Die Spur des Fuchses

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Palermo: Sellerio, 2007, Titel: 'La pista di sabbia', Seiten: 263, Originalsprache
  • Köln: Lübbe Audio, 2010, Seiten: 4, Übersetzt: Bodo Wolf
  • Köln: Bastei Lübbe, 2012, Seiten: 267

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Wolfgang Franßen
Dulce far niente

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Jul 2010

Kommen Pferde zu Schaden, denkt man sogleich an den Pferdekopf im Paten. Bei Commissario Moltabano ist es jedoch nicht nur ein Kopf sondern ein ganzer Kadaver, den er am Strand vor seinem Haus findet. Was den Commissario empört, so dass er sogleich Fazio losschickt, um die Stelle zu finden, an der Eisenstangen, Zigarettenstummel und andere Beweismittel liegen, um sie einer DNA-Analyse zu unterziehen und die Täter zu überführen. Commissario Moltabano nimmt die Sache mit dem Tierschutz nicht auf die leichte Schulter. Auch wenn das Pferd kurze Zeit darauf verschwunden ist.

Die Ermittlungen werden ihn in die mondänen und illustren Kreise um Barone Piscopo di San Militello führen, der private Wettrennen veranstaltet, um den Einsatz wohltätigen Zwecken zuzuführen. In einem Nebenstrang tauchen die Rachegelüste eines ehemaligen Stallknechtes auf, der durch seinen Arbeitgeber so zu Schaden gekommen ist, dass er von da an in einem Rollstuhl sitzt.

Agatha Christies Upperclass-Fälle zwinkern um die Ecke. Der eigentliche Fall dreht sich um vertauschte Pferde, als befänden wir uns wiederum in England, diesmal bei Dick Francis. Die üblichen Unzulässigkeiten der Strafverfolgung á la Donna Leon oder Loriano Macchiavelli gehören zur Standardausrüstung italienischer Kriminalromane. Die Leichtigkeit jedoch, mit der Andrea Camilleri seine ausgewogenen Plots strickt, erhebt ihn über viele seiner Kollegen hinaus. Seine Verbrechen unterliegen der nonchalanten Erzählweise. So kommt es zu pittoresken Beschreibungen wie:

 

"Dieser Mann hätte wahrscheinlich auch gewankt, wenn sich eine Fliege auf seiner Schulter niedergelassen hätte."

 

Mehr braucht es nicht, um jemanden in Camilleris Welt zu beschreiben. Wir haben sofort ein Bild vor uns. Das macht Die Spur des Fuchses trotz seines biederen Verbrechens lesenswert.

Dem Commissario Moltabano drohen, zu jederzeit die Felle wegzuschwimmen. Trotz aller Wutausbrüche erschüttert ihn das Chaos nicht wirklich. La dolce vita besitzt eine ganz eigene Kraft. Niemand verkörpert diese Lebenseinstellung so wie der Autor. Er bedient das Klischee bis an die Grenze, nimmt keine seiner Figuren wirklich ernst und verwandelt Schwächen in Stärken.

Egal ob Montalbanos Liebschaften dazu führen, dass er sich mit seiner deutschen Freundin nur noch am Telefon streitet, ob seine Untergebenen sich weiterhin als unfähig erweisen, ob Möchtegernganoven zur großen Form auflaufen, ob sich seine Gerichte leicht nachkochen lassen, er als Beifahrer neben seiner Freundin Ingrid auf Grund ihres Geschwindigkeitsrausches, Todesängste aussteht, Camilleri erzählt von Freunden.

Und mitunter wird selbst der Hass eines Knechts auf seinen Peiniger vor dem Hintergrund eines zerstörten Lebens verständlich. Bei Camilleri wird ähnlich wie bei Honoré de Balzac das Leben zur menschlichen Komödie.

Die Frauen beherrschen das Geschehen. Am anrührensten Concetta Siragusta, die vortäuscht, die Geliebte eines anderen zu sein, um ihrem Mann Guerri bei dem Versuch zu helfen, Aufnahme in den Familienclan der Cuffaros zu finden. Einem Verdächtigen wird so ein Alibi geliefert. Moltabano für kurze Zeit auf falsche Fährte geleitet.

Wem das nicht reicht, der wird in Die Spur des Fuchses sicher Gefallen an der geheimnisvollen Rachele finden, die sich gleichermaßen im Vorübergehen, einen Commissario gönnt, so dass Moltabano im Verlauf mehr über sie als über den eigentlichen Fall rätselt. Egal ob bei ihm eingebrochen wird oder er aus einem bizarren Traum erwacht, seine Leser zweifeln nie daran, dass dieser Commissario als Mittelpunkt sämtlichen Chaos einen Weg findet, jedes Verbrechen aufzuklären.

Die Spur des Fuchses

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