Dead or Alive

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • New York: G.P. Putnam’s Sons, 2010, Titel: 'Dead or Alive', Originalsprache
  • München: Heyne, 2011, Seiten: 950, Übersetzt: Karlheinz Dürr & Dagmar Mallett
  • München: Heyne, 2012, Seiten: 1039

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Jürgen Priester
Dead, not alive!

Buch-Rezension von Jürgen Priester Okt 2010

Wanted! Dead or Alive! - war in früheren Zeiten eine Aufforderung an die Öffentlichkeit, bei der Suche nach einem Schwerverbrecher zu helfen. Meist war sie verbunden mit einer beträchtlichen Summe als Belohnung, dem sogenannten "Kopfgeld". Wir kennen das am ehesten aus den amerikanischen Western, wenn das Konterfei des Übeltäters an allen Ecken der Stadt prangte. Im Laufe der Zeit bildete sich sogar eine spezielle Berufsgruppe heraus, die der Kopfgeldjäger. Es galt, den Täter als Gefangenen oder als Leiche zum Beweis einer erfolgreichen Jagd der Gerichtsbarkeit vorzuführen. Dead or Alive heißt nun Tom Clancys neustes Werk, und dieser Titel suggeriert, dass es in Clancys Roman eine Alternative zum Töten angeboten würde. Doch seine Antiterror-Einheit macht keine Gefangenen. Im nahezu rechtsfreien Raum, sogar mit einer Generalabsolution des Ex-Präsidenten in der Tasche, werden hier präventiv mutmaßliche Terroristen, deren Hiwis und Sympathisanten liquidiert. Der Krieg gegen den Terror, das martialische Schlagwort der letzten Bush-Administration, findet in Clancys Roman den Widerhall, der eine kritische Lektüre ratsam werden lässt.

Tom Clancy gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Schriftstellern im Segment Spionage- und Politthriller. Schon der Debütroman zur Jack-Ryan-Serie Jagd auf Roter Oktober aus dem Jahre 1984 stürmte die amerikanischen Bestsellerlisten. Weitere Romane folgten. Dank der Verfilmung von Roter Oktober mit Sean Connery und Alec Baldwin in den Hauptrollen bekam die Reihe einen spürbaren Publizitätsschub. Dabei sind Clancys Romane inhaltlich nicht unumstritten. Was die einen begeistert, kritisieren die anderen. Clancys unverhohlener Militarismus, sein Patriotismus und seine Technik-Vernarrtheit sind an den konservativen amerikanischen Mann adressiert. Ein Mann schreibt für Männer über Männer. Dass er trotz der Mankos auch in Deutschland eine treue Leserschaft entwickelt hat, liegt daran, dass er spannende und gut konstruierte Plots zu schreiben wusste ja, leider Imperfekt!

In Tom Clancys Romanreihe hatte es einen Generationswechsel gegeben. Der alte Held Jack Ryan jetzt mit dem Zusatz: senior war zum Präsidenten der Vereinigten Staaten aufgestiegen und stand deshalb für eine Geheimdiensttätigkeit nicht mehr zur Verfügung. Ab Im Auge des Tigers sollte nun sein Sohn Jack jun. die Rolle des Hauptprotagonisten übernehmen, doch die Fußstapfen seines Vaters sind ihm ein paar Nummern zu groß. Clancys krampfhafte Bemühungen, diesem jungen Mann ein markantes Profil zu geben, scheitern kläglich. Des Seniors alte Geheimdienstkumpels dominieren immer noch das Geschehen; die nächste Generation zeichnet sich nur durch Farblosigkeit (Junior) und/oder durch mörderische Brutalität (Caruso-Zwillinge) aus. Dead or Alive ist seinem Vorgänger in vielen Punkten ähnlich, und beide fallen in der Qualität deutlich von den frühen Ryan-Romanen ab. Vielleicht ist das auf den Einfluss von Grant Blackwood (auch Co-Autor von Clive Cussler ) zurückzuführen, der hier erstmalig namentlich als Co-Autor genannt wird. Die Vermutung liegt nahe, dass er schon bei Im Auge des Tigers mitgeschrieben hat. Tom Clancy war, wie zu lesen ist, in der letzten Zeit gesundheitlich nicht auf der Höhe, und er hatte schon früher keine Probleme damit, seinen Namen anderen Autoren zur Verfügung zu stellen. " Tom Clancy" ist mittlerweile eher eine Produktbezeichnung als der Name einer Person.

Wie dem auch sei! Ob nun Clancy himself oder ein Ghostwriter, beide Romane sind im Aufbau sehr schlicht, auch der Inhalt lässt sich in zwei kurzen Sätzen zusammenfassen: Die Einen planen etwas ganz Schreckliches; die Anderen wollen das mit allen Mitteln verhindern. Da das Reagan´sche "Reich des Bösen" in seiner damaligen Form nicht mehr besteht, war auch Tom Clancy gezwungen, nach neuen Feindbildern für seine Geheimdienstmannen Ausschau zu halten. Was läge näher, als auf eine Verschwörung von islamistischen Terroristen zurückzugreifen? Spätestens seit 9/11 bietet sich diese radikale Gruppe in ihren diversen Spielarten als Feind No.1 an.

In Dead or Alive ist es die fiktive URC, die über ein weltweit gespanntes Netzwerk verfügt, unter der Führung des charismatischen "Emirs", eines Mannes, der ohne weiteres der Sohn oder jüngere Bruder von Osama bin Laden sein könnte. Wie dieser lebt auch der "Emir" normalerweise in den unzugänglichen Bergen des Hindukusch im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, wenn er nicht gerade den schlimmsten Terrorakt aller Zeiten vorbereiten muss, der seinen persönlichen Einsatz erfordert. Der geplante Anschlag setzt eine präzise Logistik voraus, dessen einzelne Abschnitte und Stufen Clancy ausführlichst über mehrere hundert Seiten vorstellt. Vom russischen Eismeer über Stationen in Europa und Nordamerika bis hin nach Brasilien sind seine todeswilligen Gotteskrieger beschäftigt, ein Armageddon vorzubereiten. Sie sind sich der tausend Augen der US-amerikanischen Geheimdienste und der Terrorabwehr bewusst, deshalb ist Geheimhaltung alles. Vor Ort angeheuerte Dienstleister werden nach getaner Arbeit prophylaktisch liquidiert, die Kommunikation läuft über direkte Kuriere, nicht entschlüsselbare Einmalcodes oder mit steganographischen Bildern via Internet. Dass die amerikanische Seite überhaupt etwas merkt, grenzt an Wunder. Doch der liebe Gott meint es gut mit "God´s own country", denn er schickt ihnen reichlich Zufallsentdeckungen. Das ist auch bitter nötig. Die Herren vom neugegründeten "Campus", einer vom Ex-Präsidenten Jack Ryan sen. initiierten illegalen Nachrichtenanalyse-Einheit, schwelgen lieber in Erinnerungen an vergangene Großtaten oder sie beweihräuchern sich selbst. Der reine Männerclub besteht aus alt- und ausgedienten Mitarbeitern der Ryan sen.-Ära und den Jungspunden der Next Generation namentlich Jack Ryan jun. und seine Cousins Brian und Dominic Caruso. Ob nun die göttliche Eingebung oder die ererbten Supermann-Gene seines Vaters dafür verantwortlich sind, Jack verknüpft zwei völlig unzusammenhängende Informationen aus einem Wust von Millionen anderer und bekommt so den Anfang des Ariadne-Fadens des Terrors in die Hand. Die "Campus"-Mitarbeiter schwärmen aus, um den Anfangsverdacht einer groß angelegten Aktion des Feindes zu verifizieren. Das wird auch langsam Zeit, denn der ungeduldige Leser ist derweil schon auf Seite 900 angelangt und die cleveren Geheimdienstler sind noch immer ahnungslos, um was es da geht.

Tom Clancy ist nicht nur ein Freund der genauen Beschreibung und Benennung von Waffen und anderem Kriegsgerät, auch die Verwendung von Kürzeln und Akronymen sind ganz sein Ding. Eins davon, in der Geschichte vorkommend, ist KISS das steht für Keep It Simple, Stupid! Ein Grundsatz, den der Autor auch hätte berücksichtigen können, sollen, müssen.

Dead or Alive ist ein aufgeblähtes Etwas so nach dem Motto: Es kreißte der Elefant und gebar eine Maus, denn anstatt eines zu erwartenden Showdowns verpufft das Finale in unerklärte und unerklärbare Einzelaktionen. Das ganze hochtechnische Brimborium der Vorbereitungen und Nachforschungen der Kontrahenten teilweise noch mit völlig sinnlosen geographischen Abbildungen unterlegt endet mit einem Schuss in den Hintern. (kein Scherz!)

Konnte man früher Clancys naive Schwarz-Weiß-Malerei bemängeln auf der einen Seite die abgrundtief Bösen, auf der anderen die heroisch Guten - erblickt man in Dead or alive ein Schwarz-in-Schwarz-Bild, in dem beide Seiten sich in ihrer Grausamkeit zu übertreffen suchen. Der entlarvende Höhepunkt ist eine Folterszene, in der die versammelten Geheimdienstler genüsslich den Handlungen des Folterknechtes zuschauen. Da stehen sie zusammen und zeigen die unabdingbare Härte gegenüber dem Todfeind. Nicht Gott, sondern wir schützen Amerika.

Es wird nicht weiter verwundern, dass der amtierende US-Präsident in Clancys Geschichte, der Nachfolger von Hardliner Jack Ryan sen., ein links-liberales Weichei ist, dessen Inkompetenz zwar gebetsmühlenartig betont, aber nicht genauer definiert wird. Dass er kein Freund des Militärs und der Geheimdienste ist, ist allein schon Grund genug, Jack Ryan sen. aus dem Vorruhestand zu locken und damit ist eine Fortsetzung der Reihe vorprogrammiert. Es bleibt zu hoffen, dass sie aufgrund schlechter Verkaufszahlen ausbleibt.

PS: Das einzig Positive an Clancys Roman sind die altersfreundlichen Großbuchstaben, die ganz ohne Nahsichtgerät 2.0 DPT von Aldi-Optics sprich Lesehilfe gelesen werden können.

Dead or Alive

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Letzte Kommentare:
26.12.2013 13:31:23
Karl-Heinz Baum

Ich habe das Buch erst jetzt gelesen.
Natürlich sind die Amerikaner zumeist die "Guten", war auch nicht anders zu erwarten.
Leichte Kost und schnell zu lesen.
Dachte manchmal an die Bundeswehr in Afghanistan, erst schickt man sie in den Krieg und dann will mes keiner gewesen sein.
Am interessantesten waren für mich die Passagen um den Geheimdienst im "Campus".
Kannte Clancy schon die NSA?

14.01.2013 13:28:16
Wilhem Tell

Klar, dass Jürgen Priester diesem Roman nichts abgewinnen kann wenn man seinen Lebenslauf liest. Da steht .Nach etlichen Jahren als Statistiker im medizinischen Bereich hat ihn sein Engagement in der Friedens- und Ökobewegung andere Wege einschlagen lassen.

Habe angefangen zu lesen und mich interessiert nur die Spannung. Ja es stimmt der US-Patriotismus ist schon übertrieben, aber was solls.

27.03.2011 11:26:06
Ricardo Tiede

Seit Februar besitze ich nun diese Machwerk. Zwischendurch las ich ein Buch von S. Beckett. (Tiere). Nach der Lektüre eines solchen Schreibstils ist clancys plumpe Art doppelt schwer zu ertragen . Bisher habe ich mit viel gutem Willen 330 Seiten geschafft. Es wurde immer blöder und öder. Heute werde ich diesen Fehlkauf entsorgen. Für Mr. Clancy oder seine Schreiberlinge gebe ich nie wieder auch nur einen Cent aus. Wenn ich schlechte Laune bekommen will, kann ich mich auch mit der BILD-Zeitung befassen.

01.02.2011 10:24:56
Thomas Furrer

Ein weiterer, typischer Clancy, mit vielen der altbekannten Charakteren. Das clicheehafte Weltbild "Amerika gut - Islam böse bzw. Islam gut - Amerika böse"" zieht sich durchs ganze Buch. Mit der Zeit ein bisschen eintönig und in die Länge gezogen (1039 Seiten). Wer jedoch auf seine Art Bücher steht, wird den Neuen mögen. (Obwohl ich schon bessere von ihm gelesen hab) 3 von 5 Sternen

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