Eifel-Liebe

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2002, Seiten: 318, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Lido, 2003, Seiten: 3, Übersetzt: Dietmar Bär, Claudia Amm & Günter Lamprecht, Bemerkung: gekürzte szenische Lesung
  • Dortmund: Grafit, 2014, Seiten: 317, Originalsprache

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Peter Kümmel
Es fehlt ein gewisses Salz in der Suppe

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Der Held ist auf der Flucht vor den Bösewichtern, übersieht den Abgrund, stürzt, kracht durch ein Dach - und landet genau auf dem Sofa des (bis dahin noch nicht in Erscheinung getretenen) Mörders.

Normalerweise würde ich jetzt sagen: das war's dann - ein Buch für die Tonne. Nun ist es aber so, dass ich den Siggi Baumeister, freischaffender Journalist und Protagonist von Berndorfs Eifel-Krimis, mittlerweile schon liebgewonnen habe und dem Autor diese Ausgeburt der Phantasie verzeihe und als göttliches Eingreifen abhake.

Es ist ja auch nicht so, dass damit der Roman abgeschlossen und alles aufgeklärt wäre. Denn Berndorf hat "Eifel-Liebe" so vollgepackt mit Mördern und Verbrechern, dass noch genügend aufzuklären bleibt.

Angefangen hat alles mit Oma Ohler aus Meerfeld, die den Siggi gerne als Privatdetektiv engagieren möchte, weil in der Clique ihrer Enkelin Anna nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Annas Mann, der Rolli, ist völlig am Ende, seit die Anna mit dem reichen Bauunternehmer Bliesheim zusammen ist, der den Rolli sozusagen "aus der Ehe rausgekauft" hat. Und der Kinsi ist jetzt auch noch verschwunden. Doch Baumeister ist kein Detektiv und hat selber genügend Probleme mit seiner Freundin, als daß er sich mit den wirren Gedankengängen einer alten Frau auseinandersetzen möchte.

Doch als Oma Ohler das nächste Mal anruft und ihm erzählt, man habe den Kinsi aufgehängt in der Scheune gefunden, da erwacht die journalistische Spürnase. Kinsi war so etwas wie der Dorftrottel, ein etwas zurückgebliebener Kerl, der bei allen beliebt war und der demnächst heiraten wollte, also überhaupt keinen Grund hatte, sich umzubringen. Baumeister hört sich ein wenig um und besucht Kinsis Verlobte. Dort erfährt er, dass Kinsi völlig anders war, als er sich gegeben hat. Er las anspruchsvolle Literatur und schrieb Gedichte.

Kurze Zeit später findet sich die nächste Leiche: Elvira Klein, ein Mitglied von Anna Clique, wird erschossen aufgefunden. Die Polizei sieht kein Motiv für die Tat. Außerdem ist die Wittlicher Mordkommission unter der Leitung von Baumeisters Freund Kischkewitz völlig überlastet, denn sie haben noch einen weiteren Mord aufzuklären. Ein Förster wurde in einem Wald, für den er gar nicht zuständig ist, vermutlich von einem Profikiller erschossen. Und wenn sich Baumeister auch um diesen Fall kümmert, ahnt der Leser schon, dass da Zusammenhänge bestehen.

Berndorf lässt seine liebenswerten Figuren oft wie aus dem Nichts auftauchen, sie sitzen so wie Tante Anni eines Abends einfach vor der Haustür. Dennoch ist mir bei Berndorf oft ein wenig zu viel "Heile Welt" zwischen den ganzen Morden. Baumeister hat überall Freunde und findet immer Mitstreiter, die ihm helfen. Mal ab und an so einen falschen Freund dazwischen, der unseren Helden auch mal verrät, wäre so ein wenig Salz in der Suppe.

Großen Wert legt der Autor auf die Weiterentwicklung seiner Figuren. Auch, wenn man das Gefühl hat, dass sich Baumeister nie ändert und auch nie altert, so bekommt man bei seinen Beziehungen - diesmal kriselt es mit seiner Freundin Vera - mit, dass er trotz aller Flapsigkeit nach außen hin ein wenig reifer wird. Die Freunde Rodenstock und Emma halten sich zwar in den USA auf, das hindert sie jedoch nicht daran, trotzdem wieder eine tragende Rolle zu übernehmen.

Den größten Spaß in den Eifel-Krimis machen jedoch die Randfiguren. Sympathische aus dem Leben gegriffene Menschen, mitunter leicht überzeichnet, so wie eben jene Tante Anni aus Berlin, so wie Oma Ohler oder der leider nur noch als Leiche auftretende Klinsi, aber auch die nicht ganz so liebenswerten Zeitgenossen wie Bauunternehmer Bliesheim oder die undurchsichtige Gundula Pechter.

Und bei all den Kleinigkeiten, die bereits für genügend Lesevergnügen sorgen, vergisst man ab und an, dass es ja sogar noch einen (oder mehrere) Mörder zu suchen gilt. Obwohl die Handlung spannend genug ist. Man kann die Eifel-Krimis mögen oder nicht, man kann aber auf keinen Fall abstreiten, dass sie sehr unterhaltsam und humorvoll sind.

Eifel-Liebe

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