Wer Blut vergießt

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Goldmann, 2013, Seiten: 400, Übersetzt: ?

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Silke Wronkowski
Willkommen zuhause!

Buch-Rezension von Silke Wronkowski Dez 2012

Ein neuer Fall für DI Gemma James: Im Stadtteil Chrystal Palace im Londoner Süden wird eine männliche Leiche in einem heruntergekommenen Hotel entdeckt, fein säuberlich verschnürt. Schnell wird ihr und ihrer Assistentin DS Melody Talbot aber klar, dass ein fehlgeschlagenes Bondage-Sexspiel so gar nicht zu dem biederen und unbeliebten Opfer Vincent Arnott, Prozessanwalt, passen will, obwohl er ein dunkles Geheimnis zu haben scheint, während er daheim akribisch und über-fürsorglich seine an Alzheimer erkrankte Ehefrau pflegt. Als dann ein weiterer Mord auf ähnliche Weise an einem jungen Anwaltsreferendar in Kennington passiert, muss das Rätsel um die Gemeinsamkeit der Opfer schnell geklärt werden, denn an einen Anwalt mordenden Irren will die Londoner Polizei nicht so recht glauben.

Arnott hatte am Abend des Mordes einen Streit mit einem Gitarristen im Pub. Der gut aussehende Andy Monahan ist zwar in Chrystal Palace aufgewachsen, kannte Vincent Arnott aber nicht. Doch mit Shaun Francis, dem zweiten Opfer, verbindet ihn ein dunkler Fleck in ihrer Teenagerzeit. Egal ob Täter, Zeuge oder König Zufall, dass DS Talbot sich bis über beide Ohren in den talentierten jungen Musiker verschießt, ist gegen alle Regeln und macht die Ermittlungen nicht gerade leichter. Duncan Kincaid – eigentlich in Elternzeit – und sein ehemaliger krankgeschriebener Sergeant Doug Cullen können natürlich auch nicht die Füße still halten, und ermitteln alsbald mit.

Auch im fünfzehnten Fall greift Deborah Crombie auf altbewährte Pfade zurück: Es gibt ein Verbrechen, es gibt noch eines, es gibt eingestreute Passagen, die aus der Ich-Perspektive eines Unbekannten eine Geschichte aus der Vergangenheit erzählen und nach und nach verstricken sich die Beziehungen, tauchen Fährten auf, die sich als falsch oder missinterpretiert erweisen und doch zum Ziel führen. Das große Ganze lässt sie durch die Notting Hiller Patchwork-Familie um die beiden Polizeibeamten Duncan Kincaid und Gemma Jones zusammenhalten, die mittlerweile aus zwei Erwachsenen, zwei Hunden und drei Kindern besteht.

Oh nein, Langeweile kommt bei Wer Blut vergießt nicht auf! Die Autorin versteht die Bühne "London" mit Leben und Charme zu füllen und präsentiert auch dieses Mal wieder ein Verbrechen, dessen Motive sich auch dem Leser erst nach und nach erschließen. Die Puzzleteile am Ende allesamt zu verbinden, ihre Protagonisten die alltäglichen Problemchen meistern zu lassen und diese großartige Weltmetropole mit einem liebevollen Blick zu sehen, das versteht Mrs Crombie meisterlich.

Ihren Kolleginnen der Häkel/Landhaus/Cozy-Krimis ist sie dabei weit voraus, entwickeln sich doch ihre Hauptcharaktere kontinuierlich weiter. Das zu Beginn der Serie Chef-Untergebene-Verhältnis zwischen Duncan und Gemma ist längst aufgebrochen, da beide in unterschiedlichen Revieren mit neuen Kollegen zusammenarbeiten, die sich ihrerseits wieder zu immer wiederkehrenden Protagonisten ihrer Serie entwickeln. Geschickt flechtet sie außerdem alte Freunde, Verdächtige und Zeugen ein, so dass die acht Millionen Metropole einen dörflichen Touch erhält – kein Wunder, scheint doch auch die Autorin sich auf die touristisch erschlossenen Gebiete zu beschränken, die in kleinen Zitaten zu Beginn ihrer Kapitel immer wieder beschrieben werden.

Und auch wenn die Frauenquote bei der britischen Polizei in Wer Blut vergießt arg überdimensioniert anmutet und die glücklichen Enden einer Seifenoper Konkurrenz machen könnten, ein wohlgemeinter Appell an die männliche Leserschaft: Greifen Sie zu! Amerikanerinnen können sehr wohl leichte, unblutige Krimiunterhaltung ins britische Königreich schreiben und dabei fesselnde Plots entwickeln.

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