Der Rache kaltes Schwert

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • München: Goldmann, 2003, Seiten: 439
  • München: Goldmann, 2008, Seiten: 448, Übersetzt: Andreas Jäger
  • New York: Bantam, 2002, Titel: 'And justice there is none', Seiten: 318, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2004, Seiten: 439
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 439

Couch-Wertung:

84°
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Sabine Reiß
Spannend bis zum Ende

Buch-Rezension von Sabine Reiß Mai 2003

Inspector Gemma James und ihr Lebensgefährte Duncan Kincaid haben sich soeben ein Haus angeschaut, das sie gemeinsam beziehen wollen, als die Idylle durch einen Anruf gestört wird. Die junge, hübsche Dawn, Frau des wesentlich älteren Antiquitätenhändlers Karl Arrowood, wurde erstochen in der Auffahrt ihres Hauses aufgefunden, und zwar von ihrem Mann. Duncan begleitet seine Lebensgefährtin zum Tatort, wohlwissend, dass das nicht ohne Brisanz ist. Erstens weiß noch nicht jeder von ihrer Beziehung und zweitens war Gemma seine frühere Assistentin. Er will daher auch nicht den Eindruck erwecken, dass er ihr ihre neue Aufgabe nicht zutraue. Am Fundort der Leiche angekommen, erkennt er Parallelen zwischen dem Mord an Dawn und einen ungeklärten Fall, in dem er in der Vergangenheit ermittelte.

Karl Arrowood verdient sein Geld nicht nur mit Antiquitäten, das stellt sich nach einiger Zeit heraus, und er ist skrupellos und zu allem fähig. Hat er herausbekommen, dass seine Frau ein Verhältnis mit Alex Dunn hatte? Am Tage ihres Todes hat sie erfahren, dass sie schwanger ist, und da sich Karl hat sterilisieren lassen, kommt eigentlich nur Alex als Vater des Kindes in Frage, auch wenn Karl die Möglichkeit eines unzuverlässigen Eingriffs bei ihm nicht rigoros ausgeschlossen hat. Zumindest schien er überrascht, als er davon erfahren hat. Auch seine beiden Söhne aus erster Ehe stehen unter Verdacht, da ihr Vater gerade sein Testament geändert hatte und seine junge Frau zur Alleinerbin ernannte.

Duncan befasst sich derweil noch einmal mit der alten Spur und besucht die Tochter des ersten Opfers, doch er kann einfach keine Beziehung zwischen den Taten herstellen. Nach und nach haben er und Gemma zumindest genügend Verdächtige. Auch Alex gehört dazu, obwohl er sehr verstört auf den Tod seiner Geliebten reagiert hat. Und was hat der Tierarzt Gavin zu verbergen, dessen Interesse an Dawn mehr als nur geschäftlicher Natur war?

Deborah Crombie hat nun inzwischen das achte Abenteuer von Gemma James und Duncan Kincaid vorgelegt. Wer Gemma bisher nur die Assistentin, so steht sie in diesem Band mehr im Vordergrund und die Dinge werden aus ihrer Sicht geschildert. Der Leser begleitet sie bei den Ermittlungen und Duncan hat dieses Mal den geringeren Part. Auch privat erfährt man einiges Neues von den beiden, was den Roman so beschaulich macht. Gemmas Schwangerschaft, das gemeinsame Haus, der Umzug von Duncans Sohn Kit aus erster Ehe, all das wird recht detailliert beschrieben. Auch die beiden Ermittler suchen die Nähe zu den Verdächtigen mehr als in anderen Krimis, so dass auch die anderen Figuren sehr gut charakterisiert werden. Eben diese Details machen den Roman zu dem, was er ist. Kein knallharter Thriller, kein Action-Krimi, sondern ein typisch englischer Whodunit-Plot, bei dem die Nebenhandlung nicht unerheblich für den Lesespaß ist. Man möchte glatt eine Tasse Tee aufbrühen und die beiden zu sich einladen. Auch die einleitenden Worte bei jedem Kapitel, die das Portobello der 60er Jahre schildern, tragen zu dieser Atmosphäre bei. Umso verwunderlicher ist es, wenn man hört, dass Deborah Crombie Amerikanerin ist. Ihre Krimis sind auf jeden Fall "very british".

Als weiteren Pluspunkt kann man den gelungenen Spannungsaufbau bezeichnen. Nicht nur, dass etliche Verdächtige präsentiert werden, nein, erst nach und nach werden die Zusammenhänge enthüllt. Natürlich weiß der geneigte Leser, dass es eine Verbindung zwischen den Einschüben aus der Vergangenheit und der laufenden Handlung geben muss, doch erstens kristallisiert sich diese nicht zu früh heraus und zweitens wird der Täter erst ganz am Ende enthüllt; vom Leser wahrscheinlich einen Augenblick früher als von der Polizei, schließlich ist man schlau und hat seine Augen überall.

Leicht und flüssig zu lesen und spannend bis zum Ende ist dieser beschauliche Krimi am besten mit einer Tasse Tee und einer Decke auf der Couch zu genießen. "Der Rache kaltes Schwert" übertrifft den Vorgängerroman um Längen und kann ohne Zögern zu den Highlights der Serie gezählt werden. Wer allerdings Krimis von Martha Grimes und Elizabeth George rigoros ablehnt, sollte auch dieses Buch im Regal lassen...

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