Denn nie bist du allein

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 446, Übersetzt: Andreas Jäger
  • New York: William Morrow, 2004, Titel: 'In a Dark House', Seiten: 382, Originalsprache

Couch-Wertung:

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Sabine Reiß
Drei Rätsel sind zu lösen

Buch-Rezension von Sabine Reiß Feb 2005

Eines haben Elizabeth George und Deborah Crombie gemeinsam: die wenig aussagekräftigen Titel, die es einem schwer machen, sich überhaupt den gerade aktuellen zu merken, geschweige denn, jemandem mitzuteilen, welchen Band der Serie man denn nun präferiert. Der inständigen Bitte vieler Leser wird jedoch nicht entsprochen, hier ein wenig Unverwechselbarkeit einzubringen. Allerdings sollte man daraus nicht auf die Qualität der Bücher schließen, wo das eine oder andere gute Unterhaltung bieten kann.

Gleich drei Rätsel sind hier zu lösen:

  • Eine Serie von Brandstiftungen hält die Feuerwehr in Atem und als in den Überresten des letzten Feuers auch noch eine Leiche gefunden wird, muss die Polizei mit ins Boot. Die Frauen im daneben liegenden Frauenhaus geben keine guten Zeugen ab. Da das abgebrannte Lagerhaus einem Politiker gehört, ist Fingerspitzengefühl angesagt und Superintendent Duncan Kincaid von Scotland Yard wird der örtlichen Polizei als (V)ermittler zur Seite gestellt. Handelt es sich bei dem Opfer um die Tochter des Politikers?
  • Im Pfarrbezirk in der Nähe wird eine Frau von ihrer Mitbewohnerin als vermisst gemeldet. Hier wird Detective Inspector Gemma James tätig, da sie von der Pfarrerin um Hilfe gebeten wird.
  • Zunächst ohne Zusammenhang dazu scheint die Anzeige eines verzweifelten Vaters zu stehen, der sein Kind vermisst. Auch die Mutter scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein.

Zur Abwechslung mischt sich Gemma James in die Ermittlungen ihres Lebensgefährten ein, im Vorvorgänger "Der Rache kaltes Schwert" war es umgekehrt und im Vorgänger "Nur wenn Du mir vertraust" hatte niemand so recht das Heft in der Hand, da die Handlung außerhalb des Stammreviers London angesiedelt war. Es wirkt ehrlich gesagt schon unrealistisch, was sich Gemma herausnimmt, obwohl sie in einem ganz anderen Revier tätig ist und sogar Kincaid nur als Helfer in der Not die Polizei vor Ort unterstützen soll. Da kann man verstehen, dass die leitende Beamtin pikiert reagiert und die Einmischung des Duos nicht gerade begrüßt.

Obwohl sich Frau Crombie mit der Verquickung von gleich drei Fällen und noch mehr Themen (u.a. Brandstiftung, Sorgerechtsstreitigkeiten, Kindesmisshandlung) etwas zuviel zugemutet hat - und damit auch dem Leser - mangelt es nicht an der logischen Auflösung und Darlegung der Zusammenhänge. Was am Anfang noch ein wenig zu bemüht erscheint - Gemma untersucht den Fall einer vermissten Frau, die letztendlich auch in Kincaids Aufgabe eine Rolle spielt - erweist sich schlussendlich als gut durchdacht und wirkt dennoch überfrachtet. Die Autorin weicht hier im übrigen von der Gewohnheit ab, einen Fall aus der Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen.

Die Protagonisten sind inzwischen schon zu guten Bekannten geworden, deren Geschichte man gerne weiterverfolgt. Hier stagniert zwar die Entwicklung im Falle des Sorgerechtsstreits um Duncans Sohn aus erster Ehe, doch dies ist kein Beinbruch. Allerdings ist es für mich nicht nachvollziehbar, dass er die Ermittlungen in einem Mordfall wichtiger nimmt als einen wichtigen privaten Gerichtstermin. Dies passt überhaupt nicht zu den Charakterzügen, die er in den vorigen Büchern an den Tag gelegt hat. Scheinbar wollte die Autorin ihrem allzu perfekten Helden etwas von dem Glanz nehmen, der ihm ansonsten anhaften würde.

Die Atmosphäre wird wirklich gut eingefangen, fesselt aber nicht so sehr, wie die schottischen Highlands im vorherigen Buch der Serie. Ich denke, man könnte "Denn nie bist du allein" sogar unabhängig von den anderen Büchern der Serie lesen, aber nur, wenn man sich für britische Krimis begeistert, ansonsten wäre man doch schwer enttäuscht ob des stereotypen Bilds von England, das einem hier geboten wird. Mit Autoren wie Peter Robinson und Ian Rankin kann man die Autorin nicht vergleichen, denn trotz Mord- und Totschlaggeschichten wird die Welt doch ein wenig heiler und gemütlicher als bei anderen dargestellt. Deborah Crombie, eine Couch und eine Tasse Tee sind jedoch ein gelungenes Trio.

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