So will ich schweigen

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • New York: William Morrow, 2006, Titel: 'Water Like a Stone', Originalsprache
  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 448, Übersetzt: Andreas Jäger

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Sabine Reiß
Es weihnachtet sehr

Buch-Rezension von Sabine Reiß Jul 2006

Deborah Crombies Krimis um das Polizistenpaar Detective Superintendent Duncan Kincaid und seine Lebenspartnerin Detective Inspector Gemma James sind inzwischen schon zu einem Dauerbrenner bei den Liebhabern von englischen Landhauskrimis geworden. Mit So will ich schweigen liegt unterdessen der elfte Band in der deutschen Übersetzung vor. Mit den Schauplätzen sorgt die Autorin für Abwechslung. Obwohl die Handlung meist in London angesiedelt ist, ermittelten die beiden privat verbundenen Polizisten auch schon in Schottland oder in der Provinz. Auch dieses Mal gilt es, ein Verbrechen auf fremdem Terrain aufzuklären. Zwar nicht ganz so fremd für Duncan, da er Weihnachten mit Gemma und den Kindern bei seinen Eltern in Nantwich verbringt, aber ein örtlicher Polizist wird eine Einmischung von Scotland Yard nie freudig begrüßen, selbst wenn es sich wie in diesem Fall um einen früheren Bekannten aus der Schulzeit handelt.

Weihnachten ist hier kein geruhsames Fest

Noch dazu ist Duncans Schwester Juliet in den Fall verwickelt. Zwar steht sie nicht unter Verdacht, doch sie ist es, die am Heiligabend auf einer Baustelle eine Babyleiche findet, die bereits vor Jahren in die Wand eines Bauernhauses eingemauert wurde. Über die Feiertage stocken die Ermittlungen hierzu, aber schon am Tag nach dem 2. Weihnachtsfeiertag kommt es zu noch mehr Aufregung. Ausgerechnet Kit, Duncans Sohn, findet auf seinem frühmorgendlichen Spaziergang die Leiche von Annie Lebow. Er hatte sie am ersten Weihnachtstag zusammen mit seinem Vater kennengelernt und war fasziniert von ihrem Leben auf einem Hausboot, so dass sie ein weiteres Treffen verabredeten. Der leitende Beamte Ronnie Babcock nimmt die Unterstützung von Scotland Yard nun doch an, wohl wissend, dass Kincaid ohnehin nicht locker lassen würde.

Stolze 540 Seiten füllt Deborah Crombies Roman. Sie breitet die Geschichte sehr detailliert aus und legt viel Wert auf die Schilderung der Atmosphäre und der Beziehungen der Figuren untereinander, auch wenn sie für die Auflösung des Falles nicht von Bedeutung sind. Aber gerade das ist es, was die Leser dieser Serie zu schätzen wissen. Sie verfolgen diese sicher nicht nur wegen der zu lösenden Kriminalfälle, sondern auch um zu erfahren, wie es mit der Patchwork-Familie weitergeht, die nicht nur aus Gemma und Duncan besteht, sondern auch aus Toby, dem Sohn Gemmas aus ihrer ersten Ehe und Kit, Duncans Sohns, der nach dem Tod seiner Mutter nun schon seit einiger Zeit bei ihnen lebt. Gemma musste kurz zuvor den Verlust ihres gemeinsamen Babys verkraften und Kit ist ebenfalls noch nicht über den Verlust seiner Mutter hinweg gekommen. Obwohl er sich schon gut eingelebt hat, hat er Probleme in der Schule, die er vor Duncan und Gemma geheim gehalten hat.

Gelungene Atmosphäre

Neben Pubertätsproblemen und der Ehekrise von Juliet greift die Autorin noch ein sehr anrührendes Thema auf, das auch in Deutschland zur Zeit immer wieder die Nachrichten beherrscht: Kindesmisshandlung. Doch nicht schlecht arbeitende Sozialbehörden stehen im Zentrum der Kritik, sondern wie ein zu Unrecht bestehender Verdacht der Fürsorgeverletzung das ganze weitere Leben bestimmt. Nebenbei bindet sie noch interessante Informationen über das entbehrungsreiche Leben der Kanalschiffer in die Handlung mit ein, so dass trotz der Länge für hinreichend Abwechslung gesorgt ist. Obwohl die Spannung insgesamt nicht auf der Strecke bleibt, wünscht man sich jedoch an einigen Punkten ein etwas rascheres Voranschreiten der Handlung.

Deborah Crombies Krimis sind nicht überragend, aber von weitestgehend verlässlicher Qualität. Dies gilt auch für den vorliegenden elften Band. So will ich schweigen reiht sich in der Serie nicht an erster Stelle ein, kann aber einen Platz am oberen Ende ihrer Romane für sich behaupten. Die Amerikanerin sorgt wieder einmal für ein paar unterhaltsame, typisch englische Krimistunden.

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