Reine Glückssache

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin’s Press, 2003, Titel: 'To the nines', Seiten: 312, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 346, Übersetzt: Thomas Stegers
  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 346

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Sabine Reiß
Die Stephanie-Plum-Show

Rezension von Sabine Reiß Nov 2004

Die durchgedrehte Kautionsdetektivin Stephanie Plum ist wieder da! Ihr Vetter und Chef Vinnie ist kürzlich in das Geschäft mit Visumskautionen eingestiegen und der erste Kandidat, Samuel Singh, ist prompt abtrünnig geworden, zumindest ist er weder bei seiner Zimmerwirtin Mrs. Apusenja aufgetaucht noch bei seiner Arbeit. Und der kleine Hund der Tochter Nonnie, die angeblich auch mit Samuel verlobt ist, der ist auch verschwunden. Das ist doch eine tolle Aufgabe für Stephanie, die ja in ihrem Vorleben mal Dessous-Verkäuferin war, nun aber ihr Brot mit dem Aufspüren von Kleinkriminellen verdient. Und zu allem Überfluss ist bei diesem Auftrag auch noch der smarte Ranger mit von der Partie, was ihrem derzeitigen "immer mal wieder-Freund" Joe Morelli gar nicht recht ist.

Stephanie sieht sich in der Firma um, in der Singh beschäftigt war, doch außer, dass sie dort nicht von jedem der drei Brüder in der Firmenleitung herzlich empfangen wird, erfährt sie zunächst nur, dass er nach einem gewissen Howie suchte, der in einer McDonalds-Filiale arbeitete. Auch Stephanie macht sich auf die Suche nach diesem Howie. Als sie ihn endlich gefunden hat, will er zunächst mit ihr sprechen und hat dann auch keine Gelegenheit mehr dazu, denn er wird vor ihren Augen erschossen. Und Stephanie wird langsam klar, dass auch ihr Leben in Gefahr ist und sie sich auf ein tödliches Spiel eingelassen hat.

Die Heldin polarisiert

"Reine Glückssache" ist das neunte Buch einer Serie, mit der Janet Evanovich wohl einen Volltreffer gelandet hat. Die Autorin hat mit dem Entwurf ihres Hauptcharakters eigentlich alles richtig gemacht. Sie hat es geschafft, eine Heldin zu entwickeln, die bei einem breiten Publikum gut ankommt. Entweder man liebt sie sofort oder greift nie wieder zu einem Buch: Stephanie Plum polarisiert.

Die Geschichte wiederholt sich in allen Büchern im Grunde immer wieder: Zunächst klingt der Auftrag einfach - mehr wird Stephanie eh nicht zugetraut - doch dann schlittert sie mit voller Wucht in ein Abenteuer, Einbrüche in ihre Wohnung sind eher die Regel als die Ausnahme und ihr Leben ist in Gefahr. Evanovich nimmt dabei den Alltag in einem amerikanischen Provinznest auf die Schippe. Stephanies unkonventionelles Leben steht im Gegensatz zu dem ihrer Nachbarschaft, wo die wichtigsten Fragen sind: Was gibt es zum Abendessen, wer hat geheiratet und welcher Lippenstift passt am besten zum Kleid? Natürlich kann auch sie diese Wurzeln nicht verleugnen...

Das Konzept nutzt sich ab

Ihren Charme beziehen die Bücher aus den exzentrischen und skurrilen Figuren, die vielmehr einer Karikatur gleichen als ein realistisches Bild abgeben. Die Geschichten stecken voller Details, die einer gewissen Komik nicht entbehren: Stephanies Begleiterin Lula, die ehemalige Prostituierte, die gerade eine Fress-Diät macht, damit sie die Figur eines Supermodels erreicht, ihre abgedrehte Großmutter und natürlich allen voran Stephanie selbst. All das ist recht humorvoll und locker (manchmal fast deftig) geschrieben.

Doch auch das beste Konzept läuft sich irgendwann mal tot, wenn man nicht aufpasst. Beim ersten Buch ist es noch unverbraucht und neu, doch dann schleicht sich bald Gewohnheit ein. Ich muss zugeben, dass sich bei mir die Abnutzungserscheinungen schon nach dem zweiten Band gezeigt haben und dementsprechend lang war die Pause bis zur Nummer neun. Ich musste hier nun leider feststellen, dass sich die Charaktere einfach nicht weiterentwickelt haben, die Autorin hat das Schema meines Erachtens etwas zu sehr strapaziert und der Humor ist im vorliegenden Band teilweise ein bisschen zu platt für meinen Geschmack.

Das neunte Abenteuer der Kautionsdetektivin bietet durchschnittliche Unterhaltung, wenn man etwas für skurrile, abgedrehte Geschichte übrig hat, mehr aber auch nicht.

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