Heiße Beute

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin’s Press, 2002, Titel: 'Hard Eight', Seiten: 311, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2003, Seiten: 351, Übersetzt: Thomas Stegers
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 351
  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 351

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Thomas Kürten
Kalter Kaffee

Rezension von Thomas Kürten Sep 2003

Nein, was haben wir gelacht. Da ist eine arbeitslose Frau mit chaotischem Gefühlsleben in Geldnöten. Scheinbar hat sie keine andere Wahl, als bei ihrem Vetter zu arbeiten... als Kautionsdetektivin. Stephanie Plums Vetter Vinnie stellt Kautionen für große und kleine Kriminelle, die dafür bis zu ihrem Gerichtstermin auf freien Fuß kommen. Wenn sie dazu jedoch nicht erscheinen, müssen die Kautionsdetektive dafür sorgen, dass die noch unverurteilten bei der Polizei erscheinen und einen neuen Gerichtstermin erhalten. Stephanie, eine gelernte Dessousverkäuferin, ist die sicherlich schlechteste Vertreterin ihrer Zunft und schlittert von einer Katastrophe in die nächste.

Janet Evanovich ist mit ihren seichten Juxkrimis in den USA äußerst erfolgreich und hat inzwischen auch in Deutschland eine große Fangemeinde erobert. Zurecht, denn sechs Bände lang sprühten die Erzählungen einfach nur so von Ideen und Gags. Aber dann kam schon im letzten Jahr ein erster Dämpfer mit dem siebten Band ("Mitten ins Herz"), den man mit der Lupe nach neuen Einfällen absuchen konnte. Immerhin konnte er aber noch mit einem halbwegs absurden Kriminalfall aufwarten.

Nun kommt mit "Heiße Beute" der achte Band. Wer jedoch auf eine Besserung gegenüber dem letztjährigen Werk erhofft, der wird sich schon sehr schnell nach nur wenigen Seiten eines besseren belehrt sehen.

Eines vorab, es ist schade, dass der Verlag irgendwo zwischen Band 5 ("Vier Morde und ein Hochzeitsfest") und 6 ("Tödliche Versuchung") davon abwich, die von der Autorin in den Originaltiteln gewählte Zählweise ("One for the money", "Two for the dough"; ... "Seven up", "Hard eight") abzustellen. Woher der deutsche Titel "Heiße Beute" stammt, bleibt nach der Lektüre des Buches ein Rätsel. Was Evanovich mit diesem Roman produziert hat ist alles andere als heiß, es ist aufgewärmte Kost, es ist Humor, der jedem Fan der Serie auf wundersame Weise aus alten Romanen bekannt ist, es ist kalter Kaffee.

Natürlich, als Fan darf man erwarten, dass wieder mehrere Autos von Stephanie in die Luft fliegen, dass mehrfach in ihre Wohnung eingebrochen wird, rüstige Greise im Jugendlichkeitswahn ihren Weg kreuzen, nervige Randpersonen bei den Ermittlungen helfen wollen, die Verhaftungsversuche reihenweise misslingen und Stephanie auch weiterhin zwischen den beiden Superheros Ranger und Morelli hin und her gerissen ist. Evanovich bedient diese Erwartungen, es ist alles drin, was ihre Leserschaft verlangt. Und trotzdem will der Funken nicht überspringen.

Worum geht es? Die Nachbarin von Stephanies Eltern hat für ihre Tochter Evelyn und deren Enkelin eine Vormundschaftskaution gestellt. Nun sind beide verschwunden und das Haus der lieben Omi droht gepfändet zu werden. Stephanie verspricht zu helfen, kann ja nicht so schwer sein, eine Mutter mit Kind aufzuspüren. Was sie zunächst findet, ist ein heruntergekommener Anwalt namens Kloughn, dessen Name von allen nur "Clown" ausgesprochen wird. Und ein Clown ist er auch. Da er nichts zu tun hat, will er Stephanie bei ihrer Arbeit helfen. Er holt sich recht schnell zwei blaue Augen und eine blutige Nase, aber obwohl beide einem Kautionsflüchtling vier mal Handschellen anlegen, kann dieser ihnen immer entkommen. Die Suche nach Evelyn und ihrer Tochter bleibt lange erfolglos, aber der Ganove Eddie Abruzzi scheint auch ein Interesse am Auffinden der Verschwundenen zu haben. Er legt Stephanie einige Steine (oder eher Schlangen, Spinnen und auch Leichen) in den Weg.

Wo ist der Unterschied zu den vorangegangenen Büchern zu sehen? Der Humor ist nur aufgewärmt aus der Witzmikrowelle, wobei die gewisse Würze leider auf der Strecke geblieben ist. Das ewige Gefühlswirrwarr nervt auch inzwischen und ist irgendwie abgelutscht (vielleicht täte mal ein neuer Mann für Stephanie gut). Dass die Senioren in Trenton sehr rüstig sind und ihre Sprüche denen von Teenagern an Bissigkeit weit überlegen, das ist auch nichts neues. Nein, die einzige Neuheit ist bei "Heiße Beute", dass es dieses mal eigentlich gar keinen Kriminalfall gibt, in dem Stephanie ermitteln muss. Als man erfährt, worum die ganze Aufregung geht, möchte man das Buch am liebsten in die Ecke schmeißen. Störend außerdem, dass immer wieder beim Auftritt altbekannter Figuren Rückblicke auf die alten Fälle eingebaut wurde. Dieses Prinzip verfolgt Evanovich jedoch schon seit dem dritten Band, damit auch Späteinsteigern die alten Verflechtungen ihrer Figuren greifbar werden.

Janet Evanovich sind nach sechs Romanen die guten Ideen ausgegangen. Im siebten Roman schon konnte man Befürchtungen haben, weil hier schon die Einführung neuer Charaktere nicht klappte. Der achte Roman bereitet nun keine Freude mehr. Evanovich setzt Standards ein, lässt keine Kreativität mehr erkennen. Fans werden sich vielleicht noch freuen können. Wer Evanovich noch nicht kennt und mal ein gutes Buch von ihr lesen will, der sollte lieber zu den älteren Werken greifen.

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