Eine Stimme in der Nacht

Erschienen: April 2018

Bibliographische Angaben

  • Palermo: Sellerio, 2012, Titel: 'Una voce di notte', Seiten: 269, Originalsprache
  • Köln: Bastei Lübbe, 2018, Seiten: 272, Übersetzt: Rita Seuss & Walter Kögler

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Almut Oetjen
Ein rätselhafter Selbstmord und ein Mord

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mai 2018

Bei einem nächtlichen Einbruchdiebstahl in einem Supermarkt im sizilianischen Vigàta verschwinden die Tageseinnahmen. Es gibt keine Einbruchspuren - die Diebe müssen einen Schlüssel benutzt haben. Einem Gerücht zufolge wird der Supermarkt von der Mafia, den Cuffaro, kontrolliert. Wer wäre so dumm, die Mafia zu bestehlen?

Am nächsten Tag wird Supermarktleiter Guido Borsellino in seinem Büro erhängt aufgefunden. Das offizielle Ergebnis der Untersuchung lautet auf Selbstmord. Doch Pathologe Dottor Pasquano vertraut Montalbano an, dass der Selbstmord nur inszeniert war. In einer schmutzigen Medienkampagne wird Montalbano beschuldigt, Borsellino als Dieb beschuldigt und mit seinen inquisitorischen Fragen in den Selbstmord getrieben zu haben.

Der Abgeordnete Mongibello, Vorstandsvorsitzender des Supermarkts und Vertrauensanwalt der Cuffaros, will eine parlamentarische Anfrage zu dem Selbstmord stellen. Polizeipräsident Bonetti-Alderighi reagiert erschrocken und eingeschüchtert auf den Skandal. Doch er lässt Montalbano freie Hand, um einen möglichen Sündenbock zu haben.

Kurz darauf wird das Verschwinden des Nachtwächters Tumminello gemeldet, der in der Nacht des Diebstahls Dienst tat. Seine Leiche wird in einem abgelegenen Haus auf dem Land entdeckt. Er wurde nach Mafia-Manier hingerichtet, vermutlich weil er das Pech hatte, den Dieb zu sehen. Montalbano fragt sich, wer wegen 16.000 Euro zwei Morde begeht. Es muss sich um eine wesentlich größere Sache handeln.

Außerdem muss sich Montalbano um den Mord an der 23-jährigen Architektur-Studentin Mariangela Carlesino kümmern, die in ihrem Haus abgeschlachtet wurde. In Verdacht gerät ihr Verlobter Giovanni Strangio, Sohn des einflussreichen Provinzpräsidenten, der die Tote bei der Rückkehr von einer Geschäftsreise gefunden und das Verbrechen gemeldet hat. Er ist labil, aggressiv, ein Verkehrsrowdy, der einige Tage vorher mit einem Schraubenschlüssel auf Montalbano losgegangen ist. Montalbano hält ihn für verrückt.

Der Verdacht gegen Strangio erhärtet sich, als Montalbano eine Lücke in dessen scheinbar wasserdichtem Alibi findet. Doch das ist nicht Beweis genug. Erst die Aussage einer älteren Nachbarin und der Busenfreundin Mariangelas führen ihn auf die richtige Spur, und nun versteht er auch die seltsame Bemerkung, die Strangio bei der Befragung gemacht hat.

Kampf an zwei Fronten: Montalbano blüht auf

Andrea Camilleri fordert seinen Protagonisten mit gleich zwei Fällen heraus, die ihn seine Karriere und den Kopf kosten könnten. Im Fall Borsellino bekommt er es unter anderem mit der Mafia und Mafia-freundlichen Politikern zu tun. Montalbano findet sich in einem Gewirr aus falschen Spuren wieder, die Sache ist so heikel, dass der Polizeipräsident zurückzuckt und einen Anfall erleidet.

Der Mord an der jungen Frau stellt ihn ebenfalls auf eine harte Probe. Denn der Täter ist brutal vorgegangen, und der Hauptverdächtige verhält sich seltsam. Montalbano weiß nicht recht, wie er ihn einschätzen soll, sein aggressives Verhalten, seine Ausraster. So wirft sich Strangio ohne Vorwarnung nach dem Besuch auf dem Kommissariat vor ein Polizeiauto und muss ins Krankenhaus. Auch das Verhalten des Anwalts und des Vaters geben ihm Rätsel auf.

Intelligenz und Kämpfernatur von Commissario Montalbano sind gefragt

Solche Fälle spornen Montalbano an. Sie bereiten ihm nach eigener Aussage geradezu ein Vergnügen, weil sie seine Intelligenz und seine Kämpfernatur herausfordern. Er muss nicht nur zwei schwierige Fälle klären, sondern auch sich selbst entlasten. Denn sein Erzfeind, der TV-Chefkommentator Ragonese, gibt ihm die Schuld an Borsellinos Tod.

Das bietet Montalbano eine Gelegenheit, sich über die Ehrlosigkeit Ragoneses auszulassen, der Nachrichten verliest, die ihm Mächtigere diktieren, nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil er der geborene Untertan ist, sich jedem freiwillig unterwirft, der einflussreich ist.

Dienst nach Protokoll hilft Montalbano im Kampf gegen die Mafia nicht weiter. Er muss selbst zu illegalen Mitteln greifen, bricht ein, stiehlt und unterschlägt Beweise, verschickt anonyme Botschaften, gibt sich eine falsche Identität, um den Gegner zu verwirren und in die Enge zu treiben. Instinktiv kennt er den Hintergrund im Fall Borsellino, doch es wird ihm erst spät klar, wo die Verbindung zu dem Film "Die Unbestechlichen" liegt, Brian De Palmas Streifen aus dem Jahr 1987, an den er die ganze Zeit denken muss.

Der Fall Mariangelas konfrontiert ihn mit einem skrupellosen Mörder. Um der Gerechtigkeit willen stellt er ihm eine Falle, die ihn aus der Reserve locken soll, mit überraschenden Folgen.

Camilleri ringt auf knappen 267 Seiten zwei komplexe, komplizierte Geschichten auf die Matte, pointiert, mit vielen starken Dialogen und reduzierten Beschreibungen. Die Ereignisse überschlagen sich in rasantem Tempo, weshalb der Roman sich spannend und kurzweilig liest.

Der Protagonist ist Egoist und Eigenbrötler, Vielfraß und Feinschmecker

Zwischen den Ermittlungspassagen gibt es kleine Verschnaufpausen, in denen sich Montalbano mit dem beschäftigt, was ihn am meisten interessiert: sich selbst. Montalbano, Egoist und Eigenbrötler, Vielfraß und Feinschmecker, leidet diesmal besonders an seiner Alterskrise - er wird 58 - und streitet sich am Telefon ausgiebig mit seiner langjährigen Verlobten Livia.

"Eine Stimme in der Nacht" ist Camilleris 20. Band um den unorthodoxen Commissario Montalbano aus dem sizilianischen Vigàta. Das Original erschien 2012 unter dem Titel "Una voce di notte", entstand aber bereits ein paar Jahre vorher, wie der Autor anmerkt. Camilleri erzählt mit Witz und Ernsthaftigkeit eine spannende Geschichte um Korruption, Gier und Skrupellosigkeit, reflektiert dabei kritisch die Paradigmen realer sozio-ökonomischer Verhältnisse Siziliens.

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Letzte Kommentare:
06.05.2018 15:23:02
leseratte1310

Diese Reihe um Commissario Montalbano von Andrea Camilleri gibt es schon so lange und ich hatte bisher noch keinen Band gelesen, aber schon viel Gutes gehört. Daher bin ich nun ein wenig enttäuscht, denn dieser Krimi konnte mich nicht ganz überzeugen.
Im sizilianischen Vigàta hat die Mafia die Kontrolle, auch über den Supermarkt, aus dem eine Geldkassette verschwindet und am nächsten Tag findet man den Geschäftsführer erhängt auf. Dann meldet auch noch der Giovanni Strangio, Sohn eines einflussreichen Lokalpolitikers, den Tod seiner Lebensgefährtin. Er fand sie in der gemeinsamen Wohnung, als er von einer Geschäftsreise zurückkam.
Dieser Krimi lässt sich angenehm flüssig lesen. Leider aber gerät die Krimihandlung ein wenig ins Hintertreffen, da es viel um das Leben der Protagonisten geht. Dass ich keinen der Vorgänger gelesen habe, stört aber für das Verständnis nicht weiter.
Das Alter geht auch an Montalbano nicht vorbei. Er wird gerade 58 Jahre alt und verspürt so einige Zipperlein. Das hindert ihn aber nicht daran, unbeirrt zu ermitteln, auch wenn sein Chef sich eher ängstlich zurückhaltend verhält. Montalbano weiß mit wem er es zu tun hat, aber er lässt sich durch nichts und niemanden einschüchtern, selbst die Pressekampagne hält ihn nicht auf. Er hat seine ganz besondere Methode, um Täter zur Strecke zu bringen. Unterstützt wird er dabei von seinem eingespielten Team.
Wir dürfen teilhaben am sizilianischen Ambiente, das der Commissario gerne auf seiner Terrasse genießt, am liebsten mit gutem Essen von seiner Haushälterin Adelina. Aber die Idylle der Insel hat auch einen Fehler, denn die Mafia-Clans wollen ihre Pfründe sichern und haben Verbindungen in höchsten Kreisen.
Montalbano ermittelt in zwei unterschiedlichen Fällen und doch stellt sich am Ende heraus, dass es Zusammenhänge gibt.
Es ist eine komplexe Geschichte mit der Montalbano hier zu tun hat, trotzdem fehlte mir ein wenig die Spannung, denn das Drumherum hat mir zu viel Raum eingenommen.