Eins, zwei, drei und du bist frei

Erschienen: Januar 1998

Bibliographische Angaben

  • New York: Scribner, 1997, Titel: 'Three to get Deadly', Seiten: 300, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1998, Seiten: 351, Übersetzt: Thomas Stegers
  • München: Goldmann, 2000, Seiten: 351
  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 351

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Wolfgang Weninger
Zuckerstückchen auf Onkel Mos Spuren

Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2003

Moses Bedemier, von alen nur Onkel Mo genannt, ist der Liebling aller Kinder in dem Stadtteil, in dem auch Stephanie Plum groß geworden ist, denn Onkel Mo ist der Süßwarenhändler, ein untadeliger, älterer Mitbürger, in diesem Stadtviertel Trentons, dass die Einheimischen "Die Burg" nennen. Hier wohnen in erster Linie italienischstämmige Amerikaner in kleinen Doppelhaushälften und auch unsere Kopfgeldjägerin Stephanie hat neben ihren ungarischen Wurzeln zur Hälfte italienisches Blut geerbt.

Und gerade Stephanie wird die Aufgabe zuteil, diesen Onkel Mo aufzugreifen, denn er wurde wegen unerlaubten Tragens einer Waffe von einem Polizeineuling angezeigt, und hat offensichtlich seinen Gerichtstermin verschwitzt. Stephanie muss vorerst zur Kenntnis nehmen, dass sie den Leuten zutiefst unsympathisch ist, weil sie sich Onkel Mo auf die Spur setzt. Begleitet von ihrer Jagdpartnerin Lula, der Ex-Prostituierten, die man nur hinter vorgehaltener Hand als Dampfwalze bezeichnen darf, verschafft sie sich Zugang zu Onkel Mos Wohnung und Laden und wird dort prompt von einem Fremden aufgestöbert, der allerdings schneller das Zeitliche segnet, als Stephanie es kapiert.

So nebenbei soll sich Stephanie auch noch einen Würstchenverkäufer krallen, aber auch dieser hat etwas dagegen, sich von der kraushaarigen Chaotin in Radlerhosen ergreifen zu lassen.

Und Joe Morelli, der Polizist, der Stephanie in Jugendzeiten die Unschuld geraubt hat, tritt ebenfalls auf den Plan. Auch Stephanies Starkollege Ranger muss gelegentlich aushelfen, aber zumeist kämpft Miss Plum erfolglos mit defekten Autos, plötzlich auftauchenden Leichen, orangen Haaren und ihrem unwiderstehlichen Hang zu Donoughts.

Janet Evanovichs dritter Part aus der mittlerweile zehnbändigen Saga um die tollpatschige Kautionsagentin Stephanie Plum ist in bewährtem Muster gestrickt. Das ist literarischer Slapstick in Reinkultur, der aber so hinreißend fabriziert ist, dass man die Hauptperson einfach lieben muss. Dazu kommt, dass dieser dritte Band nicht mehr von Regina Rawlinson übersetzt wurde, wie die ersten beiden Bücher, sondern von Thomas Stegers, was dem Lesevergnügen absolut förderlich ist, denn Herr Stegers hält sich deutlich näher am Original und schafft es fast vollständig, den Wortwitz von Janet Evanovichs ins Deutsche zu transponieren, wofür ihm wirklich Lob zu zollen ist, denn gerade von diesem Witz lebt die ganze Serie.

Janet Evanovich zeichnet ihre Figuren sehr detailliert und komisch. In jedem Band kommen neue Details hinzu und bis zu Band Zehn darf man sich auf Einiges gefasst machen. Egal ob es sich um die herrlich ausgeflippte Darstellung von Oma Mazur oder die bizarre Dynamik Lulas handelt, oder ob Stephanie wieder einmal eine ihrer sexuellen Anwandlungen bekommt, und sich doch nicht zwischen Joe Morelli und Ranger entscheiden kann, stets rückt Frau Evanovich die Spießigkeit der Umgebung und die Spleens der einzelnen Handlungsträger ins richtige Licht und lässt die liebenswerten Katastrophen nur allzu menschlich erscheinen.

"Eins, zwei, drei und du bist frei" bringt auf 352 Seiten zwar nicht übertrieben viel an Krimispannung, aber dafür umso mehr an fröhlich, entspannenden Leseelementen rund um die unberechenbare Stephanie Plum, die im Original von Joe Morelli immer liebevoll "cupcake" genannt wird, was in den Übersetzungen der ersten beiden Bücher praktisch ignoriert wurde, in diesem Buch sinngemäß als "Zuckerstückchen" durchgeht. Ich werde also wohl oder übel auch die nächsten Bände in Deutsch lesen müssen, um vielleicht endlich eine adäquate Koseform für die bezaubernde Stephanie zu finden.

Eins, zwei, drei und du bist frei

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