Einmal ist keinmal

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 1996
  • New York: Scribner, 1994, Titel: 'One for the Money', Seiten: 290, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1996, Seiten: 285, Übersetzt: Regina Rawlinson
  • München: Goldmann, 1997, Seiten: 285
  • München: Goldmann, 2000, Seiten: 285
  • München: Goldmann, 2003, Seiten: 285
  • München: Goldmann, 2012, Seiten: 288
Einmal ist keinmal
Einmal ist keinmal
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Thomas Kürten
76°

Krimi-Couch Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Lesespaß ist garantiert! 

"Einmal ist keinmal" ist ein frischer, frecher Kriminalroman, manchmal etwas frivol, aber durchgehend spannend geschrieben. Die Protagonistin ist Stephanie Plum und sie befindet sich in einer verzweifelten Lage. Jahrelang hat sie als Dessouseinkäuferin bei E.E. Martin gearbeitet, dem schlechtesten Kaufhaus von New Jersey. Nun ist sie seit einem halben Jahr arbeitslos, inzwischen absolut pleite und erfolglos auf der Suche nach einem neuen Job. Die meisten Möbel hat sie inzwischen verkauft, ihren Wagen mußte sie abgeben. Langsam wird es Zeit, das berufliche Scheitern ihren Eltern anzuvertrauen. Die reagieren entsetzt, aber es fällt ihnen ein, dass Vetter Vinnie, der eine Kautionsagentur betreibt, kürzlich eine Bürohilfe suchte. Der Job ist nicht berauschend, dazu noch bei Vinnie, aber in ihrer Verzweiflung bleibt ihr wohl nichts anderes übrig.

Der Job ist natürlich schon vergeben, aber ein Kautionsdetektiv ist krank und ohne zu wissen, was das eigentlich ist, klammert sich Stephanie an diesen Strohhalm Hoffnung und will den Job übernehmen.

Wissem Sie, was die Arbeit eines Kautionsdetektivs ist?

Eigentlich ganz einfach, Vinnies Agentur stellt Kautionen für Verbrecher. Die kommen dafür bis zu ihrer Gerichtsverhandlung auf freien Fuß. Sollten sie nun aber nicht da erscheinen, so ist Vinnie sein Geld los und der Verbrecher zusätzlich auch noch ein Kautionsflüchtling geworden. Und er hat ein Problem mehr, nämlich einen Kautionsdetektiv auf den Fersen. Lohn für den Fang eines Kautionsflüchtlings sind 10% der Kautionssumme.

Der kranke Detektiv arbeitete gerade an einem dicken Fisch. 100.000 Dollar Kaution waren für einen mordverdächtigen, flüchtigen Polizisten ausgelegt worden. Stephanie wäre all ihre Sorgen also mit einem male los und die 10.000 Dollar Prämie sind zu verlockend. Sie übernimmt die Akte und sieht, dass sie es mit Joe Morelli zu tun hat. Mit ihm ist sie aufgewachsen. Die beiden haben als kleine Kinder Lokomotive gespielt (was das nun wieder ist, werde ich hier nicht verraten) und mit 16 verlor Stephanie hinter der Theke der Konditorei, in der sie damals arbeitete, durch ihn ihre Unschuld. Direkt danach prahlte er damit rum und kritzelte schmutzige Gedichte über Stephanie an irgendwelche Hauswände. Er war ein Mistkerl, das stand fest. Und nun sollte er sie aus ihren finanziellen Nöten holen.

Stephanie nimmt den Fall auf, Spuren gibt es wenige und doch ist sie mit ihrer anscheinend angeborenen Spürnase mitten in einem spannenden Fall, der mehr als nur ein simpler Mord ist. Schon am ersten Tag findet sie das Versteck von Morelli, weiß aber nicht wie sie ihn festnehmen soll. Nur gutes Zureden reicht anscheinend nicht. Und Morelli hat immer noch diese Art, die Frauen zu betören. Stephanie muß ihn ziehen lassen.

Eine weitere Spur führt sie tags darauf zu einem Boxstudio, in dem ein Boxchamp mit einem gestörten Verhältnis zu Frauen trainiert. Benito Ramirez mag es gar nicht, wenn eine Frau vor ihm nicht im Staub kriecht und so selbstbewußt auftritt wie Stephanie. Er versucht, sie zu überwältigen, aber zufällig kommt ausgerechnet Morelli ihr zur Hilfe und rettet sie aus den groben Händen des Boxstars. Vorerst!

In Stephanie erwacht Vertrauen zu Morelli. Sollte er recht haben und zu unrecht des Mordes verdächtigt sein? Sie geht dem ganzen auf den Grund, merkt, dass andere Zeugen des Mordes aus dem Weg geräumt, sprich umgebracht wurden. Um selber über Wasser zu bleiben muß sie zwischendurch kleinere Fälle lösen und begibt sich dabei nicht unwesentlich in Gefahr.

Es ist dabei herrlich mitanzusehen, wie Stephanie von Tag zu Tag dazulernt. Sind ihre allerersten Schritte als Kautionsdetektivin noch amateurhaft und unbedacht, so lernt sie aus ihren Fehlern, wie man mit Pistole und Tränengas richtig umzugehen hat. Mit ihrer sympathischen und teilweise Mitleid erweckend naiven Art findet sie den Zugang zu Ranger, einem anderen Kautionsdetektiv, und Gazarra, einem Polizisten. Beide helfen Stephanie und geben ihr wichtige Tipps für das Überleben auf der Verbrecherjagd. Sie wirkt immer abgeklärter.

In eine verzwickte Lage kommt sie, als Morelli eines Tages auf sie zukommt und sie um Mithilfe bittet. Sie glaubt inzwischen an seine Unschuld, dennoch würde sie ihre eigenen Sorgen ja nur los, wenn sie ihn auf das nächste Polizeirevier brächte. Morelli weiß leider zu gut, dass sie ihn nicht überwältigen kann. Sie könnte nie auf ihn schießen. Beide machen einen Deal aus. Sobald Morelli mit Stephanies Hilfe einen fehlenden Zeugen gefunden hat, der seine Unschuld beweisen kann, begleitet er sie freiwillig aufs Revier. Solange schützt er sie weiter vor Ramirez, der mehr und mehr zu einer Bedrohung wird. Ob und wie nun der wahre Täter gefunden werden kann und was noch alles im Zusammenhang mit diesem Fall aufgedeckt wird, dass dürft ihr dann aber selber lesen.

Der Kriminalroman von Janet Evanovich bildet den Auftakt einer Reihe von Stephanie Plum Krimis. Bislang sind fünf Fälle nachzulesen. Der Schreibstil in der Übersetzung von Regina Rawlinson ist unkompliziert und sehr flüssig, man kann das Buch geradezu verschlingen. Die Charaktere sind deutlich umrissen. Morelli - ein gewiefter Polizist, Ramirez - ein grobschlächtiger, boxender Hohlschädel, Jackie und Lula - zwei resignierte Huren, die sich ihrem Schicksal ergeben haben, Ranger und Beyers - zwei kauzige und abgestumpfte Kautionsdetektive, Mr. Alpha - ein sympathischer und sorgenerfüllter Boxmanager. Schließlich Stephanies Elter: eine sehr besorgte Mutter mit besonderen hausfraulichen Qualitäten, ein Vater, der in seinem Unterhemd in seinem Sessel verwurzelt zu sein scheint und die skurilste Figur im ganzen Roman, die schrullig-senile Grandma Mazur, die schon mal in Hawaii-Hemd und blauer Radlerhose auf eine Beerdigung geht. Dazwischen die Protagonistin, die sich von der unvorsichtigen und unbedarften Ex-Dessouseinkäuferin in eine durchdacht handelnde und besonnene Kautionsdetektivin verwandelt.

Lesespaß ist garantiert!

Einmal ist keinmal

Janet Evanovich, Goldmann

Einmal ist keinmal

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