, sondern wird von der "Meute" seit Jugendtagen "Beggar" (Bettler) genannt. Auch Rebus (lateinisch für Bilderrätsel) sinniert darüber, dass nicht nur Jacks Name Ähnlichkeit mit einem Kartenspiel aufweist, sondern auch der von seiner Freundin Dr. Patience Aitkin...

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