Die Form des Wassers

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • Palermo: Sellerio, 1995, Titel: 'La forma dell'acqua', Seiten: 173, Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Edition Lübbe, 1999, Seiten: 247, Übersetzt: Schahrzad Assemi
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2000, Seiten: 249
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2005, Seiten: 252
  • Augsburg: Bechtermünz, 2001, Seiten: 247

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Peter Kümmel
Der tote Ingegnere im Freiluftbordell

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Der angesehene Ingegnere Luparello wird eines frühen Morgens von zwei Straßenfegern an der Mánnara, einem Strand, der als öffentliches Freiluftbordell gilt, mit geöffneter Hose tot in seinem Auto aufgefunden. Die Autopsie ergibt, dass Luparello an Herzversagen starb. Also kann Commissario Montalbano den Fall schon abschließen, bevor er ermitteln muß. Doch so schnell möchte dieser den Fall nicht den Akten legen.

Obwohl Montalbano aus dem politischen Umfeld von Luparello gedrängt wird, die Ermittlungen abzuschließen, möchte er gerne noch ein paar merkwürdige Umstände aufklären, die ihm aufgefallen sind. An der Todesart gibt es keinen Zweifel. Doch was treibt einen Mann des öffentlichen Interesses wie Luparello an einen solchen Platz, wo er von jedem gesehen werden kann. Dort entdeckt zu werden, käme einem handfesten Skandal gleich. Für Montalbano wirkt das alles irgendwie inszeniert.

Und so ist es für ihn genauso wie mit der Form des Wassers. Dieser Fall hat auch keine feste Form und Montalbano ist sich noch nicht sicher, welche Form er ihm geben kann.

Auf der Suche nach einem verschwundenen Collier

Daß es da tatsächlich noch einige Dinge zu klären gibt, merkt er, als Luparellos schärfster positischer Gegner, der Avoccato Rizzo, nach einem verschwundenen Collier suchen lässt, das einer der Straßenreiniger dort entdeckt hat, wo Luparello tot aufgefunden wurde. Und als Montalbano am Strand weitere Indizien findet, die ihm präpariert vorkommen, beginnt er, erste Theorien aufzustellen.

Die Romane von Andrea Camilleri um Commissario Montalbano muß man nicht unbedingt in die Sparte Kriminalroman einordnen, auch wenn man sie als Unterhaltungsroman bezeichnet, liegt man nicht ganz falsch. Denn zu unterhalten, das ist die Hauptaufgabe, die die Bücher erfüllen sollen und das tun sie auch ganz hervorragend.

Im Prinzip ist "Die Form des Wassers" gar kein klassischer Kriminalfall des alten Stils. Geschildert wird vielmehr der Alltag bei der sizilianischen Polizei. Einen "Fall" an sich hat Montalbano hier auch gar nicht zu bearbeiten, denn das Opfer starb eines natürlichen Todes.

Sehr humorvoll, viele Ereignisse stehen auch völlig für sich allein

Wenn man z.B. einen Agatha-Christie-Krimi liest, weiß man sofort, dass eine nebensächlich erzählte Begebenheit natürlich irgendwie mit der Haupthandlung in Verbindung stehen muß. Bei Camilleri gibt es, so wie es im alltäglichen Polizeileben auch zugeht, immer mal wieder Ereignisse, die völlig für sich alleine stehen. Und das ganze wird sehr humorvoll erzählt. Da Camilleri im Original vieles im Dialekt schreibt, geht durch die Übersetzung natürlich einiges verloren.

Der Anfang des Buches ist es etwas verwirrend, da Camilleri sehr viele Personen einführt und der deutsche Leser mit der Unterscheidung der vielen italienischen Namen, die auftauchen, so seine Schweierigkeiten hat. Dabei ist es nicht sofort ersichtlich, welche Charaktere im weiteren Verlauf eine wichtige Rolle spielen und welche nur Randfiguren sind, denn oft bekommen auch solche Personen vom Autor einen Namen zugeordnet, die nur einen kleinen Auftritt im Buch haben.

Mafia, politische Intrigen, Korruption - alles, was man von einem Italo-Krimi erwartet

Natürlich hat der Roman alles, was man von einem italienischen Kriminalroman, und insbesondere von einem sizilianischen erwartet: Mafia-Geschichten, politische Intrigen und Korruption. Das macht natürlich einiges auch leicht vorhersehbar.

Der Roman an sich ist sehr kurz. Knapp 250 Seiten, aber mit großem Zeilenabstand und ungewöhnlich breitem Rand, sind recht schnell gelesen. Da hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, einiges noch ein wenig auszuschmücken und auch die Verbrechen, die so am Rande passieren, noch etwas genauer zu beleuchten. Einige der Charaktere sind nur recht oberflächlich dargestellt, andere wiederum sehr genau beschrieben.

Eine nette Abwechslung bieten für mich alle Krimis, die nicht in England, USA oder Deutschland spielen. Man erfährt hier so einiges über Sizilien und die Leute, die die Insel bevölkern, sowohl über den angenehmen Teil der Bevölkerung als auch die Mafia. Und auch an kulinarischen Köstlichkeiten wird so einiges geboten.

Angenehm und schnell zu lesen, aber nicht unbedingt mitreissend

Als Unterhaltungsroman sehr angenehm und schnell zu lesen. Wer italienische Krimis kennt, hat eine ungefähre Vorstellung davon, was auf ihn zukommt. Für Fans von Serien-Krimis durchaus empfehlenswert, denn die Figur des Commissario Montalbano ist noch ausbaufähig. Dennoch nicht so mitreissend, dass ich jetzt alle Krimis der Reihe hintereinander verschlingen müsste.

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